Kritik zu Hannah – Ein buddhistischer Weg zur Freiheit

© w-film

2014
Original-Titel: 
Hannah – Ein buddhistischer Weg zur Freiheit
Filmstart in Deutschland: 
18.01.2018
V: 
L: 
89 Min
FSK: 
12

Marta György-Kessler will gleichzeitig eine starke Frau porträtieren und den Zuschauer für die Schule des Buddhismus ihres Mannes, Guru Ole Nydahl, einnehmen

Bewertung: 1
Leserbewertung
1
1 (Stimmen: 1)

Auch der Buddhismus missioniert. Zwei der erfolgreichsten Seelensammler jüngerer Zeiten sind Hannah und Ole Nydahl aus Dänemark, die in den End-Sechzigern des letzten Jahrhunderts aus hippiesken Drogenexperimenten zum üblichen spirituellen Such-Trip nach Nepal und Indien aufbrachen. Eher ungewöhnlich, dass sie dabei auch höchsten Würdenträgern des nach Indien exilierten tibetischen Buddhismus begegneten. Die Faszination war so überwältigend, dass beide bald als erste westliche Schüler zu einem längeren Lehr-Aufenthalt ins Kloster Rumtek zurückkehrten. 1972 gab ihnen der sogenannte 16. Karmapa dann den Auftrag, die Lehre der dortigen Karma-Kagyü-Schule auch im Rest der Welt zu verbreiten. So wurden die Nydahls mit der Gründung mehrerer Hundert buddhistischer Zentren erst in Europa und dann der ganzen Welt zu einer eigenen Macht.

Ihre Version dieser Geschichte erzählt dieser um einen auktorialen Kommentar aus einer Vielzahl von Einzelstatements (mit Dominanz der Nydahls selbst) gebaute Film. Im Fokus steht dabei die 2007 verstorbene Hannah, die wegen ihres unermüdlichen Engagements für die Sache von den Weggefährten fast zur Heiligen überhöht wird. Das passt zum auch sonst bizarren Personenkult (und daraus resultierenden heftigen Nachfolge-Rangeleien) der im Film gezeigten Version des Buddhismus, die ihre Karmapas und Rinpoches als angebliche Buddha-Reinkarnationen mystisch verklärt.

Kritik kommt im Film nicht vor, schließlich ist Co-Produzentin und Regie-Debütantin Marta György-Kessler seit langem persönlich und geschäftlich eng mit den Nydahls und ihren Diamantweg-Zentren verbandelt. Co-Regisseur Adam Penny hat vor allem als Werbefilmer gearbeitet, was sich im visuell dichten aber auch hochgradig suggestiven Look des Films mit vielen in Zeitlupe flatternden Tauben und pompösen Toneffekten niederschlägt. So wird bald – auch schon bevor am Ende mit Pathos noch einmal ausgiebig die große Liebe von Hannah und Ole beschworen wird – unübersehbar deutlich, dass hier über den Umweg der Glorifizierung von Hannah Nydahl die Legitimation des noch praktizierenden Lama Ole Nydahl und seiner Diamantweg-Stiftung betrieben wird.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns