Kritik zu Play

Trailer mit englischen Untertiteln © Fugu Films

2011
Original-Titel: 
Play
Filmstart in Deutschland: 
24.01.2013
L: 
118 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Didaktisches aus Schweden: Mit einer eigenwillig gefilmten Versuchsanordnung erklärt Ruben Östlund das Phänomen der Jugendkriminalität

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Ein Film wie geschaffen für den Einsatz im Unterricht, sagen wir: Sekundarstufe I. Komplexe Fragen des sozialen Miteinanders werden darin angerissen, aber nicht beantwortet. Sind Immigranten böse? Ist die Gesellschaft gleichgültig? Können wir unseren Augen trauen? Wenn die Geschichte schließlich mit einer musikalisch-tänzerischen Darbietung in einem Klassenraum endet, lässt sich danach jedenfalls trefflich diskutieren über Opfer und Täter, Schuld und Unschuld, Vorurteile und Klischees.

Es geht um ein Trio 12- und 13-jähriger Jungs aus besseren Verhältnissen, die sich in einer Göteborger Shopping Mall in das titelgebende Spiel verwickeln lassen: Eine andere Clique etwa Gleichaltriger mit Migrationshintergund stellt sie zur Rede, einer der drei soll ein Handy geklaut haben. Der streitet alles ab, sein Vater habe ihm das Handy geschenkt. Aber er begeht doch den Fehler, das Telefon aus der Hand zu geben. So beginnt eine Reise durch die Stadt, die sich mal wie eine Verfolgungsjagd anfühlt, mal wie eine Entführung, mal wie ein Abenteuertrip. Immer aber schwingt die Angst mit: Was führen die vermeintlich Bestohlenen im Schilde? Sind sie so gefährlich, wie es ihre Gangster-Rapper-Outfits vermuten lassen? Werden sie Gewalt anwenden? Oder ist das alles bloß ein böser Scherz, aus der Langeweile eines ereignislosenNachmittags geboren? Der Schwede Ruben Östlund schildert diese Versuchsanordnung auf sehr eigenwillige Weise: als Mischung aus quasi-dokumentarischer Distanz und radikalem Formwillen. Die Kamera bleibt grundsätzlich in der Totalen und meistens starr, in ewig langen Einstellungen hält sie das Geschehen fest – ohne zu dramatisieren, ohne Partei zu ergreifen, ohne Identifikation zuzulassen. Immer wieder wählt sie »falsche« Standpunkte oder »missglückte« Bildausschnitte, wir schauen dann minutenlang auf die Rücken der herumstehenden Jugendlichen oder sehen einen angeschnittenen Kopf, der gerade so von unten ins Bild ragt, während darüber die Leere gähnt.

Ganz offensichtlich verweigert sich Östlund jeglicher erzählerischer Konvention, er wählt einen Zeigegestus, den man eigentlich nur didaktisch nennen kann. Es geht ihm nicht um diese Kinder und eigentlich auch gar nicht um den konkreten Fall, den er da beinahe in Echtzeit schildert. Vielmehr ist alles irgendwie exemplarisch, ein Statement zur Jugendkriminalität und zu gesellschaftlicher Wahrnehmung, und dabei hübsch ausgewogen: Auf These folgt Antithese, auf Empörung Beruhigung, auf Gewissheit Unsicherheit. So richtig konsequent ist Östlund dabei nicht; gelegentlich gibt er sein Erzählprinzip auf und überrascht mit »inszenatorischen« Kamerabewegungen, die den Zuschauer verblüffen oder schockieren sollen. Da verkündet er mit großer Aufdringlichkeit seine unaufdringliche Botschaft: dass er nämlich keine Botschaft hat.

Alles politisch korrekt, aber in seiner Eintönigkeit und Redundanz enervierend. Im Zweifel verspricht eine zweistündige Straßenbahnfahrt, die obendrein nur den Bruchteil eines Kinotickets kostet, die gleichen Einsichten, dafür aber mehr visuelle Abwechslung.

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