Kritik zu Hell or High Water

© Paramount Pictures

2016
Original-Titel: 
Hell or High Water
Filmstart in Deutschland: 
12.01.2017
L: 
102 Min
FSK: 
12

Ben Foster und Chris Pine spielen zwei Brüder, die Banken überfallen, Jeff Bridges heftet sich als Sheriff an ihre Fersen, und Regisseur David McKenzie macht daraus einen zeitgenössischen Western, der ohne Genre-Nostalgie auskommt

Bewertung: 4
Leserbewertung
4
4 (Stimmen: 1)

Früher einmal waren sie Cowboys, trieben das Vieh über die Prärie und atmeten Freiheit. Und jetzt? Plackerei ohne Aussicht auf angemessenen Lohn, Traditionen im Niedergang, eine Lebensweise unterwegs ins Obsolete. Ein Indianer sagt, damals hätten die Weißen seinen Vorfahren das Land geraubt, nun seien es die Banken, die den Weißen das Land raubten. Denn die Banken haben das Land fest im Griff. Angesiedelt ist die Handlung von »Hell or High Water« im Herzen von Texas, nach der Finanzkrise, nach dem Platzen der Immobilienblase. Allgemein herrscht Schluss mit lustig, Kredite werden fällig gestellt, Besitz wird gepfändet; die gewinnorientierte Kapitalismusumwälzpumpe fräst sich durch die Gesellschaftsstrukur eines Landstrichs. Beschäftigungslose Texaner mit riesigen Stetsons auf den Köpfen sitzen in einem Kaff im Nirgendwo in einem Diner und warten darauf, dass die schräg gegenüberliegende Filiale der Texas Midlands Bank überfallen wird. Und das wird sie dann eines Tages tatsächlich auch.

Denn die Brüder Tanner (Ben Foster) und Toby (Chris Pine) wollen ihre kümmerliche Farm nicht hergeben, nicht nachdem der karge Flecken Erde in Form von Öl endlich etwas abzuwerfen beginnt. Nur gehört er inzwischen fast schon der Bank. Wenige Tage noch, bis die Frist verstreicht und ein Kredit bedient werden muss. »Come hell or high water«, auf Biegen und Brechen also, muss der ausstehende Betrag am Stichtag in der Bank eintreffen. Da kann man dann schon mal auf verwegene Ideen verfallen; wie zum Beispiel die, ein paar Filialen der Bank zu überfallen – um die Schulden mit dem Geld des Gläubigers zu bezahlen. Genialer Einfall, zudem nicht unschlau ins Werk gesetzt; doch dann funkt natürlich brüderlicher Übermut dazwischen; und ein alter Texas Ranger (Jeff Bridges) am Vorabend seiner Pensionierung heftet sich an die Fersen der Geschwister, routiniert und instinktsicher. Und was so ironisch-lakonisch beginnt, wendet sich ins Dramatisch-Tragische.

Mühelos schleust Taylor Sheridans Drehbuch, das den jeweiligen schauspielerischen Stärken der Hauptdarsteller gekonnt in die Hände arbeitet, bewährte Motive klassischer Western in eine Geschichte aus der wirtschaftspolitischen Gegenwart ein und beweist damit einmal mehr die beeindruckende Anpassungsfähigkeit dieses uramerikanischen Genres. Zugleich steht »Hell or High Water« mit dem Coen'schen »No Country for Old Men« in einer Art von Dialog: Hier wie dort verfolgt ein müder alter Gesetzeshüter notgedrungen gesetzlos Gewordene, die doch nur um eine glücklichere Zukunft der Ihren kämpfen. Hier wie dort entsteht im Zuge der Verfolgung ein skurril-realistisches Porträt von Land und Leuten. Hier wie dort fordert das ganze Unterfangen einen hohen Preis, der sich nicht zuletzt moralisch bemisst. Am Ende steht die Erkenntnis, dass der Südwesten der USA auch kein Land mehr für die Jungen ist. Andere Mächte sind hier am Werk, größere kriminelle Strukturen. So wendet sich »Hell or High Water« schließlich auch noch ins Resignativ-Melancholische und hinterlässt anrührend traurige Helden.

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