Nostalgie ist Ideologie

Unsere "steile These" des Monats März
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Foto: © Studiocanal

»They donʼt makeʼem like they used to« ist im Englischen ein gerne geäußerter Sinnspruch, wann immer jemand einen Film dreht, der erfolgreich an vergangene Zeiten erinnert. »So werden sie heute nicht mehr gemacht«. Der Awards-Season-Darling »La La Land« schwärmt pausenlos von der guten alten Zeit klassischer Hollywood-Musicals und lässt sie auch im Look wieder auferstehen. Regisseur Damien Chazelle hat deswegen sogar auf Film gedreht, genau wie Martin Scorsese »Silence« und Christopher Nolan seinen neuen Film »Dunkirk«, die auf diese Weise nicht nur inhaltlich vergangene Zeiten aus dem Grab heben. Ridley Scott kehrt 2017 mit seiner Regiearbeit »Alien: Covenant« und »Blade Runner 2049«, den er produziert, gleich zweimal zu seinen Ursprüngen zurück und versucht, eine damals revolutionär neue, stilbildende Ikonographe wiederzubeleben.

Aber ist das nicht eine Kapitulation? Legen wir nicht mit dem ständigen Bad in der kulturellen Vergangenheit den Grundstein für gesellschaftliche Strömungen von Donald Trump bis zur AfD, die gerne auch in vielen anderen Bereichen die Zeit zurückdrehen wollen? Stichwort »Make America Great Again«? »Restaurative Nostalgie« nennt die Soziologie diese Haltung. Der Begriff beschreibt den Glauben, eine vergangene Zeit durch starkes Zurücksehnen zurückholen zu können. Doch dieser Glaube ist gefährlich – denn für die meisten Menschen war dieses mystische Damals gar nicht besser. Wenn Owen Wilson in Woody Allens »Midnight in Paris« in die, wie es heißt: goldenen zwanziger Jahre zurückreist, trifft er dort vor allem Figuren, die sich nach Zeiten zurücksehnen, die noch weiter zurückliegen.

Statt junge Filmemacher wie Damien Chazelle also darin zu bestärken, diese Art der Sehnsucht durch endloses Wiederkäuen vermeintlich besserer Zeiten zu vergrößern, sollten wir lieber Filme feiern, die unsere Gegenwart kritisch reflektieren und Vorschläge für eine bessere Zukunft machen. Der berühmte Sinnspruch könnte in Anlehnung an Klaus Wowereit erweitert werden: »Sie machen sie nicht mehr wie früher – und das ist auch gut so!«         

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