Kritik zu Die zwei Gesichter des Januars

Trailer englisch © Studiocanal

Hossein Amini, der Drehbuchautor von Drive, verfilmt in seinem Regiedebüt einen Krimi von Patricia Highsmith

Bewertung: 3
Leserbewertung
2.8
2.8 (Stimmen: 5)

Man nehme drei elegante Amerikaner – zwei Männer und eine blonde Frau – und platziere sie an einer mediterranen Küste. Zwingend ist auch die Zeit der frühen Sechziger, in der Tourismus noch kein Massenvergnügen war und gebügelte Anzüge, Perlenketten und Hüte ebenso zur Grundausstattung gehören wie das latente Unbehagen, das die Fremden ausstrahlen. Ganz bei sich sind nur die Einheimischen, die einen pittoresken Rahmen für die Konflikte der Reisenden abgeben.

Selbst wer nicht weiß, dass die Vorlage dieses Krimidramas von Patricia Highsmith stammt, kann die fatale Begegnung eines jungen Amerikaners mit zwei Landsleuten in Athen, die scheinbar Urlaub machen, von den ersten Minuten an bei Highsmith oder Hitchcock verorten. Das Regiedebüt von Drehbuchautor Hossein Amini, der unter anderem an dem stilbewussten Thriller Drive mitarbeitete, kommt mit seiner abgründigen, dem Film noir nachempfundenen Atmosphäre recht ambitioniert daher. Wenn der charmante Stadtführer Rydal (Oscar Isaac), der sich vor der Kulisse der Akropolis von Touristinnen anschwärmen lässt, aus dem Augenwinkel ein attraktives amerikanisches Paar (Viggo Mortensen und Kirsten Dunst) wahrnimmt, wird man schnell in den Sog eines Psychodramas gezogen. Der Mann erinnert Rydal an seinen eigenen Vater; vor allem aber gefällt ihm dessen Frau. Diese ödipal gefärbte Anziehung wird zum roten Faden eines Krimiplots: Rydal wird zufällig zum Mitwisser eines vermeintlichen Mordes, soll dem Paar falsche Papiere beschaffen und schlägt sich mit den beiden, auf der Flucht vor der Polizei, quer durch Kreta. Leider können die Charaktere diese ambivalente Anziehung nicht auf Dauer beglaubigen.

Schon Highsmiths 1964 veröffentlichter Roman gilt als einer ihrer schwächeren. Deshalb veränderte Hossein, der auch das Drehbuch schrieb, die Figuren. Chester ist nun ein charismatischerer Typ »mit einem Hauch von Gatsby«, so der Regisseur. Doch Viggo Mortensen wirkt mit seinem Raubtierlächeln und der latenten Aggressivität keineswegs wie ein lässiger Lebemann. Dass mit diesem Investmentbanker etwas faul ist, spürt man sofort. Das sollte auch der smarte Studienabbrecher Rydal merken, der die Nonchalance eines Erben einer Ostküstendynastie besitzt und zugleich – entgegen dem Roman – ein wendiger Betrüger ist. Oscar Isaac, der als »Llewyn Davis« einen Karrieresprung vollzog, beeindruckt erneut, obwohl er als Rydal den undankbaren Auftrag hat, viel zu lang auf der Leitung zu stehen. Und auch die Passivität und Ignoranz von Colette, die Kirsten Dunst, anders als im Roman, nicht als unterbelichtete Sexbombe, sondern als Klassefrau verkörpert, ist wenig glaubhaft. Am Ende ist diese klassisch angelegte Romanverfilmung vor allem wegen der blassen Frauenfigur eben doch mehr Ausstattungskino als packendes Psychodrama. Virtuos fotografiert, mit nostalgischen Schauwerten und Kostümen, untermalt von einem prickelnden Soundtrack von Alberto Iglesias – und doch weniger als die Summe seiner Teile.

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