Kritik zu I, Frankenstein

© Sony

2014
Original-Titel: 
I, Frankenstein
Filmstart in Deutschland: 
23.01.2014
K: 
L: 
93 Min
FSK: 
12

Nach Vampiren, Werwölfen, Dämonen und Hexen wird nun in diesem Action-Fantasyfilm Frankensteins Monster neu entdeckt – mit Aaron Eckhart in der weniger ­erschreckenden als entrückenden Titelrolle

Bewertung: 1
Leserbewertung
2.666665
2.7 (Stimmen: 3)

In Mary Shelleys »Frankenstein«-Roman ist die Kreatur, um die es geht, so attraktiv wie ein Schrumpfkopf. Aaron Eckhart dagegen sieht selbst mit aufgeschminkten Nähten gut aus. Und wenn die naive Biologin Elizabeth, die hier im technischen Sinne die eigentliche Verkörperung eines Dr. Frankenstein ist, seinem kernigen Body näherkommt, schaut sie nicht geschockt, sondern entrückt. Das muss auch so sein, denn wir befinden uns nicht im Arthouse-Kino à la Der Elefantenmensch, sondern in der Popcorn-Abteilung von Fluch der Karibik, jener Serie, bei der Regisseur Stuart Beattie am Drehbuch beteiligt war. Doch in seinem »Frankenstein«-Spin-off nach der »Graphic Novel« von Kevin Grevioux bleiben von dem unkaputtbaren Ur-Unhold kaum mehr als die irreführende Bezeichnung und die übermenschlichen Kräfte übrig.

Im Wiederauferstehungsboom des Fantasygenres war es nur eine Frage der Zeit, bis das schon zur Kinofrühzeit gepeinigte, aus Leichenteilen und mit Elektriktrick zusammengeflickte Monster recycelt würde. Doch die achtlose Behandlung des Horrorklassikers ist bestürzend. Denn in der vorhersehbaren Dressur der Kreatur zum zivilen Mannsbild gibt es zwei Knackpunkte: Erstens muss die Namensverschiebung vom Schöpfer des Mons­ters auf sein Geschöpf selbst begründet werden; zweitens gibt es da noch diese dumme Geschichte in der Vergangenheit, den Mord an Dr. Frankensteins Frau. Beides wird jedoch weitgehend ignoriert. Frankensteins seelenloses Monster dient nur als Vorwand für ein besonders aufwendiges, besonders seelenloses Gothic-Fantasy-Gedöns. Im Malen-nach-Zahlen-Prinzip des Drehbuchs wird das superstarke Wesen mitsamt dem Notizbuch seines Schöpfers zum Objekt der Begierde eines Dämonenclans, der eine neue Kriegerrasse klonen will. Chefdämon ist der unverwüstliche Bill Nighy, der schon in Underworld als sardonischer Oberfiesling gute Dienste leistete und sich allmählich zum Christopher-Lee-Nachfolger mausert. Das Team der Guten besteht aus Gargoyles, und das ist wenigstens mal was Neues. Im Deutschen der Fachterminus für die von fantasievollen Steinmetzen geschaffenen gruseligen Wasserspeierfiguren gotischer Kathedralen, ist das Wort vielleicht zu ungewohnt, um sich durchzusetzen. Jedenfalls haben die steinernen Kathedralenwächter einen direkten Draht zum Himmel und verwandeln sich im Alarmfall in geflügelte Krieger. Ihr Boss – Miranda Otto in ihrem aus Herr der Ringe gewohnten Madonnen-Outfit – hält eine schützende Hand über das Monster.

Dem Treiben gehen leider jene Spuren von Charme, Humor oder Melancholie ab, die ähnlichen Mummenschanz wie Underworld noch halbwegs genießbar machten. Die Darsteller sagen nach dem Motto »Da muss ich durch« ihre Zeilen auf. Mit dem weitgehenden Ausklammern der menschlichen Parallelwelt, zu deren Schutz das bombastische 3D-Geflatter rund um die Kathedrale schließlich veranstaltet wird, fehlt auch ein spannendes Motiv. Selbst der Ausgleich für inhaltlichen Stuss, eine ambitionierte Ästhetik, kommt in der nächtlich-diffusen Kulisse zu kurz. Sollte dieser Fantasyflop aber dem Genre den längst fälligen Todesstoß versetzen, dann wäre zumindest etwas geglückt.

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