Kritik zu Star Wars: Die letzten Jedi

© Walt Disney

Keinerlei Verschleißerscheinungen: Selbst im achten Teil erweist sich die langlebige Weltraumsaga als vitales Franchise, das mit grandiosem Aufwand, starkem Cast und überraschendem Witz punktet

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Als hätten sie sich abgesprochen, erleben einige Leinwandhelden unserer Jugend derzeit ein kollektives Revival: der stoische Rick Deckard aus »Blade Runner« zum Beispiel, aber auch »Twin Peaks«-Legende Special Agent Dale Cooper, und sogar die abgefuckten Junkies aus »Trainspotting« sind wieder da. Ein halbes Leben später sorgen sie noch einmal für ein bisschen Wehmut, für schöne Erinnerungen an den Sturm und Drang von damals. Die Bilanzen aber sind durchweg schmerzlich: Ihre Geschichten erzählen von Verbitterung, Identitätsverlust, innerer Leere – und davon, dass nichts mehr so sein kann, wie es einmal war.

Mit Luke Skywalker, dem einstigen Milchgesicht aus George Lucas' ursprünglicher »Star Wars«-Trilogie, reiht sich jetzt ein weiterer in die Jahre Gekommener in diese Phalanx ein. Mark Hamill, langhaarig und vollbärtig, stattet ihn in »Die letzten Jedi« mit geradezu biblischem Furor aus: ein grimmiger, lebensmüder Eremit, der sich in den hintersten Winkel der Galaxie zurückgezogen hat. Noch aber wird er gebraucht: als Lehrmeister für die junge Rey (Daisy Ridley), die dringend Nachhilfestunden im Umgang mit der Macht benötigt, um im Kampf gegen Nachwuchs-Darth Vader Kylo Ren (Adam Driver) reüssieren zu können.

Rey nimmt seit dem letzten »Star Wars«-Reboot Lukes Platz in der auf Endlosschleife programmierten Dramaturgie der Serie ein, sie hat nun jenen Punkt erreicht, an dem sich der junge Skywalker in »Das Imperium kehrt zurück« befand. Lukes neue Heimat, eine karge Felseninsel, ist zwar das genaue Gegenteil der verwunschenen Dschungellandschaft, in der er einst vom putzigen Yoda unterrichtet wurde, trotzdem entwickelt sich zwischen dem Jediritter a.D. und der hungrigen Aspirantin ein ähnlich amüsantes Sparring wie damals. Autor und Regisseur Rian Johnson (»Looper«) macht aus diesem Verfahren ein Prinzip: Einerseits bleibt er mit seiner Geschichte so nah an der Struktur des Originals, dass sich sein Film für Momente wie ein klassisches Remake anfühlt. Andererseits variiert er die Details so grundlegend, dass dieser achte Teil der Serie (Spin-Offs und Nebenwerke nicht mitgerechnet) wunderbar frisch und vital daherkommt.

Dabei setzt Johnson vor allem auf hübsch selbstironischen Humor. Er liefert selbstverständlich die üblichen Zutaten – spektakuläre Weltraumschlachten, kuriose extraterrestrische Kulturen, das ewige Gegeneinander von Diktatur und Rebellentum, dazu eine interessante und stark besetzte Generation neuer Helden und Heldinnen –, balanciert das Ganze aber mit einem kräftigen Augenzwinkern aus. Nehmt dieses simple Märchen von Gut vs. Böse bitte nicht allzu ernst, ruft er uns zu – und schafft es vor allem im letzten Drittel des Films dann doch, die Story auf einen neuen, überraschenden Level zu heben. Dabei kommt auf seine alten Tage auch Luke Skywalker ins Spiel, ein fast Vergessener, der es noch einmal wissen will. Vielleicht kann es nicht mehr so sein wie vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie. Aber für ein machtvolles Comeback ist es nie zu spät.

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