Kritik zu Chopin – Eine Sonate in Paris

© Neue Visionen Filmverleih

Frédéric Chopin wird in dieser polnischen Filmbiografie, die auf seine Pariser Jahre beschränkt ist, als ein todgeweihter Popstar und Dandy zwischen Dur und Moll porträtiert.

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Im Jahr 1835 liegt dem 25-jährigen Frédéric Chopin tout Paris zu Füßen. Gefeiert als Konzertpianist, Komponist und Klavierlehrer der Aristokratie hat er außerdem einen Schlag bei Frauen und wird von König Louis Philippe protegiert. Der geborene Pole ist Mittelpunkt jedes Salons und genießt das Leben in vollen Zügen. Bis er wegen seines blutigen Hustens von seinen besorgten Freunden zu einem Arzt gebracht wird, der ihm in gemessenen Worten sein Todesurteil verkündet.

Das Leben von Chopin ist das prominenteste Zeugnis der jahrhundertelangen französisch-polnischen Liebesaffäre. Auch deshalb verwundert es nicht, dass dieser Film statt in Chopins Geburtsort Warschau in Paris beginnt, der Stadt, die der Nabel der damaligen Kunstwelt war. In diesem, je nach Zählweise, siebten oder achten Kinospielfilm über Chopin liegt also der Fokus auf der Zeitspanne von 1835 bis zu seinem Tod 1849 in Paris. Die ersten Lebensjahrzehnte des Wunderkinds wurden bereits im polnischen Monumentalfilm »Die Jugend von Chopin« (1952) dargestellt. Auch das vorliegende Werk gilt als teuerster polnischer Film seit 25 Jahren. Der Aufwand ist der Ausstattung anzusehen, weniger aber den historischen Kulissen. Was die Umgebung betrifft – gedreht wurde auf Mallorca, in Bordeaux und in Polen –, ist der Schauwert mager. Unterbelichtet bleibt auch die lange Liebesbeziehung mit Schriftstellerin George Sand. Chopin wird als Popstar porträtiert, als fröhlicher Dandy, der feiert und mit Freunden um die Häuser zieht – dessen äußerliche Unbekümmertheit jedoch insgeheim von tiefer Melancholie und dem Wissen um seine Vergänglichkeit durchzogen ist.

Neben seinem expressionistischen Klavierspiel sind Krankheit und der allgegenwärtige Tod die dominierenden Themen. Die Handlung ist ein anekdotisches Auf und Ab von Krankheitsschüben und glorreichen Comebacks. Stets wird er hingebungsvoll umsorgt, sei es von seinen polnischen Freunden, die ihrerseits früh an Tuberkulose sterben, oder von George Sand. Der hierzulande noch unbekannte Eryk Kulm ist ein glaubhafterer Chopin als etwa Hugh Grant in »Verliebt in Chopin« (1991), der stets etwas leicht Karikaturhaftes hatte. Kulms Chopin ist ein Götterliebling und hat auch in seiner Todgeweihtheit etwas Kindlich-Anrührendes. Sein Charakter erinnert durchaus ein wenig an einen modernen Berufsjugendlichen; er könne nicht lieben, erklärt er mehrmals. Dieses Porträt ist an eine jüngere Zuschauergeneration adressiert, worauf auch der elektronische Soundteppich, der effektvoll mit Chopins Klavierspiel wechselt, hinweist. Die Chronik vermeidet »Namedropping«, obwohl Chopin in der Kunstszene bestens vernetzt war. Neben George Sand bekommt nur Franz Liszt, sein duldsamer Freund und Konkurrent, mehr Leinwandzeit. Dass einen dieser Film etwas unzufrieden zurücklässt, liegt aber daran, dass der musikalische Aspekt unterentwickelt bleibt: Chopins Stil, seine Innovationen und Inspirationen werden allzu kurz angerissen. Klassikliebhaber kommen hier nur begrenzt auf ihre Kosten.

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