Kritik zu Erzähl es Niemandem!

© Real Fiction Filmverleih

2017
Original-Titel: 
Erzähl es Niemandem!
Filmstart in Deutschland: 
02.02.2017
L: 
90 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Eine deutsch-norwegische Liebesgeschichte und ein bitteres Familiengeheimnis: Klaus Martens hat nach dem gleichnamigen Sachbuch von Randi Crott eine Dokumentation gedreht

Bewertung: 3
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

Vor mehr als 70 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende und das »Dritte Reich« unter. Wer glaubt, mit dieser zeitlichen Distanz auch einen Schlussstrich ziehen zu können, der irrt sich. Auch die Erinnerung pflanzt sich fort, an die Kinder- und Enkelgeneration. Und vielleicht ist es ja auch leichter für die Nachgeborenen, Themen aufzugreifen, über die ihre Väter und Großväter aus der Täter- und Opfergeneration nicht sprechen wollten, schon gar nicht in den ersten verdrängungsbereiten Jahrzehnten danach.

Helmut Crott etwa wollte nie erzählen über seine Zeit als deutscher Besatzungssoldat in Norwegen. Obwohl sie sein ganzes Leben verändert hat. 1940 haben die Nationalsozialisten den eigentlich neutralen Staat überfallen, angeblich, um einer Landung britischer Truppen zuvorzukommen. Crott war in Harstad stationiert, ganz oben im Norden, wo es heute noch die sogenannte »Adolfskanone« aus der Besatzungszeit gibt. Die unmilitärischen Norweger hassen die Besatzungssoldaten. Aber 1942 begegnet Crott der großen Liebe seines Lebens, Lillian. Als sie ihn wegen der Deportation von Juden zur Rede stellt, verrät er ihr sein Familiengeheimnis: dass seine Mutter auch Jüdin ist. Und nimmt ihr das Versprechen ab, das nie anderen Menschen mitzuteilen. Zweimal hat Lillian dieses Versprechen allerdings gebrochen: bei dem Versuch, ihren Mann aus dem amerikanischen Kriegsgefangenenlager loszueisen, und sie hat es ihrer Tochter Randi berichtet, mit den Worten: »Erzähl es niemandem!« Die hat über ihren Vater das gleichnamige Buch geschrieben, das 2012 herauskam.

Vielleicht ist es schwieriger, eine solche Lebens- und Familiengeschichte als Dokumentation zu verfilmen, als sie als Spielfilm mit Figuren nachzuinszenieren. Klaus Martens folgt Lillian Crott Berthung, als sie sich auf eine Reise nach Harstad begibt, uns die Kommandantur zeigt, in der sie arbeiten musste, und auch von den Anfeindungen der Norweger erzählt, bei denen solche Beziehungen verpönt waren. Lillian ist Helmut nach Deutschland gefolgt. Die Wehrmacht hat bei ihrem Abzug ganze Dörfer und Landschaften verbrannt und zerstört. Der Film folgt auch den Spuren von Helmut Crott, dem als »Halbjuden« das Studium verschlossen blieb und der sich quasi in die Wehrmacht rettete. Aus den Briefen, die Helmut Crotts Vater – verschlüsselt – an seinen Sohn schrieb und die aus dem Off vorgelesen werden, rekonstruiert der Film das Schicksal von Crotts Mutter, die zuerst in ein Arbeitslager und später dann ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde. Sie hat es trotz einer schweren Verletzung überlebt.

Viele Szenen in diesem Film wirken gestellt, aus dem Off werden ganze Passagen des Sachbuchs vorgelesen, die Kamera fährt die Briefe des Vaters ab, die ein Sprecher vorträgt. Man mag das mitunter ungelenk finden. Was aber den berührenden Schicksalen, von denen Erzähl es niemandem! berichtet, keinen Abbruch tut.

Meinung zum Thema

Kommentare

Habe den Film gesehen.Eine sehr schöne Dokumentation.
Mich verbindet natürlich dieser Film besonders,da meine Mutter ebenfalls aus Harstad kommt und mit Lillian verwandt ist und ich als Tochter Lillian sehr verbunden bin.
Für Außenstehende ist dies eine sehr informative Erzähhlung,wie es damals wirklich geschehen ist. 5 ⭐️

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns