Interview mit Gwendoline Christie zu »Game of Thrones«

Foto: HBO/Helen Sloan

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Gwendoline Christie wurde von Fans bereits für die Rolle der Brienne von Tarth gehandelt, als die britische Schauspielerin noch gar nicht vorgesprochen hatte. In der Schauspielausbildung hatte man ihr noch gesagt, dass sie es wegen ihrer Größe von 1,91 schwer haben würde, Engagements zu finden, vor allem im Film. Mit »Game of Thrones« populär geworden, war Christie seither sowohl bei den »Hunger Games« als auch bei zwei »Star Wars«-Filmen und Staffel 2 von Jane Campions »Top of the Lake« dabei

Miss Christie, als Sie in der zweiten Staffel zum Cast von »Game of Thrones« stießen, was dachten Sie damals, wie lange Sie diese Serie drehen würden?

Mir war natürlich klar, dass ich mich in einer Serie befinde, in der ständig irgendwelche Figuren sterben, deswegen versuchte ich von Anfang an, möglichst realistisch zu sein und niedrige Erwartungen zu haben. Ich dachte immer: Okay, nächste Staffel bist du fällig. Wann immer sich die Dreharbeiten dem Ende zuneigten, wurde ich recht angespannt und wartete darauf, ob unsere Showrunner sich mit »Bis nächstes Jahr« oder so verabschiedeten (lacht). Meine größte Sorge war, dass in der nächsten Staffel lediglich jemand beiläufig sagt, dass Brienne von Tarth gestorben sei. Denn das schlimmste Schicksal, das einen bei »Game of Thrones« laut David Benioff ereilen konnte, war ein Tod, den das Publikum noch nicht einmal mit ansah (lacht). Auf so etwas hatte ich mich immer eingestellt, deswegen war es eine wirkliche Überraschung, nun in der letzten Staffel immer noch dabei zu sein.

Wie haben Sie das Ende der Serie letztlich erlebt?

Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich mich im Griff haben würde, aber dann bin ich doch Dan Weiss in die Arme gefallen und habe aus Dankbarkeit geheult. In meiner Schauspielausbildung habe ich gelernt, so hart wie möglich zu arbeiten, anschließend die eigene Leistung zu beurteilen und sie dann abzuhaken, um sich dem nächsten Job zu widmen. Aber »Game of Thrones« war eben kein Job wie jeder andere. Das waren acht Jahre meines Lebens, in denen sich unglaublich viel verändert hat und ich Freundschaften geschlossen habe, die vermutlich ewig halten. Ganz zu schweigen davon, dass ich zum ersten Mal erlebt habe, wie eine Sache, an der ich mitgearbeitet habe, zu einem weltweiten Phänomen wurde. Da war es am letzten Drehtag allen guten Vorsätzen zum Trotz einfach unmöglich, die Contenance zu wahren.

Was hat Ihnen an der Entwicklung Ihrer Figur über die Jahre gefallen?

Aus der Sicht der Schauspielerin, aber vermutlich auch aus der des Publikums wurde Brienne von Tarth im Laufe der Zeit immer interessanter. Ihre körperliche Kraft und ihr Moralsinn waren von Beginn an präsent. Aber noch spannender fand ich es, nach und nach auch ihrer Verletzlichkeit nachzuspüren und zu entdecken, wer sie jenseits ihres altruistischen Weges eigentlich ist. Je länger die Serie dauerte, desto mehr kam hinter der Kriegerin auch der Mensch zum Vorschein, deswegen fand ich die Figur von Staffel zu Staffel reizvoller.

In welcher Weise hat »Game of Thrones« Ihr Leben verändert?

Ich kann nur sagen, dass eine Figur wie Brienne von Tarth meinen Weg zuvor nie gekreuzt hatte. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, dass es so etwas gibt: eine Frau, die weder Prostituierte noch Prinzessin oder Geliebte ist, sondern eine selbstbewusste Kämpferin. Plötzlich durfte ich eine Rolle spielen, in der mir alles das zum Vorteil gereichte, was mir vorher eigentlich stets als Makel gespiegelt wurde. Meine Androgynität, meine Größe, meine Kraft, all diese Dinge waren mit einem Mal gefragt – und trotzdem verlangte die Rolle gleichzeitig nach einer emotionalen Seite. Allein dadurch wurde »Game of Thrones« zu einer Erfahrung, die für mich alles verändert hat. Dass die Serie obendrein dann auch noch ein solcher Erfolg war und manche Tür geöffnet hat, war eigentlich nur schmückendes Beiwerk.

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