Kritik zu Timm Thaler oder das verkaufte Lachen

© Constantin Film

2017
Original-Titel: 
Timm Thaler oder das verkaufte Lachen
Filmstart in Deutschland: 
02.02.2017
Musik: 
L: 
102 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Andreas Dresen verfilmt die Wirtschaftswunderparabel von James Krüss mit vielen Anspielungen auf die Schieflagen der Gegenwart

Bewertung: 4
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»Timm Thaler« ist kein klassisches altes Märchen, sondern eines, das James Krüss in den 60er Jahren schrieb, um damit auf das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit zu reagieren. Er verlegte die Geschichte in die 20er Jahre, allerdings ohne direkten Bezug zur Weimarer Repu­blik. Seinerzeit kannte jeder die Abenteuer des Jungen, der sein Lachen verkauft. Regisseur Andreas Dresen liebt die Geschichte, seit er als Kind das Buch las. Seine Verfilmung sieht anders aus als das, was er bisher gemacht hat, und das liegt nicht nur daran, dass es sich um einen Märchenstoff handelt. In Filmen wie »Halbe Treppe« oder »Sommer vorm Balkon« hat Dresen großartige Kinomomente geschaffen. Mit einem Budget von rund sieben Millionen Euro hatte er nun, was Ausstattung, Drehorte, Cast und Trickaufnahmen anbelangt, noch einmal ganz andere Möglichkeiten.

Drehbuchautor Alexander Adolph beließ die Geschichte in den 20er Jahren, allerdings mit Referenzen ins Hier und Jetzt. Eine kleine Gasse bildet zunächst den Kosmos des Jungen, der hier arm, aber glücklich mit seinem Vater lebt. Als Gegenentwurf dient das mondäne Hotel, in dem Vater und Sohn gern einmal essen würden und in dem die feinen, aber auch gemeinen Menschen Station machen. Den Übergang zwischen beiden Extremen bildet die Pferderennbahn, hier kann ein Armer reich oder ein Reicher arm werden, hier verkauft Timm, nachdem sein Vater gestorben ist, dem Baron Lefuet sein Lachen und gewinnt im Gegenzug ab jetzt jede Wette.

Krüss' Roman erzählt Timms Geschichte über mehrere Jahre und spielt in verschiedenen Ländern. Das musste für die Film­adaption komprimiert werden. Aus dem Schiff, auf dem Timm arbeitet, ist nun das Grand Hotel geworden, in dem sich illustre Gäste versammeln und Timm als Liftboy nicht nur Zuflucht findet, sondern auch einen Freund, den Barkeeper Kreschimir (Charly Hübner). Unabhängig von den Änderungen bleibt für Dresen die Aussage zentral, die Krüss am Herzen lag: Es gibt Werte, die wichtiger sind als aller Reichtum der Welt.

Arvet Friese spielt Timm manchmal zu verhalten und stoisch, Dresen hätte ihm mehr Emotionen zutrauen müssen, denn Timm kann zwar nicht mehr lachen, aber traurig oder wütend dürfte er schon sein. Da hat Jule Hermann als Timms Freundin Ida wesentlich mehr Ausdrucksmöglichkeiten. Neben altbekannten Dresen-Darstellern wie Axel Prahl, Andreas Schmidt oder Steffi Kühnert gibt Justus von Dohnányi mit teuflischer Freude den Baron Lefuet, der das gekaufte Lachen dafür nutzen will, die Herzen der Menschen zu gewinnen. Aber natürlich setzt er seine neue Fähigkeit auch dazu ein, noch mehr Macht anzuhäufen. In einer animierten Sequenz erklärt Lefuet Timm, wie man afrikanische Völker dazu bringt, ihr eigenes Wasser zu kaufen und damit abhängig von ausländischen Investoren zu werden – eine deutliche Kritik am Nestlé-Konzern. Dresen hat einen warmherzigen, spannenden Film gemacht, der mit großartigen Bildern und einer klaren Botschaft unter die Haut geht.

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