Kritik zu King Cobra

Trailer OmU © Salzgeber

2016
Original-Titel: 
King Cobra
Filmstart in Deutschland: 
12.01.2017
Musik: 
V: 
L: 
91 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Ein B-Picture über den Aufstieg eines jungen Schwulenporno-Stars. Von Regisseur Justin Kelly als Liebesthriller auf den Spuren von Patricia Highsmith inszeniert

Bewertung: 4
Leserbewertung
4
4 (Stimmen: 2)

»The Bad and the Beautiful« heißt ein Melo von Vincente Minelli über Hollywood und das Filmemachen. Um die Bösen und die Schönen und die bösen Schönen geht es auch in Justin Kellys düster-erotischem Thriller. Das Filmgeschäft, das Kelly schildert, ist freilich nicht das glitzernde Hollywood, sondern die verborgene Welt der Schwulenpornos. Wenn der junge Sean seine ersten Probeaufnahmen bei dem Schwulenporno-Producer Stephen macht, wird das Filmen mit kleinen digitalen Kameras beinahe zum Sexakt wie einst in Blow-up. Der fast spießig anmutende Stephen, der sein Ein-Mann-Unternehmen in einer namenlosen Kleinstadt mit Passion betreibt, wird von Christian Slater grandios gespielt als echter Erotomane und Video-Svengali, der aus dem so unschuldig wirkenden Sean schnell den DVD- und Internet-Star »Brent Corrigan« erschafft.

Die geschäftliche, künstlerische und sexuelle Beziehung zwischen Stephen und seinem Geschöpft Brent wird bald kompliziert, weil Liebe und Gier sich in das Verhältnis einnisten. Wie im guten alten Hollywood will sich der junge Star von den mannigfaltigen Besitzansprüchen des Produzenten befreien. Es kommt zu einem erbitterten Streit, Fragen der Ausbeutung und Aufrichtigkeit betreffend.

In einem anderen Teil von Südkalifornien gibt es ein weiteres Männerpaar, das in einer genuinen Amour fou aneinandergekettet scheint. Wieder ein älterer Typ und ein junger Mann, Joe (James Franco mit sichtlicher Lust an bizarrer Ironie) und sein Star, der tatsächlich Harlow heißt wie die große Hollywood-Diva. Die beiden, die ebenfalls Internetvideos drehen, unter dem Namen »Viper Boyz«, sind verzweifelte Hustler der Liebe und des Erfolgs, verletzlich und aggressiv, an rebellische, verquer-böse Schwulenpaare erinnernd, von Hitchcocks »Cocktail für eine Leiche« bis zu Tom Kalins »Swoon«. Die Viper Boyz sind bald mit Stephen und Brent in einen seltsamen Konkurrenzkampf verwickelt. Bei der tödlichen Verquickung der Paare muss man an die Romane von Patricia Highsmith denken. Vielleicht erfüllt nämlich der verdammte Harlow nur die heimlichen Wünsche des schönen, hoffnungsvollen Super-Boys Brent.

»King Cobra« ist ein kleiner Film noir, in dem Justin Kelly auch beeindruckend mit den Schattierungen des Stils spielt. Manchmal ist der Film so schmutzig, direkt und aufreizend wie ein Porno. Dann wieder übertreibt und verzerrt er wie eine böse Satire. Schließlich gibt es Momente voller Sentimentalität und schräger Poesie. Es erklingt dann gar sehnsuchtsvolle Musik von Schubert. Kellys Film ist in seinem Stilmix Camp, ein Kosmos von Zitaten und Anspielungen. So treten in schönen Nebenrollen Molly Ringwald und Alicia Silverstone auf, die Schwulenikonen sind, aber auch einen gewissen Hollywoodmisserfolg verkörpern. Man kann »King Cobra« als Queer Cinema in Reinkultur verstehen. Man kann aber noch weiter gehen und erkennen, wie dieser abgründige Thriller das queere Element als integralen Bestandteil des Kinos und des Filmemachens beschreibt, wie hetero es auch sonst sein mag.

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