Interview mit Juho Kuosmanen über seinen Film »Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki«

Am Ende siegten die Fakten
Juho Kuosmanen am Set zu »Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki«

Juho Kuosmanen am Set zu »Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki«

Wie geläufig ist der Name des Boxers Olli Mäki, der 1962 in der Weltmeisterschaft antrat, heute in Finnland? Kennen die jüngeren Leute ihn?

Nicht einmal die jüngeren Boxer! Wohl keiner unter dreißig kennt ihn – aber das dürfte sich mit dem Kinostart des Films ändern. Jedenfalls haben die Medien schon anlässlich seiner Premiere beim Festival von Cannes darüber berichtet. In der Generation meiner Eltern ist sein Name allerdings schon bekannt.

Wissen Sie von früheren Versuchen, über ihn einen Film zu machen?

Nein, vor ungefähr zehn Jahren erschien allerdings ein Buch über ihn.

Wann sind Sie der Geschichte von Olli Mäki zum ersten Mal begegnet?

Das war 2011. Ich saß zunächst ein Jahr lang alleine am Drehbuch, bis ich merkte, dass ich einen Ko-Autor benötigte.

Lag von Beginn an der Fokus auf diesem einem Kampf sowie dem Gegensatz zwischen seiner Liebe und seinen Auftritten als Kämpfer?

Dieser Kampf stand von Anfang an im Zentrum, aber bei meinen Recherchen stieß ich auf so viele interessante Details aus seinem Leben, dass wir das Drehbuch ausbauten. An einem Punkt begann der Film 1957 und endete 1964. Er war ein guter Amateurboxer in den fünfziger Jahren, aber damals auch in der Gewerkschaft aktiv, weshalb ihn die Sportfunktionäre nicht als Olympiateilnehmer haben wollten. Schließlich reduzierten wir den Erzählzeitraum wieder. Wir wollten eher ein Porträt als ein Biopic.

Konnten Sie bei Ihrem Drehbuch auf historisches Material zurückgreifen?

Ja, es gab Wochenschau- und Fernsehmaterial, auch eine ganze Fernsehdokumentation sowie ein eigenes Buch über seinen Manager. Auch Olli selber, mit dem wir gesprochen haben, erinnerte sich noch an einiges.

Gab es Fakten, die sich nicht gut in Ihre Erzählung einfügten, so dass Sie sie weglassen oder abändern mussten?

Während des Drehbuchschreibens tendierten wir mehr zur Fiktion, aber am Ende hielten wir uns doch eher an die Fakten. Auch der Moment, als Ollis Freundin seinen Gegner auf dem Flughafen dreimal küssen muss, haben wir direkt aus der Dokumentation übernommen.

Wie schwierig war es, den Film in Schwarzweiß zu drehen, schon allein wegen der Materialbeschaffung?

Wir mussten es in ganz Europa zusammenkratzen, schließlich noch in den USA. Wir benötigten eine ganze Menge, denn wir hatten ein Drehverhältnis von 1:10.

Ihr Labor für die Entwicklung fanden Sie schließlich in Berlin?

Ja, das war das für uns nächstgelegene, außerdem ist dieser Film ja eine deutsche Koproduktion.

Haben die Produzenten bzw. die Geldgeber Ihnen je auszureden versucht, den Film in Schwarzweiß zu drehen?

Nein. Als wir Geld vom Fernsehen bekamen (in Deutschland vom SR und von arte), wussten wir das allerdings noch nicht. Aber sie haben es akzeptiert, auch, dass wir den Film im klassischen Format 1:1,33 drehten.

Wie ist es mit der Kontrolle der gemachten Bilder, wenn man in Schwarzweiß dreht? Muss man da nicht lange warten, bis man das entwickelte Material zurückbekommt.

Die Dailies benötigten anfangs tatsächlich zweieinhalb Wochen, schließlich bekamen wir sie nach fünf Tagen. Während der Dreharbeiten kontrollierten wir das Bild mittels einer Videoaufnahme, auch wenn deren Bildqualität eher schlecht war. Während des Drehs habe ich auf die Schauspieler geachtet und danach die Videoaufnahmen kontrolliert.

Laut Presseheft haben Sie Sich viele andere Boxerfilme angeschaut. Können Sie sagen, welche wichtig waren? »Raging Bull«, weil er in Schwarzweiß gedreht wurde?

Wegen Schwarzweiß war Scorseses Film in der Tat wichtig, ansonsten »The Set-Up« von Robert Wise, »Body and Soul« von Robert Rossen und »Walkover« von Jerzy Skolimowski – alles Schwarzweißfilme, ebenso »Die Einsamkeit des Langsteckenläufers« von Tony Richardson, der zwar kein Boxerfilm ist, aber einige Parallelen aufweist.

Ist Ihr Film der erste finnische Boxfilm überhaupt?

Nein, Aki Kaurismäki machte einen Kurzfilm mit dem Titel »Rocky VI«, es gab ein oder zwei Spielfilme.

Sehen Sie eine Parallele zwischen dem Druck, dem der Protagonist ausgesetzt ist - als erster Finne, der in dieser Sportart internationale Berühmtheit erlangen könnte, und dem Druck, der auf Ihnen lastete?

Definitiv, besonders nach der Einladung zum Festival von Cannes.

Haben in Cannes die Produzenten Schlange bei Ihnen gestanden für ein Nachfolgeprojekt ?

Nein, denn ich habe schon so vielen Produzenten zuvor einen Korb gegeben, weil ich ein sehr langsamer Filmemacher bin und mich auf ein Projekt zur Zeit konzentrieren will.

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