Kritik zu Art's Home is my Kassel

© Real Fiction

2014
Original-Titel: 
Art's Home is my Kassel
Filmstart in Deutschland: 
10.07.2014
Musik: 
L: 
86 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Die beiden Kasseler Filmemacherinnen Katrin und Susanne Heinz haben Impressionen von der documenta 13 gesammelt. Ein Film als Ausstellungsrundgang

Bewertung: 2
Leserbewertung
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2 (Stimmen: 1)

Es ist ein zweischneidiges Kompliment, das der amerikanische Künstler Sam Durant der Stadt Kassel in Katrin und Susanne Heinz’ Dokumentation macht. Er lobt zwar die documenta und stellt sie über ähnliche Großereignisse wie die Kunst-Biennalen in Venedig und São Paulo. Aber das aufgrund der Tatsache, dass die Stadt außer diesem alle fünf Jahre stattfindenden und jeweils 100 Tage dauernden Ausstellungsmarathon nichts weiter zu bieten habe. So können sich alle, die in den documenta-Monaten nach Kassel kommen, ganz auf die ausgestellten Werke konzentrieren.

Kassel ist also nicht weiter der Rede wert. Dieser Einschätzung scheinen letztlich auch die beiden aus der nordhessischen Großstadt stammenden Schwestern Katrin und Susanne Heinz zu sein. Schon der Titel ihrer filmischen Annäherung an die documenta 13 im Sommer 2012 definiert die Stadt alleine über die Kunst. Eine Stadt für die Kunst, das ist natürlich schon das Prinzip der documenta, die große Teile des städtischen Raums in ein riesiges Museum verwandelt.

Jede Einstellung in Art’s Home is my Kassel organisiert die Stadt und ihr Leben mit Blick auf die Kunstwerke und -räume, die in vielen Fällen von den Künstlern selbst konzipiert wurden. Damit gleicht der Film einem extrem ausgedehnten Ausstellungsrundgang. Einem Rundgang, der aber nicht nur von einem Kunstwerk zum nächsten führt, er ist auch eine Wanderung durch die Zeit, die vom Aufbau der teils enorm aufwendigen Arbeiten bis zu ihrem Abbau führt.

Katrin und Susanne Heinz kehren wieder und wieder an dieselben Orte zurück und treffen zudem dieselben Menschen, die aus China stammende Kunststudentin Rui Yin, den Architekten Markus Hanisch, den Künstler Sam Durant, die Taxifahrerin Jutta Rudolph, die documenta-Besucherin Irene Heinz und den Schreiner Frank Baum. Jeder erlebt seine documenta und lässt die Filmemacherinnen daran teilhaben. So entsteht ein Geflecht weniger aus Geschichten – zu denen wollen sich die Aussagen einfach nicht formen – als aus Impressionen.

Da stehen dann Jutta Rudolphs mürrische Blicke neben Rui Yins Reflexionen darüber, wie das Leben in Deutschland sie verändert hat. Sam Durants »Scaffold«, ein Konstrukt aus sechs in- und übereinander gebauten historischen Galgen, das Kommentar zur Todesstrafe und Abenteuerspielgerüst in einem ist, und Song Dongs »Do Nothing Garden«, ein mit Gras bewachsener Hügel aus Schutt und organischen Abfällen, werden in diesem Konzept erst einmal zu Landmarken.

Die Kunst mag Kassel besetzen, der Film annektiert auf jeden Fall die Kunst und verleibt sie sich wie auch alles andere einfach ein. Dieser gezielt undifferenzierte Prozess hat durchaus seine Vorzüge. Er lässt den Betrachter mit sich und seinen Ideen allein. Das ist mit Blick auf das eher läppische, den sozialen Protest in zweitklassige Aktionskunst verwandelnde Occupy-Camp, das einige Wochen lang seine Zelte auf den Grünflächen vor dem Fridericianum aufgeschlagen hat, sogar angemessen. Aber als Auseinandersetzung mit der documenta, die mehr als nur ein launiges Dokument sein will, ist es viel zu wenig.

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