Kritik zu Dessau Dancers

© Senator

2014
Original-Titel: 
Dessau Dancers
Filmstart in Deutschland: 
16.04.2015
B: 
L: 
90 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Sie wollten nur tanzen... Ein Spielfilm über die bisher unterbelichtet gebliebene Hip Hop-Szene in der DDR und den Versuch, die Breakdancer mit Staatsknete und Stasi unter Kontrolle zu bekommen

Bewertung: 3
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Ab 1983 bildeten sich auch in der DDR Breakdance-Gruppen. In Dessau gab es davon eine Häufung, was dem Film, der mit einer vierköpfigen fiktiven Hip Hop-Truppe wahre Begebenheiten verdichtet, seinen Titel gab. Die Handlung, in deren Zentrum der 18-jährige Frank steht, hangelt sich einerseits an den aus Teenietanzfilmen bekannten Klischees entlang. So konkurriert Frank mit seinem Freund um das Mädchen in der Crew und hat Ärger mit seinem Vater. Kern des Konfliktes ist aber das Verhältnis zur Staatsmacht, deren Vertreter nicht umhinkönnen mitzuwippen – und die spüren, dass die aus der Reihe tanzenden Teenager eine Bedrohung darstellen. So werden spontane Straßen-»Battles« von der Volkspolizei sofort aufgelöst. Meist aber tritt die Obrigkeit in Form onkelhafter Kulturfunktionäre auf, die versuchen, das Phänomen als »akrobatischen Schautanz« einzuhegen, und das Quartett mit einem Trainer als Aufpasser auf Tournee schicken. Doch als Hampelmänner des Regimes, die in peinlichen Kostümen sowie zu DDR-eigener Dance-Musik auftreten und ihre Freiräume zwischen Staatsknete und Stasi beständig neu ausloten müssen, verlieren die vier bald ihren Drive.

Das hippe Gehopse ist ansehnlich inszeniert, selbst wenn der einzige professionelle Breakdancer Sebastian Jaeger unterbelichtet bleibt. Doch der Breakdance mit seiner herausfordernden Selbstdarstellung bekommt in diesem repressiven System eine existenzielle Dimension: Hier ist das Private tatsächlich politisch. Marx' Metapher von den Verhältnissen, die zum Tanzen gebracht werden müssen, ist vielleicht noch nie so buchstäblich illustriert worden wie in diesem kleinen Film. Dessen Charaktere sind zwar eher unterkomplex, doch die Unvereinbarkeit von Individualismus und Kollektiv, Freiheit und Gleichschaltung springt so unmittelbar ins Auge, dass man sich freut, dass dieses eine Mal ein deutscher Film so unangestrengt und leichtfüßig ins Schwarze trifft.

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