Kritik zu Thor – Ein hammermäßiges Abenteuer

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Ein Animationsfilm aus Island, der die nordische Legende zwar auf neue Art erzählen will, sich dabei aber kräftig bei den Fantasy- und Animationsfilmen aus Hollywood bedient

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Götterkinder haben es schwer, vor allem solche, die halb Gott, halb Mensch sind und mit ihrer Mutter auf der Erde leben müssen, immer in dem Wunsch, dem nie gekannten Vater endlich zu begegnen und seine Aufmerksamkeit zu erlangen. So ergeht es auch Thor, dem Sohn Odins, Gott der Götter. Dieser hat sich noch nie für seinen Sohn interessiert und haust, den Menschen entrückt, irgendwo da oben zwischen den Wolken, während Thor nach dem Willen seiner Mutter ein guter Schmied werden und sich nicht in Tagträumen verlieren soll. Wenn das so einfach wäre.

Thor übt heimlich, um übermächtige Kräfte zu erlangen, was jedoch in regelmäßigen Abständen in kleinen Katastrophen endet. Zu jeder anständigen Götterwelt gehört auch die Unterwelt als deren Gegenentwurf. Hier regiert Hel, eine einst von Odin verschmähte Braut, die nun endlich die Götter aus Walhalla vertreiben und die Weltmacht an sich reißen will. Mit von der Partie in diesem Spektakel sind noch ein kleiner Zwerg, der als Running Gag immerzu behauptet, ein Elf zu sein, Thors kleine Freundin, die von Riesen verschleppt wird, und allen voran der sprechende Hammer, einst vom Zwerg erschaffen, nun in Thors Händen.

Nach der Mythologie ist dies der Donnerkeil, mit dem der Gott des Donners – Thor – die Menschen beschützt. Der Film versucht, sich weitgehend an die Mythen des Nordens zu halten, und führt dementsprechend noch so illustre Figuren ein wie die Walküren oder Thrym, König der Riesen, die gemeinsam mit Hel die Menschen unterwerfen wollen. Während die Welt der Erdenbürger einigermaßen geordnet aussieht, mit sympathischen Figuren, die in ordentlichen Hütten hausen, wird die Unterwelt bevölkert von fantasievoll und sehr individuell gestalteten Figuren. Man sieht ihnen an, dass sie großen Vorbildern entlehnt wurden. Hel sieht aus, als wäre sie aus einem Tim-Burton-Film entliehen, und Odins linkes Auge, in dessen Besitz sie ist, könnte auch »Mad-Eye« Moody aus den Harry-Potter- Filmen gehören. Hel kann damit sehen, was Odin gerade plant, und ist ihm darum immer einen Schritt voraus.

Die Filmemacher gehen sehr assoziativ und frei mit den filmischen Vorbildern um und das ist nicht nur für die Kinder, sondern auch für die sie begleitenden Erwachsenen ein kurzweiliges Kinovergnügen. Die Idee, die nordische Göttersage zu verfilmen, ist zukunftsweisend, bietet sie doch noch so manchen Stoff, der sich spektakulär adaptieren ließe. Und mit den drei Kosmen – Walhalla, Unterwelt und Erde – lässt sich sehr schön eine klare Ordnung darstellen. Keiner mag wirklich mit Hel tauschen, und das Leben Odins, der sich nur langweilt in seinem Himmelsschloss, ist auch nicht erstrebenswert. Vielleicht können sich ja die Kinder für den Norden begeistern und mal in den Büchern nachlesen, was sonst noch so in den Sagen passiert ist. Sonst warten wir einfach auf eine Fortsetzung von Thor.

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