dffb-Symposium: »The Shock of the Real«

dffb-Symposium: »The Shock of the Real«

dffb-Symposium: »The Shock of the Real«

Zu ihrem fünfzigjährigen Jubiläum blickte die Filmhochschule Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin in einem Symposium zurück und nach vorne

Ihr fünfzigjähriges Jubiläum konnte die Berliner Filmhochschule Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) bereits im vergangenen Herbst feiern. Außer einem rückblickenden Festakt im Roten Rathaus (der bei Nicht-Ehemaligen eher gemischte Gefühle hinterließ) fand damals aber praktisch nichts statt; eine Veranstaltung, in deren Mittelpunkt Vorträge und Gespräche stehen sollten und die der neue Leiter Ben Gibson schon bei seinem Amtsantritt im Frühjahr als Kernstück des Jubiläums angekündigt hatte, wurde auf das diesjährige Frühjahr verschoben, da mehrere der angefragten Teilnehmer im Herbst keine Zeit hatten.

Ende März fand sie nun statt, unter dem von Ben Gibson ausgegebenen Motto »The Shock of the Real«. Das knüpfte daran an, dass sich die Filme der dffb-Studenten immer ganz zentral mit der Wirklichkeit der jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse auseinandersetzten, besonders stark in den Filmen der ersten Jahrgänge, die von der Studentenbewegung geprägt waren und die wiederum prägend waren für die Schule und das Bild, das von ihr nach außen hin vorherrschte.

Die aktuellen Probleme, im weitesten Sinne realistische Filme zu machen, standen im Mittelpunkt des zweieinhalbtägigen Wochenend-Symposiums, das sich dem Thema in acht Gesprächen und zwei Filmvorführungen näherte und das eingerahmt wurde von 16 Filmprogrammen im Kino Arsenal, bei denen insgesamt 49 dffb-Filme gezeigt wurden, die ältesten von 1967, der jüngste von 2015.

Das Symposium, »Filmmakers in Dialog« betitelt und in Zusammenarbeit mit der Filmzeitschrift »Revolver« veranstaltet, begann eher mit einem Fehlstart: die amerikanische Filmemacherin Nina Menkes setzte sich mit »Frauenbildern des Kinos« auseinander, indem sie einige Ausschnitte analysierte. Dabei hatte sie ausschließlich Filme von »Auteur«-Filmemachern wie Hitchcock, Welles, Scorsese, Demme, Wenders und Godard ausgesucht, problematischerweise aber solche, die in allen Fällen den männlichen Blick auf Frauen explizit zum Thema machten und damit ihre Thesen ins Leere laufen ließen.

Ergiebiger waren da die Dialoge mit dem Filmemacher Thomas Heise und den Filmemacherinnen Athina Rachel Tsangari und Amie Siegel, sowie zwei Gesprächsrunden. In der ersten loteten Veronika Franz (»Ich seh, ich seh«) und der dffb-Absolvent Till Kleinert (»Der Samurai«), die Möglichkeiten des (fantastischen) Genrefilms aus, vor allem, wenn es darum geht, körperliche Reaktionen beim Publikum hervorzurufen, in der zweiten kamen Sergey Loznitsa, Aslı Özge und Pia Marais, die seit Jahren in Berlin leben und von hier aus ihre Filme machen, zum »Nomadischen Kino« zu Wort und debattierten über transnationales Kino und die eigene Identität zwischen verschiedenen Kulturen.

Ein wenig aus dem doch eher an der Praxis orientierten Rahmen fiel das Gespräch zwischen der Filmwissenschaftlerin Gertrud Koch und Ekkehard Knörer, das mit dem – gänzlich aus YouTube-Material bestehenden – Film »Transformers: The Premake« von Kevin B. Lee einen spannenden Ausgangspunkt hatte, sich dann aber zeitweise in ferne theoretische Höhen aufschwang.

Das Beste an der Filmreihe im Arsenal war weniger die Begegnung mit im Lauf der Jahre eher der Vergessenheit anheimgefallenen dffb-Filmen – obwohl dabei viele (Wieder-)Entdeckungen zu machen waren –, sondern die Ausführungen der anwesenden Filmemacher dazu. Das betraf nicht nur die konkreten Produktionsumstände, sondern vor allem auch die Bezugnahme auf andere Filme, die parallel bzw. zuvor entstanden waren.

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