Kritik zu Arteholic

© Camino

2014
Original-Titel: 
Arteholic
Filmstart in Deutschland: 
16.10.2014
L: 
82 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Der Schauspieler als Kunstliebhaber oder: Ein etwas anderer Geburtstagsgruß an Udo Kier

Bewertung: 4
Leserbewertung
2
2 (Stimmen: 1)

Udo Kier, der zwei Tage vor dem Kinostart dieses Films seinen 70. Geburtstag feiert, unternimmt eine Reise durch verschiedene Museen, trifft Kuratoren, Künstler und Kollegen, mit denen ihn jahrelange Freundschaften verbinden, und spricht mit ihnen nicht nur über bildende Kunst. Die Reise führt vom Kunstmuseum Bonn, wo ihn Marcel Odenbach durch seine Ausstellung führt, über das Museum Ludwig in Kiers Geburtsstadt Köln, wo er auf Rosemarie Trockel trifft. Hier wird auch ein historisches Dokument eingeflochten: Bei einer Aktion gegen den Abriss der Kunsthalle im Jahr 2002 trägt Kier einen Text von Trockel vor. Weitere Stationen sind Paris, Frankfurt, Bonn, Berlin und Kopenhagen; weitere Gesprächspartner u. a. Marc Brandenburg, Jonathan Meese, Nicolette Krebitz, Max Hollein, Tobias Rehberger und Lars von Trier.

Er habe immer nur das gesammelt, was ihm persönlich gefallen habe, sagt Kier; entsprechend persönlich sind auch die Begegnungen, die sich mehrfach auch zu einer Reflexion der künstlerischen Arbeit weiten. »Ich bin eifersüchtig auf Maler – denn als Schauspieler braucht man einen ganzen Apparat«, erklärt Kier einmal.
Wer sich nicht für bildende Kunst und Kiers Beziehung dazu interessiert, sondern seinen Blick auf den Schauspieler Kier verengt, kommt trotzdem auf seine Kosten: unter anderem mit Anekdoten Kiers zu den beiden Horrorfilmen, in denen er Mitte der 70er Jahre als Dracula bzw. Frankenstein auftrat und die Andy Warhol mit seinem Namen veredelte, auch von seiner denkwürdigen ersten Begegnung mit Warhol in dessen New Yorker Factory, von seiner Mitwirkung in Just Jaeckins Die Geschichte der O. und seiner Zusammenarbeit mit Guy Maddin. Das sind natürlich nur kleine Ausschnitte aus seiner langen Karriere vor der Kamera (die Internet Movie Database listet, seit 1966, 213 Titel auf) – dem Film geht es um ausgewählte Momente.

Arteholic wurde inszeniert von Hermann Vaske, der sich als Werbefilmregisseur ebenso einen Namen gemacht hat wie mit Filmdokumentationen für Arte. Die Zehn Gebote der Kreativität etwa lässt Prominente über Kreativität sprechen, und die »Muse« dieses Films, Dennis Hopper (der darin wiederholt als Fragesteller und Zeremonienmeister auftritt), wäre ebenfalls ein passendes Subjekt für Arteholic gewesen. Wie diese Arbeiten changiert auch Arteholic zwischen Dokument und Fiktion, bedient und ironisiert die Klischees von Udo Kier als dem wilden Mann, dem Exzentriker – gleich in der ersten Szene sitzt hinter ihm eine aufblasbare Sexpuppe auf der Couch. Ein späterer Dialog wird als psychotherapeutische Situation inszeniert, mit Kier auf der Couch, der Nikolaus Hirsch, dem amaligen Direktor der Städelschule Frankfurt, vom Tod seines Hundes erzählt. Bis zum dramatischen Finale, in dem der Arteholic seine Existenz beendet, ist dies ein Film der Selbstinszenierung – mit einem Augenzwinkern. Er erweitert unser Bild von Udo Kier und weckt die Lust auf seinen nächsten Filmauftritt  – mag er auch nur so kurz sein wie der in von Triers Nymphomaniac, Teil 2.

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