Kritik zu Jack Ryan: Shadow Recruit

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Der fünfte beziehungsweise vierte seiner Art: Kenneth Branagh inszeniert zur Abwechslung einen konfektionierten Agententhriller der Tom-Clancy-Reihe, mit Chris Pine in der Titelrolle

Bewertung: 2
Leserbewertung
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2.3 (Stimmen: 3)

Man kann es ihm ja nicht verdenken: Kenneth Branagh, allseits beliebter Feingeist mit großer Vorliebe für klassischen britischen Theaterstoff, muss bei der Arbeit an seinem Superheldenfilm Thor einfach auf den Geschmack gekommen sein. Endlich mal Budget verpulvern! Endlich mal Sets explodieren lassen! Endlich mal eine Auszeit von der kopflas­tigen Hochkultur! Doch um gleich zum Thema zu kommen und es mit den Worten seines eigentlichen Lieblingsautors William Shakespeare zu sagen: Viel Lärm um nichts. Branaghs Beitrag zur Jack Ryan-Agentenreihe ist allenfalls verlorene Liebesmüh.

Dabei setzt er sich, was den konventionellen Filmstoff angeht, eigentlich in ein gemachtes Nest. In der Jack Ryan-Reihe, die auf Tom Clancys umjubelten Romanen basiert, ist Shadow Recruit bereits die fünfte Verfilmung, welche ein vertrautes Stammpublikum für sich begeistern dürfte. Mit Alec Baldwin begann 1990 die Jagd auf Roter Oktober, gefolgt von Harrison Ford in Die Stunde der Patrioten und Das Kartell bis hin zu Ben Affleck in Der Anschlag. Nun also Shadow Recruit: Der Plot basiert zwar auf keinem speziellen Clancy-Titel (die Story stammt von Drehbuchautor Hossein Amini), ist aber gleichzeitig das Vermächtnis des amerikanischen Erfolgsautors, der im Oktober 2013 verstarb.

Diesmal geht es eingangs um die Lehrjahre des Jack Ryan (Chris Pine): Wir sehen ihn als Collegestudenten, der auf dem Campus die Anschläge aufs World Trade Center per TV miterlebt. Zwei Jahre später kämpft er als Marine in Afghanistan und verliert bei einem Hubschrauberabsturz um ein Haar sein Leben. Es folgen mühsame Reha und der Kampf zurück ins Leben – die altbekannte Stilisierung eines amerikanischen Filmhelden. Was auch beim CIA-Superagenten William Harper (Kevin Costner) mächtig Eindruck hinterlässt: Der schleust den promovierten Rekonvaleszenten als Analysten an die Wall Street, wo Ryan im Zahlendschungel dubiose Geldströme ausfindig machen soll, die womöglich Terrorgruppen zukommen könnten. Mit dem russischen Oligarchen Viktor Cherevin (Kenneth Branagh schlüpft auch vor die Kamera) hat er schnell einen zwielichtigen Gegner gefunden, der tatsächlich Böses im Schilde führt.

Natürlich ist die Agentenhetzjagd vor Moskauer Kulisse dem Genre entsprechend schnell geschnitten, doch Regisseur Branagh gefällt sich zu sehr in der Rolle des routinierten Fließbandarbeiters, der die gewohnten Schauwerte liefert. Der Film hält sich streng an die inszenatorischen Regeln – und ermüdet deshalb schnell. Spätestens ab der Hälfte tritt der Déjà-vu-Effekt ein: Ist das nicht Matt Damon als Jason Bourne, der über den Roten Platz rennt? Oder Liam Hemsworth wie zuletzt im Wirtschaftsthriller Paranoia? Ach nein, es ist Chris Pine, der junge Held mit den buschigen Augenbrauen, der sich mit Captain-Kirk’scher-Verve in diese Rolle wirft und sich insgeheim wahrscheinlich auch nach etwas mehr Doppelbödigkeit sehnt. Die gute Nachricht für Branagh: Er lässt hier mit Freude unter anderem die Suite eines Fünfsternehotels und eine Reihe teurer Autos mit reichlich Karamba zerdeppern. Als Nächstes wendet er sich übrigens wieder klassischem Stoff zu: Cinderella kommt 2015 in die Kinos.

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