Kritik zu Lucky Loser – Ein Sommer in der Bredouille

© Farbfilm Verleih

2017
Original-Titel: 
Lucky Loser – Ein Sommer in der Bredouille
Filmstart in Deutschland: 
10.08.2017
L: 
94 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Eine sommerliche Campingplatz-Komödie um einen Loser-Papa, seine Teenietochter, deren schwarzen Freund und eine auftauchende Exfrau

Bewertung: 4
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Den Schauspieler Peter Trabner kann man fast schon als Ikone des »German Mumblecore« bezeichnen. Mit seinen virtuosen Improvisationskünsten prägte er Filme wie »Papa Gold«, »Dicke Mädchen« oder »Alki Alki«, nicht zuletzt auch Nico Sommers Werke »Silvi« und »Familienfieber«. Sommers neuer Film wurde nun zwar nach Drehbuch gespielt, was ihm ein wenig vom Flair der Beiläufigkeit nimmt, ihn auch vorhersehbarer macht, ihm aber weder Humor noch Sympathie raubt. Und Trabner überzeugt auch hier mit nahezu perfektem Timing.

Mit tapsigem Charme verkörpert er in dieser »Patchworkkomödie« Mike, der in einer Autowaschanlage arbeitet und auch sonst nicht viel aus sich gemacht hat. Im Niemandsland zwischen Adoleszenz und Erwachsensein scheint er sich verirrt zu haben und hängt immer noch seiner Exfrau Claudia (Annette Frier) nach. Was er »Beziehungspause« nennt, währt bereits neun Jahre. Zu Beginn des Films verliert er auch noch seine Wohnung, aus purer Gedankenlosigkeit. Claudia, erfolgreiche Ärztin, führt derweil ein schrecklich spießiges Leben mit Thomas (Kai Wiesinger). 

Immerhin versteht sich Kindskopf Mike prächtig mit der 15-jährigen gemeinsamen Tochter Hanna (Emma Bading), und so will diese eines Tages ganz plötzlich zu ihm ziehen. Eine Unterkunft muss also schleunigst her: Ein alter Wohnwagen wird zum Domizil für den spontanen Vater-Tochter-Urlaub auf dem Campingplatz. Doch die beiden bleiben dort nicht lange allein: Hanna lädt heimlich ihren Freund (Elvis Clausen) ein, der sie zum 16. Geburtstag entjungfern soll, und auch Mutter Claudia taucht bald auf.

Nico Sommer bespielt diese begrenzte Welt des Campingplatzes mit gut gesetzten Wendungen und Pointen. Zwischen Bäumen, Wohnwagen und Badesee entspinnt sich eine schwungvolle Komödie des Scheiterns als Chance. Es geht um Elternliebe, Elternsorge, um Freiheit und um Sehnsucht – denn in all den Wirrungen kann Mike doch niemals seine Liebe zu Claudia vergessen. Das Ensemble hat spürbaren Spaß, der Humor reicht von hintergründig bis albern, ist aber fast immer sehr warmherzig. Nur Kai Wiesingers Thomas ist schon vom Drehbuch unerbittlich als Oberspießer und Unsympath festgeschrieben.

Ansonsten hat »Lucky Loser« nicht nur ein Herz für Verlierer, sondern auch den Mut, Stereotypen zu unterwandern, seien es Bilder perfekter Eltern oder Vorstellungen vom wie auch immer »gelingenden« Leben. Auch um Rassismus geht es, denn Hannas Freund ist nicht nur doppelt so alt wie sie – ein Horror für den verantwortungsbewussten, aber auch etwas eifersüchtigen Vater Mike –, sondern obendrein schwarz. »Lucky Loser« schlägt auch daraus Komik, und zwar mit einer Haltung, die ebenso unverblümt wie respektvoll ist, weil sie ganz offensiv landläufige Vorurteile benennt und das Denken dahinter dekuvriert. Lediglich in einer Szene wird mit allzu plakativer, überflüssiger Eigentlichkeit besprochen, was im Duktus der Ironie längst verständlich wurde. Das Uneigentliche, das Anarchische und das Unerwartete haben in diesem Film aber noch jede Menge Spielraum, um ihn zu einer sehr vergnüglichen Sommerkomödie zu machen.

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