Kritik zu Paris kann warten

© Tobis Film

2017
Original-Titel: 
Bonjour Anne
Filmstart in Deutschland: 
13.07.2017
Musik: 
V: 
L: 
92 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Diane Lane wird auf einen sinnlichen Roadtrip durch Frankreich »entführt«.Im späten Spielfilmdebüt der 81-jährigen Eleanor Coppola verarbeitet die Gattin von Francis Ford Coppola ein Stück weit Autobiografisches

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Besser spät als nie. Letzten Herbst stellte Eleanor Coppola beim Toronto Film­festival »Paris kann warten« vor – ihren ersten Spielfilm, inszeniert im Alter von 80 Jahren. Als Filmemacherin bekannt geworden war sie bereits 1991 durch den viel gerühmten Dokumentarfilm »Hearts of Darkness«, über die Entstehung von »Apocalypse Now« ihres Mannes Francis Ford Coppola; allerdings zeichnete sie dabei lediglich als Koregisseurin verantwortlich. Danach drehte sie nur noch ein paar »Making-ofs« für Filme ihres Gatten und ihrer Tochter Sofia. Nun also das späte Spielfilmdebüt, bei dem sie als Regisseurin und Drehbuch­autorin durchaus der Autorentheorie gerecht wird: Die Geschichte basiert auf Coppolas persönlichen Erlebnissen während einer Frankreichreise im Jahr 2009.

Ihr filmisches Alter ego namens Anne wird von Diane Lane verkörpert. Sie ist mit dem viel beschäftigten Filmproduzenten Michael (Alec Baldwin in einer undank­baren Minirolle) verheiratet, der sie wie eine Privatsekretärin behandelt. Nach dem ­Besuch des Filmfestivals in Cannes muss Michael nach Budapest weiterreisen. Anne will ein paar Tage in Paris verbringen. Der joviale Produzentenfreund Jacques (Arnaud Viard) bietet sich als Fahrer an, allerdings chauffiert er Anne auf sehr verschlungenen Umwegen in die Hauptstadt. Er zeigt ihr ein idyllisch gelegenes Viadukt aus der Römerzeit und führt sie ins Musée Lumière in Lyon. Vor allem aber geht er fortwährend mit ihr essen, sei es in ländlichen Romantikhotels oder in einem rustikalen Bistro. Damit sind die Ereignisse fast vollständig beschrieben. Mehr passiert nicht. Die dramatischste Situation ist eine Autopanne auf der Landstraße, die aber als willkommener Anlass für ein üppiges Picknick dient.

Es mag sein, dass Eleanor Coppola all das genau so erlebt hat und bewusst auf eine Dramatisierung verzichtete. Aber um als reine Beschreibung einer malerischen Reise zu funktionieren, fehlt es an Atmosphäre, an prägnanten Bildern, an einem authentisch wirkenden Gespür für Orte und Menschen. Coppolas Blick auf Frankreich ist der einer wohlhabenden Touristin aus Amerika, die Kitsch vermeiden will, aber trotzdem nur Klischees produziert: rotwangige Bauern, nostalgische Autos und beim Essen Schnecken in Kräuterbutter. Anne hält zwar jede Banalität auf Fotos fest (mit einer Leica, natürlich), aber der Regisseurin Coppola gelingt es nicht, die Magie ihrer eigenen Reise in Filmbilder zu übersetzen. Sogar der ­Franzose Jacques wirkt mit seiner Fixierung auf Essen und Wein bald nur noch selbstgefällig, seine ausgestellte Sinnenfreude bekommt etwas Überhebliches. Erst ganz am Ende stellt sich zwischen ihm und der heillos unterforderten Diane Lane eine gewisse Chemie ein. Die allerletzte Szene hat dann sogar jenen feinen Zauber, der dem Rest des Films abgeht. Bei Sofia Coppolas Regiedebüt »The Virgin Suicides« hieß es damals, Papa Francis habe ihr bestimmt ein wenig Hilfestellung gegeben. Bei seiner Frau hat er sich das offensichtlich verkniffen.

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Langweiliger Film trotz schöner Diana Lane.

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