Kritik zu Im Sommer wohnt er unten

© Kinostar

2015
Original-Titel: 
Im Sommer wohnt er unten
Filmstart in Deutschland: 
29.10.2015
L: 
100 Min
FSK: 
12

In seinem Langspielfilmdebüt lässt Regisseur und Schauspieler Tom Sommerlatte zwei ungleiche Brüder und deren Frauen in einem französischen Ferienhaus auf­einandertreffen

Bewertung: 3
Leserbewertung
4
4 (Stimmen: 1)

Was in Beziehungskomödien das Haus, ist in Urlaubskomödien der Pool. Wo in Ersteren die Handlung gerne im Rhythmus eines Tür auf, Tür zu getaktet ist, wird in den Ferien das Wesentliche im und am Pool verhandelt. Mal springt einer rein, mal wird einer aus Lust oder Frust hineingeworfen. Man plätschert, flirtet und versinkt, stellt sich zur Schau. Abends wird am Poolrand Rotwein getrunken und gekifft. Wesentlich sind hübsche Frauen im Bikini; die Männer brauchen nicht ganz so wohlgestaltet sein.

Diesem einfachen Bauprinzip gehorcht auch dieser amüsante Debütfilm. Es ist ein unprätentiöses Ferienhaus an der französischen Atlantikküste, das so aussieht, als habe die deutsche Familie, der es gehört, viele glückliche Sommerferien dort verbracht. Die beiden erwachsenen Söhne sprechen ihre Aufenthalte wechselseitig ab. Nun aber reisen David und Ehefrau Lena eine Woche früher als geplant an. Sie treffen also auf Matthias, der in dem Haus mit Freundin Camille und deren Sohn lebt. Matthias muss sofort sein Zimmer räumen, handelt es sich doch um Davids angestammtes Zimmer. Und er soll Camilles Kind wegbringen, denn David möchte nicht von Kinderlärm gestört werden. Er will mit Lena entspannen – und ihr, der Eisprung naht, endlich ein Kind machen.

Es ist eine vielversprechende Versuchsanordnung: hier der taffe Banker und Kontrollfreak, dort der weichliche Loser und Zauderer, der immer noch von den Eltern ausgehalten wird. Matthias lässt sich mit hängendem Kopf von seinem Bruder herumkommandieren. Das erbost Camille, die, von Anfang an auf Krawall gebürstet, David auf Englisch und Französisch anzickt. Will sie ihn vergraulen? Oder ist sie doch nur eine, die links blinkt und rechts fährt – die sich, ihres luschigen Lovers müde, den scheinbar wohlhabenden Macker David angeln will? Und wann ergreift Lena, das etwas treudoofe Heimchen, endlich die Initiative? Dass ­Alphatier David stürzen und Matthias aufsteigen muss, ist sowieso klar.

So spielen sich in der Kampfzone Pool Minidramen ab, die trotz Vorhersehbarkeit leichtfüßig und subtil inszeniert sind und in denen die Figuren nie an den Klamauk verraten werden. Dennoch bleibt die Handlung oft stecken und entwickelt sich selten über das Erwartbare hinaus. Die Charaktere dürfen sich nicht von Klischees freischwimmen und beginnen nur selten zu schillern.

So »französisch«, wie diese bittersüße Bruder-Tragikomödie vielleicht gern wäre, ist sie trotz Blümchentapeten und ständigen Kochens und Essens leider nicht. Eingedenk französischer Sommerfilme wie »Der Swimmingpool« oder zuletzt etwa »Kleine wahre Lügen« wirkt der Beziehungsreigen etwas ungelenk. So ist dem Filmemacher zum Beispiel entgangen, dass die positiv aufgeladene Camille, die ihren Matthias herumkommandiert, irgendwie auch eine weibliche Ausgabe von David ist, der von Anfang an zum Buhmann auserkoren ist. Vielleicht ist es doch vor allem das »Cherchez la femme«, der Mangel an ausgearbeiteten Frauenfiguren, der diesen Film ein wenig blass aussehen lässt.

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