Kritik zu Dreiviertelmond

© Majestic

2011
Original-Titel: 
Dreiviertelmond
Filmstart in Deutschland: 
13.10.2011
Musik: 
L: 
94 Min
FSK: 
6

Grumpy old man: Im neuen Film von Christian Zübert spielt Elmar Wepper einen spießigen Taxifahrer, der durch die Begegnung mit einem türkischen Mädchen die Chance erhält, sich in einen liebenswerten Menschen zu verwandeln

Bewertung: 2
Leserbewertung
2
2 (Stimmen: 1)

Regisseur Christian Zübert (Lammbock, Der Schatz der weissen Falken) hat eine hübsche Idee, die mit dem komödiantischen Urgestein Elmar Wepper in der Hauptrolle eigentlich prächtig funktioniere sollte: Engstirniger alter Mann wird widerwillig zum Betreuer eines Mädchens, das ihn zur Liebenswürdigkeit bekehrt. Der mürrische, an der Grenze zum Rentenalter befindliche Mann heißt Hartmut Mackowiak und ist Taxifahrer in Nürnberg. Die sechsjährige Hayat ist Türkin und Tochter einer alleinerziehenden Mutter die das Kind zur Großmutter in die unterfränkische Stadt bringt.

Bei der Fahrt vom Flughafen zur Großmutter landen die beiden im Taxi von Hartmut, der sogleich einige Kostproben seiner ressentimentgeladenen Schroffheit zum Besten gibt und betont, dass Gastfreundlichkeit keineswegs zu seinen Tugenden zählt. Er ist kein Rassist, sondern ein kleinbürgerlich- provinzieller Grantler. Eine Laune des Schicksals verwickelt die Dinge so, dass Hayats Mutter beruflich verreist, die Großmutter mit Herzinfarkt in der Klinik eingeliefert wird und Hartmut die Kleine äußerst widerstrebend unter seine Obhut nehmen muss. Das ungleiche Duo hat sich gefunden und nun könnte es losgehen mit Hartmuts Umerziehungsprozess Aber die Sache will nicht so recht in Fahrt kommen.

Das Gegenüber von Verknöcherung und Kindernaivität ist eine Konstellation, die das Kino in vielfältigen Varianten – exemplarisch in Claude Berris Der alte Mann und das Kind – durchgespielt hat. Es enthält mächtiges Potenzial an Sentiment, Witz und Möglichkeiten zur Erforschung sozialer Charaktere. Ein Potenzial, das Zübert nur ansatzweise auszuschöpfen weiß. Ihm gelingt die erhoffte pointenreiche Chemie von Widerspenstigkeit und Annäherung zwischen Hartmut und Hayat nur in seltenen Momenten – obwohl die Figur des Mädchens ohne rührselige Klischees gezeichnet und von Mercan Türkoglu mit bestrickendem Charme ausgestattet wird.

Schon bei der allerersten Taxifahrt schleicht sich die Empfindung ein, dass Elmar Wepper für diese Hartmut-Figur nicht richtig passt. Die fränkische Dialektfärbung bereitet ihm größte Schwierigkeiten, immer wieder fällt er ins Bayrische. Gravierender wiegt die typologische Unpässlichkeit. Wepper bringt eine münchnerische Lässigkeit mit, die er immer wieder mühsam unterdrücken muss, um einen richtig engstirnig-kleinkarierten Charakter lustlos darzubieten. Zübert hätte besser daran getan, diese wohl giftiger intendierte Figur mit Frank-Markus Barwasser (als Pelzig der Urtyp des fränkischen Kleinbürgers mit Cord-Hütchen und Herrenhandtasche) zu besetzen, oder sie für den liebenswerteren Wepper umzudenken.

Hartmuts Grantigkeit hat noch einen aktuellen Grund: Seine Frau (Katja Rupé) will sich nach 30 Ehejahren von ihm trennen. Auch bei der Zeichnung dieser Ehekrise bleibt es bei Andeutungen, ohne Blick ins Innenleben, ohne zwingende Dramaturgie. Auch hier hangelt sich die Erzählung von einem bemühten Einfall zum nächsten und so ergibt sich insgesamt der Eindruck einer merkwürdigen Mischung aus Halbherzigkeit, Hilflosigkeit und bemühtem Fernsehspiel.

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