Film des Monats Juni »Camino a La Paz«

Trailer OmU © imFilm

2015
Original-Titel: 
Camino a La Paz
Filmstart in Deutschland: 
07.06.2018
V: 
L: 
94 Min
FSK: 
keine Beschränkung
Empfohlen von der Jury der Evangelischen Filmarbeit

Sebastian ist ein moderner Taugenichts, Anfang 30, sympathisch, aber ohne einen genauen Plan, was er mit seinem Leben machen möchte. Durch einen Zufall wird er zum Taxifahrer, zufällig lernt er auch Jalil kennen. Jalil ist ein ernster, eher kauziger älterer Herr, ein gläubiger Muslim, der die Regeln seiner Religion befolgt, jedoch durchaus leger auslegt. Eines Tages fragt Jalil den jüngeren Mann, ob dieser ihn nach La Paz fahren könnte. Denn Jalil hat ein Ziel. Er will nach Mekka pilgern, zuvor jedoch in La Paz seinen Bruder abholen. Weil Sebastian Geld braucht, sagt er zu. So machen sich die beiden Männer auf die weite Autofahrt vom argentinischen Buenos Aires nach Bolivien, mit einem Dialysegerät im Gepäck und wechselnden Reisebegleitern. Bald erhalten sie Gesellschaft durch einen angefahrenen Hund, dann stößt zeitweilig eine junge Frau dazu. Staunend nimmt der säkulare Sebastian eines Abends gemeinsam mit Jalil an einer sufistischen Feier in einer muslimischen Gemeinde teil. Im Verlauf der Fahrt verlieren die beiden sukzessive ihren Besitz und übernehmen, nachdem sie einige Krisen überstanden und die aus ihren Gegensätzen resultierenden Konflikte verhandelt haben, mehr und mehr Verantwortung für den anderen. Am Ziel der Reise scheinen beide innere Orientierung gefunden zu haben.  

Das Taxi als Topos der kleinsten territorialen Einheit erhält in »Camino a La Paz« eine unaufdringliche, plausible Variation. Unterschiedliche Lebensentwürfe begegnen sich hier kurzzeitig, intensiv und hinterlassen Spuren. In »Camino a La Paz« wird das Roadmovie zur Pilgerfahrt. Ein Buddymovie als Bildungsroman. Der Film überzeugt durch seine lakonische, genau beobachtete und warmherzige Erzählweise. Dem argentinischen Regisseur Francisco Varone gelingt es, der Reisebeschreibung eine spirituelle Dimension abzugewinnen, ohne dass er irgendwelchen dramaturgischen Klischees folgt. Fast beiläufig zeichnet er dabei auch das Bild eines Kontinents, der, genau wie sein junger Held, offenbar nicht so recht weiß, wo es hingehen soll und wird.

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