Kritik zu Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft

© Sony Pictures

2018
Original-Titel: 
Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft
Filmstart in Deutschland: 
18.01.2018
L: 
99 Min
FSK: 
keine Beschränkung

In der Fortsetzung der erfolgreichen Kinderabenteuerkomödie werden nach ­demselben Rezept nun die Erzeuger von Schüler Felix auf Miniaturgröße verkleinert

Bewertung: 3
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Jeden Erwachsenen, der einen ärgert, auf Däumlingsgröße schrumpfen zu lassen – das ist ein alter kindlicher Wunschtraum. Von daher war der Erfolg der Kinderkomödie »Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft« (2015), die fast sieben Millionen Euro einspielte, doch nicht so überraschend. In der Fortsetzung schrumpft Schüler Felix dank eines unbedachten Wunsches nun unabsichtlich seine Eltern. Auch die bereits in der Vorgängerkomödie geschrumpfte strenge Lehrerin Dr. Schmitt-Gössenwein, die nun die Nettigkeit in Person ist, wird wieder klein gemacht. Hinter dem neuen »Downsizing« steckt eine weitere Lehrerin: Direktorin Hulda Stechbarth, die aufgrund eines magischen Missgeschicks zum Leben erweckt wurde. Sie war einst eine Kollegin des in Felix' Schule verehrten Reformpädagogen Otto Leonhard, vertrat aber konträre erzieherische Ansichten. Nun will die Untote, im strammen Korsett eines viktorianischen Kostüms steckend, in der Lehranstalt wieder Zucht und Ordnung einführen.

Die Fortsetzung, in der diesmal statt Sven Unterwaldt Tim Trageser Regie führt, wiederholt mit dem gleichen Ensemble (leider ohne Justus von Dohnanyi) die Motive des Vorgängerfilms. Diesmal ist Felix sauer, weil seine Eltern wegen eines Jobs nach Dubai umziehen wollen. In der Rolle der Schurkin ersetzt Hulda die zur Kuschelpädagogin mutierte »Schmitti« und baut den Part der gnadenlosen Paukerin zum Schreckgespenst aus. Auch in seinen Mängeln und Vorzügen ähnelt der Film, lose inspiriert von einem Kinderbuch von Sabine Ludwig, dem Vorgänger. Das Drehbuch ist mal lückenhaft und mal umständlich. So werden die genaueren Modalitäten des Verkleinerungsprozesses ebenso ausgespart wie mancher Handlungsschritt. Andererseits wird die an sich rasante Geschichte durch überflüssige Nebenhandlungen wie Felix' Eifersucht auf Mario und den zögerlichen Flirt zwischen »Schmitti« und dem Hausmeister ausgebremst.

Doch jenseits des eher faden Kinderensembles gibt es drei unschlagbare Joker: zum einen Otto Waalkes, der, als Otto Leonhard in Öl verewigt, als Schulgeist erneut Grimassen schneidet. Und Andrea Sawatzki ist als Zombielehrerin mit krachenden Gelenken und wild rollenden Augen eine mal dämonische, mal ulkige Präsenz. Der dritte Hauptdarsteller ist wie gehabt der Schauplatz, Schloss Faber-Castell in Stein bei Nürnberg. Die Burg, eine an Harry Potter-Filme erinnernde Spielwiese, bietet erneut Raum für pittoreske Geheimnisse. Am lustigsten ist es auch diesmal, wenn mit sorglosem Slapstick die Größenunterschiede ausgespielt und die Hierarchien auf den Kopf gestellt werden. Wenn die verzwergten Eltern auch geistig zu nöligen Kindern regredieren, wenn Papa ein Pinkelmalheur durchlebt und Mama kopfüber in ihre Gesichtscreme stolpert, ist das Kinderpublikum hörbar amüsiert. Beim Improvisieren von Miniaturgegenständen, etwa Turnschuhe als Betten und Zahnputzbecher als Badewannen, kommt auch die liebevolle Ausstattung zum Tragen. Trotz aller Holprigkeiten bietet diese deutsche Gulliver-Variante annehmbares Familienentertainment.

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