Kritik zu Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt

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2017
Original-Titel: 
Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt
Filmstart in Deutschland: 
31.08.2017
V: 
L: 
111 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Mindestens dreimal zum China-Nudel-Imbiss und zurück: Arne Feldhusen verfilmt den Roman von Sven Regner über eine Gruppe gealterter DJs, die es noch mal wissen wollen

Bewertung: 3
Leserbewertung
5
5 (Stimmen: 1)

»Manchmal bewegt sich einer nicht, aber deshalb ist er noch lange nicht tot«, sagt Charlie, als der Aligator aus der Starre heraus plötzlich nach dem Fisch schnappt. Aber eigentlich spricht er hier über sich selbst. Charlie (Charly ­Hübner) hat sich seit fünf Jahren nicht mehr aus seiner kleinen Welt der therapeutisch betreuten Drogen-WG rausbewegt. Ab und zu mal ein heimlicher Ausflug in die Eisdiele zwei Straßen weiter, und selbst dafür muss er sich beim Plenum rechtfertigen. »Nur ein Espresso ohne Zucker«, lügt er den Betreuer (Bjarne Mädel) an. Die Regeln sind streng. Gefahren lauern überall. Und die Angst­zustände, die mit Psychopharmaka geradeso unter Kontrolle gebracht wurden, eine stete Bedrohung. Man kann sich kaum vorstellen, dass der schwere, große Langsamsprecher in der aufkommenden Berliner Technoszene einmal ein echter Partytiger und vielversprechender Künstler war. Mit den Drogen kam ausgerechnet am Tag der Maueröffnung der Absturz und seitdem lebt Charlie ein Leben in der Warteschleife.

Aber dann taucht Raimund (Marc Hosemann) in der Eisdiele auf. Der Kumpel aus der Technoszene betreibt zusammen mit Freund Ferdi (Detlev Buck) einen Club und ein Plattenlabel, mit dem sie stinkreich geworden sind. Aber all der Erfolg und das viele Geld langweilt die Technopioniere. ­­Sie wollen wieder zurück zu den Wurzeln und mit einem Kleinbus auf »Magical Mystery«-Tour gehen. Ihnen fehlt nur noch ein Fahrer. Und so kurvt Charlie mit der Technocombo kreuz und quer durch Deutschland, von der Behindertendisco in Schrankenhusel-Borstel bis zum Messehallen-Rave in Essen.

»Ihr seid doch so Technotypen. Ihr steht doch drauf, wenn sich alles wiederholt. Macht ihr einfach noch einmal Hafenrundfahrt und Fischessen«, rät eine Hamburgerin den Touristen. Damit wird durchaus selbstironisch nicht nur das musikalische Sujet charakterisiert, sondern auch das dramaturgische Problem des Films benannt. Denn in »Magical Mystery« setzt Regisseur Arne Feldhusen (»Stromberg«, »Der Tatort-Reiniger«), der hier den Roman und das Drehbuch von Sven Regner verfilmt, auf Redundanz als Erzählprinzip. Das ist anfangs noch komisch, wenn die DJ-Bande gleich dreimal hintereinander denselben Weg zum selben China-Nudel-Laden zurücklegt, führt aber im Verlauf der Tour von Stadt zu Stadt zunehmend zu einer gewissen Langatmigkeit. Es ist ja ein weit verbreiterter Irrtum, dass es automatisch Spaß machen muss, anderen beim Spaßhaben zuzuschauen, in besonderem Maße, wenn Drogen zu Hilfe genommen werden.

Dennoch ist »Magical Mystery« ein sehenswerter Film, und das ist einzig und allein Charly Hübner zu verdanken. Hübner ist einfach großartig in der Rolle des in sich zusammengefallenen Psychiatriepatienten, der sich langsam wieder ins Leben vortastet. Mit fein reduzierter Mimik spielt er die medikamentös abgedämpften Emotionen seiner Figur und hält eine Begräbnisrede für ein Meerschweinchen, die einem fast das Herz rausreißt. Gerne hätte man mehr Zeit mit diesem Charlie verbracht und seine zugedröhnten Freunde ins Bett geschickt.

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