Interview mit Margarethe von Trotta über ihren Film »Auf der Suche nach Ingmar Bergman«

Margarethe von Trotta

Margarethe von Trotta

epd Film: Frau von Trotta, Sie haben Ingmar Bergman in den 60er Jahren als Studentin in Paris für sich entdeckt. Warum hinterließen seine Filme bei Ihnen solchen Eindruck?

Margarethe von Trotta: Als ich in Düsseldorf aufwuchs, interessierte man sich bei uns in der Familie für Oper, Konzerte und Kunst, nicht für Kino. In den 50er Jahren gab es in Deutschland ja auch nicht viel mehr als Heimatfilme. Wir haben vielleicht sonntags bei Regen mal ein Melodram mit O.W. Fischer gesehen, aber eigentlich haben wir Film nicht ernst genommen. Das änderte sich für mich in Paris durch meine Kommilitonen. »Das siebte Siegel« war damals der erste Film, den ich dort sah – und plötzlich fand ich alles, was ich sonst in Ausstellungen, Konzerten und anderswo hätte einzeln suchen müssen, wie in einem Prisma zusammengefasst.

Trotzdem haben Sie gezögert, diese Dokumentation zu drehen ...

Na klar, denn von da an war er ja mein Meister. Er war der große Gott des Kinos für mich, der mich auch später weiter begleitet hat, selbst wenn ich jetzt nicht alle Filme gesehen und zwischendurch nicht mehr so geschätzt hatte. Denn ich wurde ja nach ’68 eine Linke und war, wie wir alle im deutschen Kino der 70er Jahre, politisch motiviert, was er nicht wirklich bedient hat. Trotzdem kam ich nicht von ihm los, schließlich hat er mich in gewisser Weise zum Film gebracht. Er war also für mich eine Ikone, wie man sie eigentlich nicht anrühren sollte. Aber alle haben so auf mich eingeredet, dass ich die Richtige dafür sei, weil ich ihn ja auch kannte, dass ich irgendwann nachgegeben habe.

Würden Sie sagen, dass sein Blick auf weibliche Figuren ihn von anderen Regisseuren seiner Generation unterscheidet?

Natürlich. Im Hollywood-Film hat es auch die großen weiblichen Stars gegeben, aber das waren oft ziemliche Klischeefiguren. Bergman dagegen hat die moderne Frau gezeigt, die weder den Männern unterworfen noch eine Hexe oder ein Vamp war. Diese Kategorisierungen hat er nicht mitgemacht, und das war außergewöhnlich. Olivier Assayas sagt es ja in meinem Film: Er hat Filme gedreht über die Frauen, die es in der schwedischen Gesellschaft gab. Das war schon eines der Hauptmerkmale, das Bergman zu einem so besonderen Regisseur machte. Und natürlich die Tatsache, dass er sehr, sehr tief in die menschliche Psyche und das menschliche Leiden vorgedrungen ist – und dabei auch immer so ehrlich mit sich selber war.

Sie sprechen im Film nicht nur mit Bergmans Wegbegleitern wie Liv Ullman, sondern unter anderem eben auch mit Olivier Assayas oder Ruben Östlund. Wonach haben Sie Ihre Gesprächspartner ausgesucht?

Wir hatten mehrere Produzenten, aus Amerika, Frankreich und Deutschland. Von denen hatte natürlich jeder so seine Vorstellungen, wen man befragen muss. Ich bekam also eine lange Liste, von der ich einige von vornherein gleich wieder gestrichen habe. Denn es gibt schon so viele Filme über Bergman – und immer sprechen dieselben Leute, Woody Allen, Martin Scorsese und so weiter, das wollte ich eben gerade nicht. Mir ging es vor allem um eine Mischung: einerseits die Alten, wie Jean-Claude Carrière, für den Bergman genau wie für mich die Ikone unserer Jugend war, aber andererseits auch junge Filmemacher wie Mia Hansen-Løve, die gerade auf Fårö einen Film dreht. Und ­besonders toll war es natürlich, mit Bergmans Sohn Daniel sprechen zu können, der solche Anfragen sonst immer abgelehnt hat. Für mich hat er eine Ausnahme gemacht, weil er das Gefühl hatte, dass ich als bekannte Regisseurin es nicht nötig habe, mich durch seinen Vater größer zu machen.
 

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