Kritik zu Pressure
Der britische Regisseur Anthony Maras (»Hotel Mumbai«) greift eine Episode aus dem Zweiten Weltkrieg auf und zeigt, dass die Invasion der Alliierten in der Normandie an einem seidenen Faden hing.
Die Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 war die größte militärische Operation der Geschichte, eine gigantische Konzentration an Menschen und Material. Wäre sie schiefgegangen, wie zuvor die interne Übung »Operation Tiger«, die über 700 Soldaten das Leben kostete, hätte sich der Krieg gegen Nazideutschland auf unabsehbare Zeit verlängert. In »Der längste Tag« von 1962, dem Klassiker über den D-Day, kommt ein Aspekt eher am Rande vor: die Verschiebung des Angriffs vom 5. auf den 6. Juni. Wegen schlechten Wetters.
»Pressure« beginnt und endet mit Aufnahmen von Wolken: eine schöne Klammer für einen Film, in dem quasi die Meteorologie die Hauptrolle spielt. Von der wir ja bis heute wissen, dass sie zu den unwägbarsten aller Wissenschaften zählt … Gegenüber Voraussagen über einen Tag hinaus ist auch Captain James Stagg (großartig: Andrew Scott) skeptisch, der als britischer Chefmeteorologe wenige Tage vor dem D-Day ins Hauptquartier des Stabs um den Oberkommandierenden Dwight D. Eisenhower (ebenfalls überzeugend: Brendan Fraser) geschickt wird. Stagg ist eher eine Spaßbremse, kein sozialer Mensch, aber standfest, wenn es darauf ankommt. Vor allem in Sachen Wetter. Sein Gegenspieler im Hauptquartier ist der amerikanische Meteorologe Colonel Krick (Chris Messina), der sich brüstet, für die Armee immer das richtige Wetter vorausgesagt zu haben – allerdings unter stabilen Wetterbedingungen in Afrika, wie Stagg argumentiert. Und Krick zieht für seine Prognosen immer die gleichen Tage aus den Jahren davor zu Rate. Bisher war immer gutes Wetter …
Aber Stagg errechnet aus den verfügbaren Daten der Wetterstationen die Prognose eines Unwetters. Die Szene, in der Stagg dem Oberkommando seine Vorhersage verkündet und von der Invasion abrät, ist sicherlich die stärkste des Films: Man spürt den Druck, der auf dem Wissenschaftler liegt (daher der Titel des Films). Schon vorher hatte General Montgomery (Damian Lewis), der in Kriegsfilmen wie »Patton« oft als karrieristischer, eher unangenehmer Befehlshaber geschildert wird, um eine genehme Prognose gebeten. Eisenhower sagt die Invasion für den 5. ab.
Es ist erstaunlich, wie es dem Regisseur Anthony Maras gelingt, Spannung für eine Sache aufzubauen, deren Ausgang wir ja doch kennen. Er inszeniert »Pressure« gekonnt auch als menschliches Drama, um einen Einzelgänger, der keine Verbündeten hat, nur Eisenhowers Adjutantin (Kerry Condon) zeigt etwas Mitgefühl. Dass es am 5. tatsächlich regnet, wirkt wie eine Erlösung.
Pressure ist im Grunde ein Kammerspiel – und ein Thriller. Seine Herkunft von einem Theaterstück (von David Haig, der auch am Drehbuch mitgewirkt hat) merkt man ihm aber an keiner Stelle an. Der Film lebt von seinen großartigen Darstellern, seiner gediegenen Ausstattung, und seine Erzählweise ist angenehm altmodisch – einen Experimentalfilm darf man bei diesem Thema sowieso nicht erwarten. Auf die – kurze – Nachstellung der Invasion aus Archivmaterial und inszenierten Szenen hätte »Pressure« getrost verzichten können. Das haben andere Filme schon besser gemacht.







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