Lee Unkrich über seinen Film »Coco«

Coco - Lebendiger als das Leben« (2017). © Walt Disney Pictures

Coco - Lebendiger als das Leben« (2017). © Walt Disney Pictures

Mr. Unkrich, wenn die Amerikaner »Day of the Dead« hören, woran denken sie da: an den Dia de los Muertos oder an George A. Romeros Zombiefilm?

Schon eher an die mexikanische Tradition, die mittlerweile recht populär geworden ist, zumal in Städten wie San Francisco, wo es eine große mexikanische Bevölkerungsgruppe gibt .

Woher kam die Idee für diesen Film?

Unkrich: Die kam von mir, ich hatte eine lang andauernde Faszination für diese Tradition entwickelt. Ich wollte mehr darüber erfahren und musste bei meinen Recherchen feststellen, dass es dabei weniger um den Tod geht als um eine Feier des Lebens, besonders um die Familie – im Rahmen einer Wiederbegegnung wird der Kontakt zwischen den Lebenden und den Toten lebendig. Es geht dabei sehr stark um die Erinnerung, um unsere Verpflichtung, die Erinnerung an die Verstorbenen lebendig zu halten, was auch bedeutet, das an die nächste Generation weiterzugeben. Je mehr ich mich mit Mexiko und dieser Tradition beschäftigte, desto stärker bekam ich das Gefühl, daraus könne man einen tollen Pixar-Film machen.

Als Sie das Projekt bei Pixar vorstellten, mussten Sie da hinzufügen, "es handelt zwar vom Dia de los Muertos - aber es ist ein unterhaltsamer, positiver Film"?

Die meisten wussten schon etwa darüber, es gab keine prinzipiellen Bedenken, aber wir alle haben im Verlauf der Arbeit viel dazu gelernt. Es war klar, dass dies ein sehr farbenfroher Film werden wird, der eine bestimmte Tradition feiert.

Die Musik spielt eine bedeutende Rolle bei diesen Feierlichkeiten. Kamen Sie von daher schnell auf die Idee, den Protagonisten zu einem begeisterten Musiker zu machen, oder fanden Sie das erst nach einigen Umwegen?

Es gab in der Tat schon Umwege. Am Ende benötigten wir acht Monate, bis wir uns für die Geschichte eines Jungen, der unbedingt Musiker werden will und dabei mit einer Familientradition zu kämpfen hat, entschieden.

Gab es einen speziellen mexikanischen Sänger, der als Vorbild für den berühmten De La Cruz in »Coco« diente?

Er sollte der berühmteste Sänger in Mexiko überhaupt sein, entsprechend schauten wir uns viele Biografien an. Zwei der populärsten Sänger waren auch Filmstars, sie inspirierten uns.

Wie lange waren Sie mit dem Stoff beschäftigt?

Seit September 2011.

Sie schneiden Ihre Filme selber. Ist das die Ausnahme bei Pixar?

Ja, das habe ich schon vor meiner Pixar-Zeit gemacht, so habe ich in der Industrie angefangen. Ich habe allerdings immer einen Editor, mit dem ich diskutiere. Allerdings muss ich selber schneiden, das ist die Art, wie ich Probleme löse.

Wurde der Titel je in Frage gestellt? Man erfährt ja erst am Ende, warum die Figur der Großmutter Coco so wichtig ist.

Gerade das gefiel mir. Nein, darüber gab es keine Diskussionen.

Sie hatten eine Reihe kultureller Berater. Gab es etwa, wo die sagten: "Das ist vollkommen falsch" – oder waren es eher kleine Details?

Der Teufel liegt im Detail. Miguels Großmutter trug ursprünglich einen Holzlöffel in ihrem Strumpf, mit dem sie Leute schlug, wenn sie wütend war. Man sagte uns, das würde sie stattdessen mit ihrem Schuh machen, weil das ja eine Schuhmacherfamilie war. Entsprechend haben wir das geändert.

Die Vorstellung, dass ein Toter ganz zu Staub zerfällt, wenn niemand mehr an ihn denkt: ist dies ebenfalls der Mythologie vom Dia de las Muertos entnommen?

Ja, das lernten wir bei einem unserer Research-Trips in Mexiko.

Haben Sie Sich mit den Machern des Disney-Films »Vaiana« ausgetauscht, bei dem es ja auch um die Darstellung einer fremden Kultur ging?

Ja, zu Beginn haben wir uns erkundigt, wie sie mit ihnen gearbeitet haben und wie sie ihre Arbeit in dieser Hinsicht strukturiert haben. Wir hatten allerdings den Vorteil, dass unsere drei Hauptberater in Kalifornien leben, so konnten wir sie regelmäßig zu Vorführungen heranziehen.

 

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