Kritik zu Boy A

© Wild Bunch

2007
Original-Titel: 
Boy A
Filmstart in Deutschland: 
07.05.2009
K: 
Musik: 
L: 
100 Min
FSK: 
12

Er hat als Kind ein schweres Verbrechen begangen, nun will er ein neues Leben beginnen: Der irische Theater-, Fernseh- und Filmregisseur John Crowley hat den preisgekrönten Roman von Jonathan Trigell verfilmt

Bewertung: 4
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Vierzehn Jahre hat Eric im Gefängnis verbracht, jetzt, mit 24 Jahren, ist er wieder draußen, hat einen neuen Namen, Jack, und eine neue Identität. Die soll ihm die Wiedereingliederung in die Gesellschaft ermöglichen. Ein Apartment in Manchester und der Job bei einer Transportfirma sind die ersten Schritte, Unterstützung findet Jack bei seinem Bewährungshelfer Terry. Alles scheint gut zu gehen, selbst wenn sein Chef gegenüber Jacks Kollegen »versehentlich« erwähnt, dass Jack im Gefängnis war. Aber sein Kollege Chris erweist sich als umgänglich, er und Jack freunden sich an. Und schließlich ist da noch Michelle, die als Sekretärin in derselben Firma arbeitet und gegenüber Jack die Initiative ergreift – eine Romanze beginnt, so dass Jack schließlich erwägt, sich ihr zu offenbaren.

Nie dürfe er jemandem sagen, was er getan habe, schärft ihm dagegen Terry ein – in dieser Gesellschaft könne er nicht mit Verständnis rechnen. Schon bevor er das sagt, ahnt der Zuschauer, dass Jacks Geheimnis kein Geheimnis bleiben wird. Wie ein Damoklesschwert hängt der mehrfach ins Bild gerückte Bericht eines Revolverblattes über ihm. Das berichtet auf einer Doppelseite von der Haftentlassung von »Boy A«. Boy A und Boy B wurden die Angeklagten damals im Prozess genannt, um ihre Identität geheim zu halten. Das Wort »Evil« springt in der Überschrift in die Augen, es ist dieselbe Vokabel, die auch der Vertreter der Anklage in seinem Schlussplädoyer für die beiden Jungen verwendet, um sich anschließend für die Höchststrafe auszusprechen. Diese Szene kommt erst sehr spät im Film, der in immer wieder eingeschobenen kurzen Rückblenden ein Stück weit Jacks Vergangenheit enthüllt. Auch in wiederkehrenden Alpträumen ist Jacks Vergangenheit stets präsent. So wird sein Wunsch, Michelle zu beichten, verständlich.

Was Jacks Verbrechen war, weiß der Zuschauer lange Zeit nicht (auch wenn die Höhe der Strafe darauf schließen lässt, dass es etwas Schwerwiegendes gewesen sein muss), so registriert er den Kontrast zwischen den Rückblenden und dem jungen Mann in der Gegenwart, der offenbar bemüht ist, einen neuen Anfang zu machen. Selbst ein nächtlicher Streit mit Angetrunkenen, bei dem Jack seinem Kollegen Chris zu Hilfe kommt, und der zeigt, dass Jack noch immer bereit ist, Gewalt als ein Mittel der Auseinandersetzung zu praktizieren, lassen kaum Zweifel an seinen guten Absichten aufkommen. So wird der Zuschauer gedrängt, aus seinen Beobachtungen selber eine Schlussfolgerung zu ziehen. Wenn Jack und Chris bei einer ihren Botentouren einmal ein kleines Mädchen aus einem Unfallfahrzeug retten, dann ist das wie ein weiteres Angebot an den Zuschauer: Gibt es eine Wiedergutmachung, vielleicht sogar eine Erlösung? Die Schlussszene des Films nimmt das wieder auf, wenn Jack, von der Yellow Press enttarnt und aus seinem Job gefeuert, mit dem Zug aus Manchester flieht und am südlichsten Ende Englands in Brighton auf dem Pier spaziert – Freiheit im Angesicht des Meeres und des weiten Horizonts. Aber wenn ihm dort auch noch Michelle begegnet, ahnt der Zuschauer, dass das nur in seiner Imagination stattfindet. Die Gesellschaft hat seine Resozialisierung unmöglich gemacht.

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