Weg mit den Gremien! – Das 11. Lichter Filmfest

Tagungsort – Das Zoo-Gesellschaftshaus in Frankfurt am Main

Das Unbehagen am heimischen Kino: Das 11. Lichter Filmfest Frankfurt International machte sich auf einem Kongress Gedanken zur »Zukunft Deutscher Film«

Man kann den deutschen Film auch als eine Folge von Manifesten sehen: 1962 das »Oberhausener Manifest«, das sich gegen die damalige Altbranche wendete, 1967 die »Mannheimer Erklärung«, die sich gegen die frühe rein wirtschaftliche Filmförderung richtete, und 2005 die »Ludwigshafener Position«, die für die künstlerische Freiheit votierte. Das Unbehagen am deutschen Film zieht sich durch die Jahrzehnte seit Kriegsende, als die ersten Trümmerfilme auf den wenigen deutschen Leinwänden flimmerten.

Rund 50 Fachleute, Kreative, Festivalmacher und Funktionäre hatten die Macher des Lichter Filmfestes zum Kongress in das Frankfurter Zoo-Gesellschaftshaus eingeladen, um an drei – nichtöffentlichen – runden Tischen über Filmförderung, Nachwuchsförderung und Filmvermittlung zu diskutieren. Und parallel dazu gab es öffentliche Panels etwa über den Dokumentarfilm oder das Verhältnis zwischen Fernsehen und Kino. Ideengeber der Veranstaltung war Edgar Reitz, vor zwei Jahren Schirmherr des Festivals, der ein neues Manifest forderte und konstatierte: »Der deutsche Gremienfilm hat ausgedient.« Nun, ein neues Manifest kam erst einmal nicht heraus. Aber Ergebnisse.

Und vielleicht ist das auch gut so. Denn die Gemengelage ist schwieriger denn je. Denn wer sich zum Beispiel die deutschen Beiträge im Wettbewerb der Berlinale angeschaut hat, Christian Petzolds »Transit«, Emily Atefs »3 Tage in Quiberon«, Thomas Stubers »In den Gängen« oder »Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot« von Philip Gröning, der kontroverseste der vier Filme, wird nicht umhinkommen festzustellen: Der deutsche Autorenfilm ist interessant und vielfältig. Das Problem ist schon seit Jahren der deutsche Mainstream. Oder zumindest die Filme, die zum Mainstream hätten werden sollen. Da ist es, als wäre das Schnulzen-und Klamaukkartell nie weg gewesen.

Kaum ein Film entsteht heutzutage ohne Fernsehen – 120 Millionen investiert das TV in Koproduktionen. Auf dem Panel zum Thema »Was will das Fernsehen vom Kino?« berichtete die Redakteurin Cornelia Ackers vom Bayerischen Rundfunk von den zig Drehbuchfassungen, die Philip Gröning mit ihr entwickelte – das war sicherlich als Ausweis des Engagements des Fernsehens gemeint, das sich leider immer mehr aus der Kinoproduktion zurückzieht. Es hinterließ aber auch einen schalen Nachgeschmack, wenn man bedenkt, dass Frau Ackers ja nur eine von vielleicht 20 Personen ist, die von einem Projekt überzeugt werden muss. Und wenn man dann noch auf den Gängen raunen hörte, dass viele in die Gremien Entsandte sowieso nur die Zusammenfassungen der Tischvorlagen lesen, dann fällt es schwer, Edgar Reitz zu widersprechen.

Dass das Fernsehen als »Nadelöhr« ausgedient habe, der Meinung war die Arbeitsgruppe Filmförderung, deren Ergebnisse von dem Produzenten und Professor Martin Hagemann und der Regisseurin Julia von Heinz vorgetragen wurden. Insgesamt stehen in Deutschland über 300 Millionen Euro für Filmförderung zur Verfügung. Die Hälfte, so die Arbeitsgruppe, sollte nicht mehr durch Gremien, sondern durch zwei Kuratoren oder Kuratorinnen in einem rotierenden System vergeben und davon 20 Prozent verlost werden. Das hat ein bisschen Hautgout, riecht es doch nach Filmminister, aber es war auch eine Konsequenz aus der Analyse des Zustands des Gremiensystems, in dem sich große Apparate gebildet haben, in dem Spezialisten genauso wie die Transparenz fehlen. »Was wir wieder brauchen, ist die Kunstfreiheit«, resümierte Hagemann. Vielleicht, möchte man anfügen, gehört dazu ja auch, dass die Regisseurinnen und Regisseure die erste Fassung ihres Films verfilmen können.

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