Berlinale: Und dann zu Trump

Alejandra Silva, Richard Gere. © Berlinale 2017

Alejandra Silva, Richard Gere. © Berlinale 2017

Die Filme der Berlinale 2017 sind bislang eher Nebensache, von Höhepunkten wie Danny Boyles »T2 Trainspotting« oder Sam Gabarskis »Es war einmal in Deutschland« abgesehen. Viel beachtet wird indessen Richard Gere mit Kommentaren zum US-Präsidenten

Es klingt wie ein Paradox, aber tatsächlich sind die Filme auf Festivals oft nur zweitrangig. Berlin im Februar bildet ein gutes Podium, um von der Mitte Europas heraus die Weltlage zu kommentieren, besonders dann, wenn die Filme selbst gar nicht so viel hergeben. Kein Wunder also, dass es auf der Berlinale 2017 zugeht wie überall: Man spricht über dies und das und kommt dann zwangsläufig zu Donald Trump.

Richard Gere bezeichnete es als eines der größten Verbrechen von Trumps Politik, dass er die Worte »Flüchtlinge« und »Terroristen« gleichsetze (⇨ Pressekonferenz). Und besorgte damit für die Berlinale die besten Schlagzeilen der ersten Festivaltage. Der Film, den Richard Gere dabei vorstellte, wurde indes eher zwiespältig aufgenommen. Neben Steve Coogan, Laura Linney und Rebecca Hall spielt Gere eine Hauptrolle in »The Dinner«, der Verfilmung eines niederländischen Romans von Herman Koch aus dem Jahr 2009.

Darin geht es um zwei Brüder, die sich samt Ehefrauen zum Abendessen treffen, weil ihre Söhne, wie sich aber erst nach und nach herausstellt, gemeinsam ein Verbrechen begangen haben. Statt sich mit der politischen Aufladung der Tat – die Jugendlichen haben eine Obdachlose überfallen – auseinanderzusetzen, kehrt der Film das Drama ins Beziehungspsychologische. Die Spannung ergibt sich nicht aus dem Konflikt von liberalen Eltern und »wohlstandsverwahrlosten« Söhnen, sondern aus der schwelenden Feindseligkeit zwischen Brüdern und Eheleuten.

Die bessere, weil bewusstere Balance zwischen Privat und Politisch gelingt in einem anderen Höhepunktsfilm der ersten Festivaltage. Danny Boyles mit Spannung erwartete Fortsetzung zu seinem Kultfilm »Trainspotting« von 1996, erlebte ihre Premiere im Wettbewerb außer Konkurrenz. In »T2 Trainspotting«, der in diesen Tagen in Deutschland im Kino anläuft, verzichtet Boyle auf oberflächliche politische Aufladungen. Er beschränkt sich darauf, den Lauf der Zeit deutlich zu machen – mit dem Effekt, dass die Rebellenpose der Drogensüchtigen von damals heute wie ein verwöhntes putziges Aufbegehren erscheint. Was seine um Mark Renton (Ewan McGregor) versammelten Helden umso repräsentativer für eine bestimmte Generation macht.

In einem sich gentrifizierenden Edinburgh sind sie auch ohne Drogensucht tragische Außenseiter – und mit Mitte 40 dazu noch schrecklich uncool. Selten hat man Figuren im Film so ehrlich altern sehen. Boyles Kunststück besteht darin, dass sein neuer Film trotzdem an die Energie, den bitteren Witz und vor allem das von Popmusik genährte Lebensgefühl von damals anknüpfen kann.

Eine Enttäuschung war der Eröffnungsfilm, das Biopic »Django« über den legendären Jazzgitarristen Django Reinhardt. Der französische Regisseur Etienne Comar beschränkt sich in seinem Film auf die Zeit, die der Jazzmusiker unter deutscher Besatzung in Frankreich verbrachte, und liefert eine leider platte Fernsehfilmversion der Parabel vom apolitischen Künstler, den die Umstände zum Engagement zwingen, in diesem Fall zum Engagement für die Sinti und Roma, aus deren Mitte er stammte. Sämtliche Nazis, die auftauchen, sind vor allem dämlich, während die Frau im Zentrum als blonde Schönheit von Cecile de France verkörpert wird. Einen erfreulichen Lichtblick bildete dagegen der in der Reihe »Spezial« präsentierte Film »Es war einmal in Deutschland« von Sam Gabarski, die lang angekündigte Verfilmung des Romans »Die Teilacher« von Michel Bergmann über die Nachkriegsgeschichte der Frankfurter Juden.

Moritz Bleibtreu ist darin eine Traumbesetzung als umtriebiger David Bermann, der das KZ überlebt hat, weil er so gut Witze erzählen kann. Mit anderen Überlebenden gründet er aus dem Frankfurter »Displaced Persons«-Lager heraus einen Wäschevertrieb, um sich das Geld für die Ausreise nach Amerika zu verdienen. Was der Film an deutscher Schwerfälligkeit wie zwangsläufig mit sich bringt, macht Moritz Bleibtreu mit seinem lockeren und trotzdem nie nur oberflächlichen Charme um Längen wieder wett.

Den politischen Ruf der Berlinale haben früher vor allem die Filme aus Osteuropa genährt, deren Statement oft schon darin bestand, überhaupt in den »Westen« eingeladen worden zu sein. Heute dagegen erscheinen die wenigsten der osteuropäischen Filme sich um Politik zu scheren. Der ungarische Wettbewerbsbeitrag »On Body And Soul« (A Teströl es Lelekröl) von Ildiko Enyedi erzählt von der zarten Annäherung zwischen zwei gesellschaftlichen Außenseitern: Einem leicht gehandicappten Finanzdirektor und einer jungen Frau mit Asperger-Syndrom. Mit Lakonie und Humor erzählt, ist »On Body And Soul« gut gespielt und angenehm anzuschauen, aber er bietet nichts, was man nicht woanders schon mal gesehen hätte.

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