Kritik zu Schatz, nimm Du sie!

© Wild Bunch

2017
Original-Titel: 
Schatz, nimm Du sie!
Filmstart in Deutschland: 
16.02.2017
V: 
L: 
90 Min
FSK: 
12

Im deutschen Remake des französischen Komödienhits »Mama gegen Papa« versuchen scheidungswillige Eltern, ihre Kinder mit fast allen Mitteln zu vergraulen

Bewertung: 2
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Der Kampf ums Sorgerecht bietet in der Realität wie im Film Stoff für quälende Dramen. In dieser Komödie dagegen wollen die scheidungswilligen Eltern ihre Kinder loswerden, zumindest eine Zeit lang. Der Arzt Marc will endlich den langersehnten Auslandseinsatz in Haiti antreten. Und mitten in den Trennungsgesprächen bekommt die Ingenieurin Toni das Angebot, einen Windradpark auf Malta aufzubauen. Ist Toni anfangs bereit, um der Kinder willen ihre Karriere zurückzustellen, ändert sie wutentbrannt ihre Meinung, als sie Marc beim Knutschen mit einer Krankenschwester erwischt. Die Kinder, die nichts von den Projekten der Eltern ahnen, sollen binnen einer Woche entscheiden, bei wem sie leben wollen. Bis dahin versuchen die Eltern, die lieben Kleinen mit fast allen Tricks zu vergraulen.

Zum Glück für die Macher dieses Remakes hat in Deutschland kaum jemand das Original »Mama gegen Papa«, in Frankreich ein Kassenhit mit über drei Millionen Zuschauern, gesehen. In der deutschen Version werden viele Szenen – etwa der rasante Prolog, in dem sich die leidenschaftliche Hassliebe des Paares bereits vor der Familiengründung manifestiert – eins zu eins übernommen. Doch die satirische Gratwanderung des Originals wird in der deutschen Version nicht durchgehalten.

Das liegt einesteils an den grobmotorischen Figuren, denn das Drehbuch hat den Charakteren die zwischen gut und fies schillernde Ambivalenz ihrer Vorbilder weitgehend ausgetrieben. So demonstriert Carolin Kebekus von Anfang an den Charme eines scheppernden Panzers, während ihr französisches Pendant erst bei den sich steigernden Vergeltungsschlägen sein Aggressionspotenzial entfaltete. Wird die deutsche Geliebte als übergriffige Sexnudel präsentiert und Arzt Marc als Leisetreter, so war Erstere im Original eine unscheinbare Nebenfigur – während der Arzt als Alphatier seiner Frau ebenbürtig war und mit maliziöser Hinterlist erfreute. Während im Original das Tabu bedingungsloser Elternliebe mit knackig bösem Humor gebrochen und man als Zuschauer zugleich dazu verleitet wurde, den verzogenen Gören die Schocktherapie von Herzen zu gönnen, bleiben hierzulande nur die harmloseren Episoden übrig.

Die deutsche Inszenierung schreckt davor zurück, den hinter der gutbürgerlichen Zivilisiertheit hervorbrechenden Sadismus in lustvollen Details auszuspielen. Vom boshaften Furor, mit dem das Piesacken der eigenen Kinder in »Mama gegen Papa« auf die Spitze getrieben wurde, sind im Remake vorwiegend klamaukige Mobbingszenen übrig geblieben, in denen die Kids von ihren peinlichen Eltern vor ihrer Clique gedemütigt werden. So blockiert sich diese draufgängerisch gemeinte »Was sich liebt, das neckt sich«-Familienkomödie zwischen zwei Geschwindigkeiten, Frechheit und Tüdeligkeit, ständig selbst. Wenn auf den zerstörerischen Anarchowitz des Originals schließlich noch ein versöhnliches Happy End unter Palmen aufgepropft wird, fragt man sich wieder mal, warum deutsche Filmemacher ihrem Publikum so wenig Sinn für Humor zutrauen.

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