Kritik zu Best Exotic Marigold Hotel 2

© 20th Century Fox

2015
Original-Titel: 
The Second Best Exotic Marigold Hotel
Filmstart in Deutschland: 
02.04.2015
B: 
Musik: 
L: 
122 Min
FSK: 
keine Beschränkung

John Maddens eingängiger Genre-Hybrid aus Seniorenfilm, Hoteldrama, Bollywood-Musical und Indien-Melo geht in die zweite Runde: mit Richard Gere als Stargast, der alle Emotionen durcheinanderwirbelt

Bewertung: 3
Leserbewertung
3
3 (Stimmen: 1)

Die märchenhaft-melancholische Arbeits- und Lebensgemeinschaft aus alten, oftmals frustrierten Engländern und jungen, erfolgshungrigen Indern hat sich durchaus etabliert. Aber es darf natürlich keinen Stillstand geben im Seniorenhotel Marigold, jenem Ort, der zwischen alter britischer Ordnung und ewigem indischen Chaos oszilliert. Dann bliebe nämlich für die Alten aus good old Europe wohl nur der Tod und für die Jungen aus dem Schwellenland der ökonomische Ruin. The show must go on, auch im Alter. So hat also John Madden ein Sequel gedreht, in dem das Marigold, dieses kleine globale Do-it-yourself-Paradies, das schnell zu einem Topos des Mainstream-Kinos geworden ist, unbedingt expandieren muss.

Der junge indische Hoteldirektor Sonny, von Dev Patel als listiger, exotischer Parsifal dargestellt, und seine Mentorin, die alte englische Jungfer Muriel, gespielt von der großen Maggie Smith, dieses schöne, geschäftstüchtige Paar, das die Historie des englisch-indischen Verhältnisses widerspiegelt und zugleich in einem neuen Licht erscheinen lässt, unternimmt im Prolog des Films einen USA-Trip. In Amerika wollen die beiden für ihr Underdog-Senioren-Projekt Investoren finden. Eine Hotelkette, spezialisiert auf ältere Gäste, zeigt vages Interesse. Man werde einen Prüfer ins Marigold nach Indien schicken, quasi einen Undercover-Agenten, der die Rentabilität des Hotels erkunden soll.

Im Marigold findet derweilen das immerwährende Spiel von Dauer und Neubeginn statt. Private Ängste und Träume werden erhöht im halböffentlichen Raum des Hotels. Das provisorische Marigold, schwankend zwischen Verfall und Aufstieg, wirkt wie ein Ort der letzten Chancen für eine kleine indisch-europäische Gesellschaft. Wahrscheinlich ist Vicki Baums alter, oft verfilmter Roman »Menschen im Hotel« neben mannigfachen Indienvorstellungen die Hauptinspiration des Films von John Madden (Regie) und Ol Parker (Drehbuch).

Im Gewebe der Figuren ragen Judi Dench und Bill Nighy hervor. Sie, mit ihrer Stärke und Ernsthaftigkeit gewissermaßen eine Premierministerin der Herzen, die in Indien wieder zu arbeiten beginnt, und er, der zerstreute Romantiker, der ein wenig sein Gedächtnis verliert: Sie sind das zentrale Liebespaar, das die Vergangenheit überwinden und noch zueinanderfinden muss. Daneben gibt es die Jungen: den bereits erwähnten, übereifrigen Hotelchef Sonny Kapoor, der kurz vor der Hochzeit mit seiner Sunaina (Tina Desai) steht, aber von Eifersucht und Ehrgeiz geplagt wird.

Zwei Paare, die ihre Zukunft in den Griff kriegen und zueinanderfinden müssen. Von all den anderen Bewohnern, die in mehr oder weniger gelungenen tragikomischen Verwicklungen stecken, ragt Celia Imre erneut heraus: Keine kann so wunderbar den schönen, deftigen Sex-Appeal einer über 60-Jährigen ausspielen wie sie.

Der Suspense des Sequels liegt nun darin, wer unter den wenigen neuen Gästen sich als heimlicher Agent der US-Investoren entpuppt. Eines Tages erscheint im Hof des Hotels ein Mann, der gewiss ein heimlicher Agent in allen sentimentalen und erotischen Angelegenheiten sein könnte. Es tritt auf: Richard Gere, der tatsächlich auf der Suche nach dem wahren Lebensabend ist und bald in ein heftiges amerikanisch-indisches Melo mit der sinnlichen Mutter des Hotelchefs (Lillete Dubey) verstrickt wird. Geres Gastrolle ist großartig, eine vitale Performance, die den Schock und gleichzeitig den Glamour des Alters beinhaltet.

Man muss es John Madden und Ol Parker doch hoch anrechnen, dass sie die perfekte Feelgood-Dramaturgie dieser internationalen Produktion gleichsam durchlässig gemacht haben, mit subtilen, widerspenstigen, manchmal sogar poetischen Reflexionen über Alter, Liebe und Lebensglück.

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