1000-mal berührt... Und es ist nichts passiert

Könnte aber. Jederzeit. Im Film, so lautet eine alte Volksweisheit, werden die haltbarsten Ehen zwischen Männern geschlossen. Wir blicken auf eine schöne Tradition zurück. Von Traumpaaren, explosiven Affären und langen Nächten am Lagerfeuer
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Robert Downey Jr. und Jude Law in "Sherlock Holmes" © Warner |
Unzertrennlich Holmes & Watson
Die These, dass da mehr war als eine Buddy-Beziehung, ist schon lange im Umlauf. Robert Downey Jr. und Jude Law in Guy Ritchies neuer Sherlock Holmes-Adaption, seit 28.1. im Kino
Kichernd im Doppelbett Laurel & Hardy
Stan Laurel (1890 bis 1965) und Oliver Hardy (1892 bis 1957) sind das erfolgreichste und treueste Komikerpaar der Filmgeschichte. Die erste Komödie, in der sie unter Federführung ihres langjährigen Produzenten Hal Roach als Partner auftraten, war Duck Soup 1927, die letzte Atoll K 1951. In über hundert Kurz- und Spielfilmen blieben die beiden füreinander bestimmten Slapstickpantomimen, die mühelos den Übergang zum Tonfilm schafften, ihrem Typus treu. Stan Laurel mit seinem hysterischen Greinen und zimperlichen Gehabe ist der vermeintlich Schwächere. Der dominante Besserwisser Oliver Hardy aber erweist sich stets als das Opfer von Stans Tollpatschigkeit und pointiert den in seiner Würde beleidigten Spießbürger mit fassungslosem Blick in die Kamera. Zusammen erinnern sie an ein dauerstreitendes Ehepaar mit langeingeübter Rollenverteilung – die Doppelbettszenen in ihren Filmen sind Legion. In Twice Two spielten sie in Doppelrollen gar die jeweilige Gattin. Im wahren Leben überdauerte ihre harmonische Freundschaft zahllose Scheidungen und Affären. Stan war der kreative Kopf des Duos; Hardy gilt dagegen als der bessere Komödiant. »The Boys« achteten streng auf den „Giggle-Factor“, nach dem in Probevorführungen das Publikum innerhalb von 20 Minuten mindestens 60 Mal kichern musste. Zahllos sind ihre Schule machenden Tricks wie das »Tit for Tat«-Prinzip: Szenen unendlicher reziproker Vergeltung, die sich im verzögerten »Slow Burn«-Tempo mit der Konsequenz einer griechischen Tragödie zu wahnwitzigen Zerstörungsorgien auswuchsen. Unvergesslich auch Stans »Kniechen-Näschen-Öhrchen«-Spiel in The Devil’s Brother.Versuchen Sie es, und Sie werden nie mehr davon loskommen. Birgit Roschy
Zum Nachtisch blaue Bohnen Bud Spencer & Terence Hill
Mal ehrlich: Diese Bohnen in den riesigen Eisenpfannen in den Bud-Spencer-&-Terence- Hill-Western sahen immer verdammt lecker aus. Und es gehörte zum festen Gag-Repertoire der Filme, dass der flinke Hill dem tapsigen Spencer das Essen stibitzte. »Was sich liebt, das neckt sich«, sagt man so, und tatsächlich wirken Hill und Spencer wie ein altes zänkisches Ehepaar, wenn sie sich ein ums andere Mal gegenseitig vorführen – der bärenhaft männliche Papa Spencer und der in seinem parodistischen Machismo leicht effeminiert wirkende Hill. Mit schöner Regelmäßigkeit mündete der Beziehungsstreit in eine handfeste Prügelei – bevor die zwei sich wie John Wayne und Montgomery Clift am Ende von Red River erschöpft in den Armen lagen und für den Rest des Films gemeinsam gegen die bösen Buben zu Felde zogen. Zu den schönsten Momenten ihres Gesamtwerks gehört denn auch jene Szene in Das Krokodil und sein Nilpferd, in der ein Bösewicht mit dem vielsagenden Namen »Big Phil« bewundernd Spencers Oberarm befühlt, worauf dieser sagt: »Ja, das sollte mal ’n Bein werden...« Und was die Bohnen betrifft: Kann es ein Zufall sein, dass die beiden Cowboys in Brokeback Mountain sich auf ihrer Alm einen ähnlich verlockenden Bohnentopf aufs Feuer stellen, bevor sie zur Sache kommen? Kai Mihm
Nicht vor den Klingonen! Kirk & Spock
