Kritik zu Die Grundschullehrerin

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Ein anstrengender und lohnender Beruf? Mit Sarah Forestier in der Titelrolle erzählt Hélène Angel in ihrem Film von Schule und Erziehung als persönliche Herausforderung

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Das Leben von Florence Mautret, Mitte Dreißig und Grundschullehrerin aus Überzeugung, läuft gerade aus dem Ruder. Dabei hat sie es in ihrem Beruf ohnehin nicht leicht: Tagtäglich muss ein Sack voller Flöhe gehütet, muss Aufmerksamkeit gewonnen und gebündelt werden, und darüber hinaus soll sie ihren Schutzbefohlenen dann auch noch etwas beibringen, das sich später in deren Leben als nützlich erweisen wird – Lesen und Schreiben zum Beispiel.

Die Aufregung aber endet nicht mit dem nachmittäglichen Klingelzeichen. Florences zehnjähriger Sohn Denis – der zu ihren Schülern zählt und sich von der Gleichbehandlung zurückgesetzt fühlt – träumt seit Neuestem lautstark davon, gemeinsam mit seinem getrennt lebenden Vater nach Java zu gehen, wo dieser Häuser bauen will. Java?! Das ist sehr weit weg von Grenoble und kommt natürlich gar nicht erst in die Tüte! Im Klassenzimmer wiederum setzt sich der Ärger fort, als der von seiner Mutter vernachlässigte Sacha zunächst für reichlich Unruhe und dann für überraschend heftige Aggressionen sorgt. Eine alternative Betreuungsperson muss herbeigerufen werden und der daraufhin erscheinende Motorradkurier Mathieu mag zwar zunächst wie ein etwas verantwortungsloser Luftikus wirken, doch seine Wohlgestalt erregt Florences Aufmerksamkeit. Ach, ein Mann wäre doch auch einmal wieder eine ganz schöne Abwechslung!

Wir lernen Florence Mautret, die Titelheldin (eine Bezeichnung, die hier wunderbar passt) von Hélène Angels quirlig lebendigem »Die Grundschullehrerin«, bei der Arbeit kennen – und fragen uns bald, ob es etwas anderes als Arbeit in ihrem Leben überhaupt noch gibt. Zumal sie auch noch eine Einliegerwohnung im Schulhaus bewohnt und der Direktor ihr befreundeter Nachbar ist. Also geht es treppauf und treppab und von der einen Bredouille in das nächste Schlamassel, und alles vor dem Hintergrund des permanenten Gewusels und dauernden Gelärmes zahlloser Grundschulkinder mit unterschiedlichen Handicaps. Wer sich das jetzt anstrengend vorstellt, irrt nicht.

Und doch ist »Die Grundschullehrerin« ein überaus konzentrierter und dichter Film, der ebenso Einblicke in den schulischen Alltag bietet wie in die Prämissen und Ziele der angebotenen Erziehung. In diesem Kontext weisen die Einzelereignisse der Handlung über sich hinaus und zielen ins Allgemeine, wird das Geschehen zum Spiegel der gesellschaftlichen Verfasstheit – ohne jedoch, und das erfreut an einem Film eines solchen Themas natürlich besonders, oberlehrerhaft aufzutrumpfen. Was zum einen daran liegt, dass die Kinderdarsteller mit ihrer Unbekümmertheit einerseits und ihrer Kamerascheu andererseits viel zur authentischen Anmutung des Ambientes beitragen. Und zum anderen ist da Sarah Forestier in der Rolle der Lehrerin, die ihre feinnervige Grundkonstitution mit Zähigkeit und Kraft paart und permanente Überforderung mit eisernem Willen kontert. Auf diese Weise vermittelt sie ein glaubwürdiges Bild von einem der anstrengendsten und lohnendsten Berufe, die sich denken lassen.

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