Kritik zu Where to, Miss?

Trailer OmU © W-film

2015
Original-Titel: 
Where to, Miss?
Filmstart in Deutschland: 
19.01.2017
V: 
L: 
91 Min
FSK: 
12

Die Ludwigsburger Filmstudentin Manuela Bastian dreht nach »Kampf in Pink« (2011) schon ihren zweiten Dokumentarfilm über Frauenkämpfe in Indien. Diesmal geht es um eine junge Frau, die Taxifahrerin werden möchte

Bewertung: 2
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Spätestens die tödliche Gruppenvergewaltigung einer Studentin in Delhi vor drei Jahren hat auch bei uns die Aufmerksamkeit auf die prekäre Sicherheitslage indischer Frauen gelenkt. Im Land selbst gibt es wütende Proteste gegen Männergewalt schon lange. Und auch konkrete Gegenwehr, die über die offiziell angebotenen Zugabteile für Frauen hinausgeht. Seit etwa 2008 betreibt die Azad Foundation ihr Projekt »Women on Wheels« in Delhi, das Frauen aus Armenvierteln als Fahrerinnen für einen Frauenfahrdienst ausbildet und damit nicht nur für autonome Arbeitsplätze, sondern auch für sichere Bewegungsmöglichkeiten in der 11-Millionen-Metropole sorgt.

Eine von ihnen ist die junge Devki, die gerade eine Dreiwochenehe mit einem gewalttätigen Trinker hinter sich hat und nun wieder bei ihren Eltern wohnt. Sie wollte schon immer etwas Außergewöhnliches tun, sagt sie, und die Unterstützung anderer Frauen sei ihr wichtig. Also hat sie sich bei einem der »Women on Wheels«-Kurse angemeldet, wo neben der Fahrtechnik auch Englisch und Selbstverteidigung gelehrt werden. Ihr Vater ist von diesen Plänen gar nicht angetan. Als Devki bei der Taxifahrerinnenprüfung durchfällt, traut sie sich kaum noch heim. Vielleicht auch deswegen heiratet sie schnell ein zweites Mal. Und sitzt dann bald mit Baby allein bei den Schwiegereltern in einem nordindischen Bergdorf, während der Ehemann in Delhi auf Arbeit ist.

Nicht ganz der erhoffte Aufbruch. Und auch der Film, der anfangs mit einem ganzen Spektrum an Stimmen zur Situation von Frauenrechten Hoffnung auf eine breitere politische Perspektive machte, verstrickt sich in den Leiden dieses vermutlich exem­plarischen Schicksals. Andere angesponnene Erzählfäden werden nicht wieder aufgenommen, das spannende Projekt des Frauentaxisdienstes bleibt als kollektive Praxis blass. Problematisch auch, wenn in Devkis Leben gerade die entscheidenden Wendemarken ausgespart werden und etwa offenbleibt, warum sie nach einem Familienfest im Herkunftsdorf ihres Ehemanns bleibt. Oder warum die anfangs dort überdeutlich in ihrer kulturellen und sprachlichen Fremdheit Inszenierte scheinbar nur kurze Zeit später locker mit den Nachbarinnen parliert. Die größte erzählerisch ausgeblendete Frage ist aber, weshalb die junge Frau mit dem großen Lebenstraum als Taxifahrerin sich überhaupt auf die Ehe mit einem Mann einlässt, der diesen Wunsch genau wie ihr Vater ablehnt.

In einem Film, in dem es um die Lebensgestaltung einer jungen Frau geht, sind das wesentliche Mängel. Zuzuschreiben sind sie vermutlich fehlender Erfahrung der Filmstudentin bei der Materialbeschaffung im fernen Indien. Visuell gegründet sind Alltagsszenen und das unterlegte Interview mit Devki in der atmosphärisch dichten Kameraführung von Mitstudent Jan David Günter, musikalisch stimmig eingebettet in den eher sparsamen Sound der Folktronica-Shootingstars von Milky Chance. Nur beim Titelsong hätte man sich bei dem von Patriarchen umstellten Leben der jungen Ms. doch eher eine Frauenstimme gewünscht.

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