Kritik zu Corridor

© Barnsteiner

Der zurückgezogen lebende Student und die neugierige neue Nachbarin, das könnte den Stoff für eine romantische Komödie ergeben. Im schwedischen Thriller werden daraus Alpträume

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Medizinstudent Frank steht kurz vor wichtigen Examensprüfungen, seine Abende verbringt er in seiner Wohnung über seinen Büchern. Entsprechend unwillig reagiert er auf die junge Frau, die gerade in die Wohnung über der seinen eingezogen ist. Zuerst fordert Lotte seine Hilfe dabei, einen Tisch die Treppe hinaufzutragen, am Abend klingelt sie an seiner Tür mit der Bitte um Waschpulver. Dabei steckt sie gleich die Nase in sein Buch und fragt ihn, was er studiere.

Von Lärm aufgescheucht, sieht Frank Lotte in der Nacht von seinem Fenster aus mit einem Motorradfahrer und wird anschließend Ohrenzeuge, wie die beiden in Lottes Wohnung Sex haben. Dabei scheint Lottes Freund Micke ein jähzorniger Charakter zu sein. Ihr sekommen brutal zusammengeschlagen, bedrohliche Anrufe folgen. Lotte verarztet ihn zwar und bleibt die Nacht über in seiner Wohnung, aber als Frank in der nächsten Nacht oben eine lautstarke Auseinandersetzung hört und Lotte weinend vor seiner Tür steht, verkriecht er sich lieber in seinem Bad und hält sich die Ohren zu, anstatt ihr zu öffnen. Dafür straft Lotte ihn mit Nichtbeachtung, als sie sich am nächsten Tag im Waschkeller begegnen, wo er die blauen Flecken auf ihrem Rücken wahrnimmt.

In panische Angst versetzt, wenn er seine Wohnung verlassen muss, beobachtet Frank das Geschehen um ihn herum mehr und mehr durch seinen Türspion. Nicht nur sieht er dabei Micke mit einem großen Hammer in der Hand die Treppe hinaufkommen, auch die anderen Bewohner des Mietshauses erscheinen ihm zunehmend als bedrohlich. Und dann folgt dem Lärm oben absolute Stille, und Lotte ist nie wieder zu sehen oder zu hören – sollte Micke ihr etwas angetan haben?

Der Debütfilm Corridor ist ein klaustrophobisches Kammerspiel, das mit wenigen Schauplätzen und wenigen Personen auskommt und dabei einen Sog entfaltet, bei dem die Schraube der Bedrohung langsam, aber stetig angezogen wird, bis hin zum (nicht ganz) überraschenden, aber bitteren Ende, das im Kontrast zur heimeligen Vorweihnachtszeit steht, in der die Geschichte angesiedelt ist. Dadurch, dass Frank von vornherein als eigenbrötlerischer Einzelgänger charakterisiert wird, bleibt stets eine gewisse Distanz des Zuschauers zum Protagonisten des Films, das unterscheidet ihn von den – durchaus nicht verleugneten – Vorbildern Hitchcock, De Palma und Polanski

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