Film des Monats Juli »Der Tod von Ludwig XIV.«

© Grandfilm

2016
Original-Titel: 
La mort de Louis XIV
Filmstart in Deutschland: 
29.06.2017
Musik: 
V: 
L: 
115 Min
FSK: 
Ohne Angabe
Empfohlen von der Jury der Evangelischen Filmarbeit

Der »Sonnenkönig« Ludwig XIV. liegt im Sterben. Im August 1715 erkrankt er an Wundbrand im linken Bein. Die Diagnose der Ärzte des Hofes ist falsch, sein Zustand verschlechtert sich von Tag zu Tag. Alle Behandlungsversuche sind erfolglos. Der Repräsentant absoluter Macht, von dem der Ausspruch »Der Staat bin ich« stammt, ist immer weniger in der Lage, die politischen Geschäfte zu führen. Umgeben von Hofbeamten und Ärzten kann er das Bett nicht mehr verlassen. Die Amputation seines Beines lehnt er ab, obwohl sein erster Chirurg eine Gewebsnekrose diagnostiziert hat. Er beginnt, sich in christlicher Tradition auf seinen Tod vorzubereiten und legt die Beichte ab. Schließlich empfängt er die Sterbekommunion und letzte Ölung durch den Großkaplan von Frankreich. Seinem Urenkel, dem späteren Ludwig XV., gibt er letzte Ratschläge auf den Weg. Auch der Rettungsversuch eines selbst ernannten »Wunderheilers« scheitert. Der König fällt ins Koma und stirbt. Die Ärzte obduzieren seine Leiche.

Der Film porträtiert das Sterben der bedeutsamsten Figur des französischen Absolutismus. Auch die Sonne des »Sonnenkönigs« geht unter, ihr Lauf ist begrenzt. Dennoch dominiert der Sterbende nahezu jede ­Einstellung: Seine Mimik und Gestik, seine langsamen Bewegungen, der vom Fieber gezeichnete Körper und die schwächer werdende Sprache stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Jean-Pierre Léaud spielt Ludwig XIV. mit einer Intensität, die seinem Dahinschwinden eine ungeheure Wirkung verleiht. An der Macht hat der König immer weniger teil, aber noch ist er die absolute Bezugsgröße. Im Wechselspiel von Nähe und Distanz wird das Publikum in eine Reflexion über das Verhältnis von Biologie und Kultur, von Körperlichkeit und Bildlichkeit hineingezogen. Angesichts des abso­lutistischen Machtanspruchs, der sich für allmächtig, ja geradezu gottgleich hält, tritt die Endlichkeit des Lebens umso stärker hervor. Wie es im Psalm heißt: »Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden«.

 

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