Citizenwhat? – Die Preisträger der Oscars 2015

Patriot vs. Whistleblower

Versteinert schien dem Zuschauer die Miene von Clint Eastwood in dem kurzen Moment des Kamerastreifs, kein Klatschen, keine Würdigung. Dem Patrioten kann die Honorierung einer Doku über den Whistleblower, den Landesverräter, Edward Snowden nicht recht sein. Verhalten fällt auch der Applaus des Publikums für die geehrten Filmemacher aus - es war nicht alles nur Glamour was dort gestern in unerbittlichem HD gezeigt wurde

Eastwoods Box-Office-Hit American Sniper, eine Glorifizierung des amerikanischen Soldaten, war einer der Verlierer der Preisverleihung. Aus den sechs Nominierungen konnte der Film nur den Preis für den besten Soundschnitt für sich gewinnen. Ähnlich erging es dem sechsfach nominierten Boyhood - für die im Vorfeld als großer Favorit gehandelte Langzeitbeobachtung gab es "nur" die Ehrung als Beste Nebendarstellerin (Patricia Arquette).

The Imitation Game hatte gar eine noch bescheidenere Ausbeute und wurde bei acht Nominierungen mit dem einsamen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch bedacht. Die Dankesrede von Graham Moore hatte es dafür in sich und gehörte durch seinen Appell an den Mut zur Selbstverwirklichung und die Überwindung der gesellschaftlichen Homophobie zu den bewegendsten Momenten der Nacht. Auch die für ihren Selma-Song "Glory" preisgekrönten Musiker John Legend und Common beluden ihre Rede mit einer Menge Gesellschaftskritik: "There are more black men under correctional control than there were under slavery in 1850".

Im Vorfeld der Veranstaltung wurden bereits zahlreiche Stimmen laut, die auf die fast gänzlich fehlende afroamerikanische Beteiligung im Umkreis der Oscar-Nominierungen hinwiesen. Angesichts der fehlenden Platzierungen von Selma-Regisseurin Ava DuVernay und Hauptdarsteller David Oyelowo durchaus nachvollziehbar.

Die Preisträger im Überblick:

Bester Film: Birdman

Beste Regie: Alejandro González Iñárritu für Birdman

Beste Hauptdarstellerin: Julianne Moore für Still Alice

Bester Hauptdarsteller: Eddie Redmayne für Die Entdeckung der Unendlichkeit

Beste Nebendarstellerin: Patricia Arquette für Boyhood

Bester Nebendarsteller: J. K. Simmons für Whiplash

Bestes Originaldrehbuch: Alejandro G. Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris, Jr. & Armando Bó für Birdman

Bestes adaptiertes Drehbuch: Graham Moore für The Imitation Game

Bester Animationsfilm: Baymax

Bester fremdsprachiger Film: Ida

Bester animierter Kurzfilm: Feast (Patrick Osborne, Kristina Reed)

Bester Kurzfilm: The Phone Call (Mat Kirkby, James Lucas)

Bestes Szenenbild: Adam Stockhausen, Anna Pinnock für Grand Budapest Hotel

Beste Kamera: Emmanuel Lubezki für Birdman

Bestes Kostümdesign: Milena Canonero für Grand Budapest Hotel

Bester Dokumentarfilm: Citizenfour

Bester Dokumentar-Kurzfilm: Crisis Hotline: Veterans Press 1 (Ellen Goosenberg Kent, Dana Perry)

Bester Schnitt: Tom Cross für Whiplash

Bestes Make-up und beste Frisuren: Frances Hannon, Mark Coulier für Grand Budapest Hotel

Beste Filmmusik: Alexandre Desplat für Grand Budapest Hotel

Bester Filmsong: Common & John Legend - Glory (Selma)

Bester Ton: Craig Mann, Ben Wilkins, Thomas Curley für Whiplash

Bester Tonschnitt: Alan Robert Murray, Bub Asman für American Sniper

Beste visuelle Effekte: Paul Franklin, Andrew Lockley, Ian Hunter, Scott Fisher für Interstellar

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