Warum sind die Frauen auf der alten Enterprise nie wirklich groß ’rausgekommen? Weil die Männer ihre Rollen einfach mitgespielt haben. Kirk und Spock jedenfalls waren das Yin und Yang der amerikanischen Popkultur in den Sechzigern und Siebzigern. Clean, etwas weich um die Mitte, extrovertiert und gefühlvoll der eine. Exotisch, hager, kühl und nerdy der andere. Wenn sein Captain in einem phasenverschobenen Universum feststeckte oder »the girlfriend of the week« beerdigte, war Spock da, um ihn zu retten und zu trösten. Umgekehrt konnte selbst der disziplinierte Vulkanier diesem Kerl nicht widerstehen, der sich so innig mit ihm übers Computerterminal beugte und bei jeder Außenmission sein senfgelbes Shirt »verlor«. Auf der Brücke der Enterprise wurden mehr bedeutende Blicke getauscht als auf einem G-8-Gipfel; im vulkanischen mind-meld fanden die Seelen zueinander; irgendwann fiel der in einen genetisch bedingten sexuellen Rausch geratene Spock sogar über seinen Chef her – und das Paar zeugte ein neues Genre romantisch-erotisch-pornografischer, von Fans verfasster Literatur. Die offizielle Bestätigung des Paramount-Studios, dass da was lief, kam aber erst Jahre später. Als Kirk seinen alten Freund im fünften Star-Trek-Film spontan umarmen wollte, stand in Spocks Drehbuch der Satz: »Please, Captain, not in front of the Klingons.« Die ließen sich vielleicht noch täuschen. Wir wissen aber Bescheid und wünschen der im letzten Jahr aufgewärmten Beziehung auch für die Zukunft alles Gute: Live long and prosper, boys! Sabine Horst
Szenen einer Ehe Jack Lemmon & Walter Matthau
Welch eine Begrüßung. »Morgen, Schurke.« – »Hallo, alter Idiot.« Eigentlich klingt das in Ein verrücktes Paar gar nicht böse, eher wie das Resümee einer langen, langen Beziehung. Oder sagen wir, einer Liebe, die ihren Reiz aus der Ablehnung, fast aus dem Hass, bezieht. In Ein verrücktes Paar sind Jack Lemmon und Walter Matthau zwei Pensionäre, die sich immer noch bekriegen wie in den dreißiger Jahren, als sie Kinder waren, mit stinkenden Fischen und, Schneelawinen. Vielleicht funktioniert der Film auch deshalb so gut, weil er selbst so etwas wie ein Resümee ist: Alles, was Sie immer schon über die filmische Beziehung von Matthau und Lemmon wissen wollten, wird Ihnen hier serviert. Dass Frauen kommen und gehen, aber letzten Endes die Freundschaft zwischen den Männern hält. Dass man sich zusammenraufen muss, wenn es darauf ankommt. In acht Filmen haben Lemmon-Matthau dieses perfekte Paar gegeben, neurotisch und umständlich der eine, grummelig und geradeheraus der andere. Sieht man ihre Filme heute wieder, wirken sie wie Momentaufnahmen einer Ehe. Und schließlich haben sie ja auch einmal zusammengewohnt, wenn auch ohne Trauschein: in Ein seltsames Paar (1968). Da gibt es einen der schönsten Ehestreits der Filmgeschichte: wenn Lemmon Matthau ansaut, weil er eine halbe Stunde zu spät zum Abendessen kommt. Rudolf Worschech
Männer wie Dynamit Murtaugh & Riggs
Die Beziehung zwischen den beiden fängt gleich richtig an: damit, dass der eine den anderen flachlegt. Als der Polizeidetektiv Murtaugh – Danny Glover – auf seinen neuen Partner wartet, erblickt er einen bewaffneten Unbekannten im Revier. Augenblicklich stürzt er auf ihn zu, doch statt einen Anschlag zu verhindern, wird er von dem sportlich klar kompetenteren Kollegen Riggs – Mel Gibson – niedergerungen. Zwei Lethal Weapon-Filme später darf Riggs bei Murtaugh einziehen. Die beiden Cops bewiesen, dass im Actionkino der Achtziger anarchische Energie steckte und selbst eine herbe Großstadt wie Los Angeles sich prima aufmischen lässt. Da wird dann schon mal ein Hochhaus vorzeitig abgerissen, weil Riggs sich in den Job des Bombenteams eingemischt und den blauen mit dem roten Draht verwechselt hat. Eindrucksvolldie Szene, in der der schwarze Murtaugh die südafrikanische Botschaft belagert: Er wolle in den Apartheidstaat, in dem damals noch der Burensohn de Klerk regierte, einwandern. Um seine Brüder zu unterstützen: »One man, one vote!«. In seiner Freizeit trifft Murtaugh auch seine juristische Familie (Frau, Kinder). Aber die hat sich längst mit Riggs arrangiert. Als ausgesprochen wegweisend muss man im Übrigen die Tatsache anführen, dass der Altersunterschied – Murtaugh steht kurz vor der Rente, Riggs noch mitten im Leben – in dieser robusten Beziehung zweier echter Kerle keine Rolle spielt. Mario Scalla



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