Kritik zu Freddy/Eddy

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Die Geschichte mit dem bösen Zwilling: Tini Tüllmann variiert mit ihrem Film ein aus vielen Filmen vertrautes Thema mit einem wegen häuslicher Gewalt verurteilten Künstler im Zentrum

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Wer bei »Fight Club« hauptsächlich an Boxsport denkt und Jekyll und Hyde für englische Fußballspieler hält, den mag die Doppelgängerprämisse im Spielfilmdebüt der Regisseurin Tini Tüllmann vielleicht begeistern. Alle anderen dürften bei diesem innovationsarmen Neuaufguss einer allein schon im Kino Hunderte Male verwerteten Erzählidee schnell ermüden. Tüllmanns erstaunlich hochkarätig besetzter Psychothriller lässt in seiner ersten Hälfte kein einziges Klischee des Schizophrenie-Dramas aus – tut aber gleichzeitig so, als hätte er mit seiner (möglicherweise) persönlichkeitsgespaltenen Hauptfigur einen einzigartig cleveren Einfall gehabt. Dabei ist das Thema im Nachhall des eingangs erwähnten »Fight Club« und besonders in etwa den letzten drei Jahren ausführlich in allerlei Variationen filmisch behandelt worden: Der Publikumserfolg »Split« sowie die deutsche Produktion »Stereo« sollen hier als Beispiele genügen. Vielleicht versucht sich »Freddy/Eddy« darum am Ende um einen obligatorischen Plot-Twist, der das arg löchrige Drehbuch aber auch nicht zu retten vermag.

Dem Maler Freddy (Newcomer Felix Schäfer) wird vorgeworfen, seine untreue Freundin und deren Liebhaber brutal verprügelt zu haben; er behauptet, sein exakter Doppelgänger und Zwilling, Eddy, der ihn angeblich schon seit seiner Jugend sporadisch immer wieder begleitet, soll die Tat begangen haben. Da ihm niemand glaubt, wird ihm das Sorgerecht für seinen Sohn entzogen und sein Leben fällt langsam in sich zusammen. Das wissen wir schon darum, weil er gleich zu Anfang eine Handvoll Pillen mit Bier herunterspült – in schlechten Filmen immer eines der Zeichen für geistig-moralischen Verfall. Als ihn dann noch eine Nachbarin beschimpft, sein Psychiater (Burghart Klaußner) ihn nicht versteht und eine Galeristin seine Bilder nicht mehr ausstellen will, wird klar: Es steht übel um Freddy. Nur die gelegentlichen Flirts mit der neuen Nachbarin (Jessica Schwarz) geben ihm noch Hoffnung. Da taucht plötzlich wieder Eddy auf und nimmt sich der Probleme an, denen der schwache Freddy hilflos ausgeliefert zu sein scheint...

Einmal abgesehen von der technisch versierten Inszenierung der zentralen Doppelrolle lässt sich an »Freddy/Eddy« kaum ein gelungener Teilaspekt finden; wo andere Filme mit ähnlicher Thematik zumindest Spaß darin finden, die abgründigen Exzesse der »bösen Hälfte« der Hauptfigur auszumalen, fallen selbst diese hier ausgesprochen bieder aus: »Eddy« haut einem Unsympathen in der Kneipe auf die Nase, verführt eine von Freddys Verflossenen und macht der Teenagertochter der Nachbarin unziemliche Avancen. In seinem finalen Drittel versucht der Film, Spannung aus der Frage zu beziehen, ob der eingebildete Zwilling vielleicht doch realer ist als gedacht. Aber zu diesem Zeitpunkt hat einen der Film bereits verloren und der verschleppte Showdown zieht unspektakulär vorüber. Am meisten in Erinnerung bleibt schließlich vor allem Robert Stadlobers bizarres Cameo als »Krishna«, dem esoterisch angehauchten neuen Freund von Freddys Ex.

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