Kritik zu Hagazussa – Der Hexenfluch

© Forgotten Film Entertainment

2017
Original-Titel: 
Hagazussa – A Heathen's Curse
Filmstart in Deutschland: 
17.05.2018
Musik: 
L: 
102 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Eine düstere Stimmung liegt über allem: Der österreichische Regisseur Lukas Feigelfeld erzählt in seinem an der Berliner dffb entstandenen Abschlussfilm eine seltsame Familien­geschichte über zwei Generationen

Bewertung: 4
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

Die Alpen und überhaupt die Berge sind ja im deutschen Film eigentlich beflecktes Terrain, archaische Landschaft, Blut-und-Boden-Gegend, benutzt im NS-Film, ausgeplündert im Kino der Nachkriegszeit. Das ist das Land, wo die Geierwally lebt. Es ist mutig, dass sich heute wieder junge Filmemacher für die Gegend begeistern, wie etwa vor ein paar Jahren Philipp J. Palmer mit seinem »Bergblut«.

Nun ist aber »Hagazussa«, der beim diesjährigen Filmfestival Max Ophüls Preis für Aufsehen sorgte und schon eine lange Festivalrunde hinter sich hat, beileibe kein reiner Heimatfilm, sondern ein Mix, stilsicher angereichert mit Horror und Fantasy, der sich langsam entwickelt und mit faszinierenden, magischen Bildern seine Geschichte von Selbstständigkeit und Ausgestoßensein erzählt. Womit er dann doch etwas mit der Geierwally zu tun hat.

Im 15. Jahrhundert leben in einer abgeschiedenen Gegend das Mädchen Albrun und ihre Mutter als Ziegenhirtinnen in einer Berghütte. Hexen (»Hagazussa« bedeutet Hexe auf Althochdeutsch) sollen sie sein, werden von den Leuten gemieden. Die Mutter stirbt in der Einsamkeit der Bergwelt möglicherweise an der Pest, in der kleinen Kate, und dem österreichischen Regisseur Lukas Feigelfeld, der »Hagazussa« als Abschlussfilm an der Berliner Filmhochschule dffb realisiert hat, gelingt es, die Enge dieser Hütte regelrecht physisch spürbar zu machen. Wie überhaupt der ganze Film von Beginn an eine düstere Stimmung einführt, einen irgendwie paranoiden Grundton.

20 Jahre später wohnt Albrun (Aleksandra Cwen) immer noch in der Hütte. Jetzt ist sie Mutter – woher allerdings ihre Tochter kommt, lässt der Film offen. Einen Mann dazu gibt es jedenfalls nicht. Immer noch lebt sie als Ausgestoßene, sucht allerdings den Kontakt zur Nachbarin, die ihr freundlich begegnet, sie dann aber einer Vergewaltigung preisgibt. Und die anderen sagen, dass niemand die Milch ihrer Ziegen wolle, weil sie eine Hexe sei. Albrun bleibt auf sich allein gestellt, spürt so etwas wie eine dunkle Macht in sich. Sind es Einbildungen und Fantasien? Ein Fluch, der auf ihr lastet? Ist es Paranoia? Oder sind es doch Dämonen, die sie heimsuchen? Oder nimmt sie einfach die Rolle an, die die patriarchale Gesellschaft ihr zuweist?

Feigelfeld jedenfalls liefert keine Erklärungen, »Hagazussa« ist kein vielwortiges Psychodrama, die Handlung und die Dialoge gehen auf ein paar Blatt Papier. Aber der Regisseur zieht alle Register des Unheimlichen, von den Tierlauten des Waldes über die bedrohliche Musik (vom griechischen Avantgarde-Trio MMMD) bis hin zu den dunklen Ansichten des Waldes. Und so sehr der Film auch in drastischen Bildern, gerade von toten Tieren, schwelgt, so besitzt er doch auch eine – Schönheit. Ein erstaunliches Debüt.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns