Kritik zu Cuban Fury - Echte Männer tanzen

© Studiocanal

2014
Original-Titel: 
Cuban Fury
Filmstart in Deutschland: 
19.06.2014
B: 
K: 
A: 
L: 
98 Min
FSK: 
6

Nick Frost, als bester Kumpel von Simon Pegg in den Komödien Hot Fuzz und Shaun of the Dead bekannt geworden, gibt in diesem Soloauftritt den verklemmten Angestellten, der seinen inneren Tanzbären herauslässt

Bewertung: 4
Leserbewertung
2.5
2.5 (Stimmen: 2)

Tanzfilme mit attraktiven Typen, die sich auf die Bühne drängen und in akrobatischen Verrenkungen gegeneinander antreten, gibt es wie Sand am Meer. Doch Männer, die erst sich und die Vorurteile ihrer Umgebung überwinden müssen, um ihrer heimlichen Tanzleidenschaft zu frönen, kommen im Kino erstaunlich selten vor; gerühmte Ausnahmen wie Billy Elliot bestätigen die Regel. Cuban Fury demonstriert plastisch die Hemmschwellen: Es geht nicht nur darum, ungelenke Menschen in elegante Bewegung zu versetzen, sondern auch darum, dass sich schluffige Stubenhocker wie sonst nur Frauen »schön« machen müssen. Dieses gern als weibisch und schwul empfundene Herausputzen wird zur Provokation, wie auch der 13-jährige Salsastar Bruce erfahren muss. Bruce wird vor einem Tanzwettbewerb gedemütigt und zusammengeschlagen und hängt die Tanzschuhe an den Nagel. 25 Jahre nach dieser traumatischen Erfahrung ist er ein schüchterner, etwas nerdiger Maschinenbauingenieur, der aus Angst vor einem neuen Fauxpas nur ja nicht auffallen will. Als er sich aber in seine schöne neue Chefin Julia verliebt, die sich als begeisterte Salsatänzerin entpuppt, wird der Trauerkloß aus der Deckung gelockt. Doch von seinem grantigen alten Tanzlehrer, bei dem er wieder Unterricht nehmen will, bekommt er erst einmal einen Dämpfer.

Nun ist Nick Frost weder in ausgebeulten Shorts noch im paillettenbesetzten Tanzdress ein Adonis. In seinen bisherigen Komödien wie der großartigen »Cornetto-Trilogie« Hot Fuzz, Shaun of the Dead und The World’s End trat der kleine Moppel als der unattraktivere Kumpel von Simon Pegg auf. Auch in seinem Solo-Coming-out als Tanzbär (Simon Pegg hat nur einen Miniauftritt) mutiert er nicht vom Frosch zum Märchenprinzen. Doch wenn er wie ein wabbeliger Brummkreisel zu rotieren beginnt, ist das trotzdem hinreißend.

Ähnlich wie in Ganz oder gar nicht trifft die Komik mitten ins Herz, weil Regisseur James Griffiths meist nah an der Realität, dem Büroalltag und den Peinlichkeiten im gesellschaftlichen Umgang bleibt. Der Humor geht meist von den Figuren aus, nicht von gedrechselten Slapstickszenen. Gekonnt prallt britische Zurückgenommenheit, untermalt von beredter Selbstironie, auf das geforderte »fare bella figura« beim Salsatanzen. Nick Frost als liebenswert-charmantes Heimchen, das unter Schmerzen die alten Dämonen überwindet, bekommt mit Kayvan Novak als exaltiertem, in blumigen Sprüchen schwelgendem Tänzer Bejan einen unerwarteten Helfer. Chris O’Dowd gibt den Bürohengst und mobbenden Rivalen Drew, dessen bildhafte Zoten einen Hauch von Wahnsinn transportieren. Zwischendurch leistet sich die Komödie noch ein leicht surreales Tanzduell im Step up-Stil im Parkhaus. Nicht immer funktioniert diese sorglose Mischung, und schon optisch ist die Komödie weit von Tanzshows à la Mambo King entfernt – zumal aus Nick Frost, trotz monatelangen Tanzunterrichtes, kein vor Erotik knisternder dirty dancer geworden ist. Das Prädikat »herzig« hat sich diese Komödie aber allemal verdient.

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