Interview mit Emilia Clarke zu »Game of Thrones«

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Emilia Clarke kam mit minimaler Erfahrung zum Cast von »Game of Thrones«: Die 1986 in London geborene Tochter eines ­Tontechnikers hatte gerade die Schauspielschule abgeschlossen und zwei kurze Erfahrungen bei TV-Produktionen hinter sich. Ihre bislang größten Rollen außerhalb von »Game of Thrones« waren die der jungen Sarah Connor in »Terminator: Genisys« und der Qi’ra in »Solo: A Star Wars Story«

epd Film: Miss Clarke, waren Sie ­bereit für das Ende von »Game of ­Thrones«?

Emilia Clarke: Sagen wir es mal so: Ich bin ein großer Fan von Serien, die aufhören, solange das Publikum noch Lust auf mehr hat. Die Gefahr, so lange weiterzumachen, bis alle die Begeisterung verloren haben, ist groß – und damit erweist man dann den Figuren und den Autoren einen Bärendienst. Von daher bin ich eigentlich ganz zufrieden mit dem Zeitpunkt, den wir für unseren Abschied gefunden haben.

Sie weinen Daenerys also keine ­Träne nach?

Das habe ich nicht gesagt. Es war für mich, wie sicherlich für jeden einzelnen meiner Kollegen, eine unglaublich emotionale Angelegenheit, unsere Rollen hinter uns zu lassen. Schließlich haben wir zehn Jahre voller Erinnerungen und großer Momente hinter uns. So zufrieden ich bin, so bittersüß ist das Ende der Serie auch. Daenerys zu spielen, war sicher das Bedeutsamste, was in meinem Leben bislang passiert ist. Diese Rolle hat mich beim Erwachsenwerden begleitet.

Haben Sie sich als Mensch also durch diese Rolle verändert?

Absolut. Wie gesagt: Man kann mein Leben gar nicht losgelöst von Daenerys sehen. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo ich heute ohne sie wäre (lacht). Beim besten Willen: Ich kann einfach nicht sagen, wer und wo ich heute wäre, wenn ich die Rolle damals nicht bekommen hätte. Alles, was ich übers Leben und über diesen Beruf gelernt habe, habe ich getan, während Daenerys Teil meines Lebens war. Davor war ich ja praktisch noch ein Kind.

Aber hat die Figur selbst wirklich Spuren bei Ihnen hinterlassen?

Ich würde sagen, dass das manchmal eine »Durch Schein zum Sein«-Situation war. Als Daenerys musste ich bisweilen Dinge tun, zu denen ich als Emilia eigentlich noch gar nicht bereit war. Sich vor 300 Komparsen zu stellen und eine Rede in einer Sprache zu halten, die es eigentlich gar nicht gibt – das verlangt echt nach Eiern in der Hose. Und dank dieser Figur hatte ich die dann plötzlich auch. Ein anderes Mal musste ich buchstäblich durchs Feuer laufen. Dazu war ich eigentlich kein bisschen bereit, aber am Ende war ich stolz auf mich.

Wie denken Sie heute über die Nackt- und Vergewaltigungsszenen gleich zu Beginn der Serie?

Ach, wissen Sie, ich habe immer den Eindruck, dass die Frage nach diesen Szenen eigentlich mehr darüber aussagt, was uns als Gesellschaft umtreibt, als dass sie etwas mit der Serie zu tun hat. Im Fall von Daenerys ist es auf der Story-Ebene jedenfalls so, dass wir zu Beginn von »Game of Thrones« sehen mussten, was sie durchgemacht hat, um mit ihr mitzufühlen. Sehen, nicht einfach nur erklärt bekommen. Deswegen würde ich alles davon noch einmal ganz genauso drehen.

Was nun das Ende von »Game of Thrones« angeht: Wie groß war die Angst, die Fans zu enttäuschen?

Diese Angst hatten wir alle die gesamte Serie über immer wieder. Schließlich waren es immer die Fans, die »Game of Thrones« zu dem gemacht haben, was es war. Eine finale Staffel ist für jede Serie eine kniffelige Angelegenheit, zumindest kenne ich kein Beispiel, bei dem wirklich jeder einzelne Fan zufrieden war. Von daher stelle ich mich mal darauf ein, dass es auch in unserem Fall enttäuschte Zuschauer und hitzige Reaktionen geben wird.

Gerüchte über mögliche Spin-offs machen ja auch schon die Runde. Welche Figur würden Sie gerne in einer eigenen Serie sehen?

Puh... Wie wäre es mit meinen Drachen? Würde ich mir auf jeden Fall ansehen! (lacht).

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