Kritik zu Alien: Covenant

© 20th Century Fox

2017
Original-Titel: 
Alien: Covenant
Filmstart in Deutschland: 
18.05.2017
Musik: 
L: 
122 Min
FSK: 
16

Variation und Evolution: Ridley Scotts »Prometheus«-Fortsetzung bietet viel Altbekanntes, treibt die Saga aber auch auf bislang wenig erforschtes Terrain

Bewertung: 3
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Die erste Einstellung zeigt, wie im ­»Blade Runner«, ein Auge in Großaufnahme. Es reflektiert allerdings nicht die nächtliche Skyline von L. A., sondern das kühle Weiß eines aseptischen Saals, in dem »Vater« und »Sohn« Zwiesprache halten. Peter Weyland (Guy Pearce), Mastermind und Initiator der Alien-Expeditionen, begutachtet seine Schöpfung, den Androiden David (Michael Fassbender). Der erfüllt nicht nur alle Erwartungen – er kann laufen, sprechen, Klavier spielen –, sondern dreht schon bald den Spieß um: Wenn Weyland ihn erschaffen habe, fragt er mit bedrohlichem Unterton, wer hat dann Weyland erschaffen?

Wie schon in »Prometheus«, dem ersten von vier geplanten Prequels der »Alien«-­Saga, dreht sich auch in »Covenant« alles um die große Frage nach dem Ursprung des menschlichen Lebens. War Alien-DNA der Kickstarter der irdischen Evolution? Sind H. R. Gigers hartnäckige Silberschleimkreaturen am Ende unsere Ahnen? Gespiegelt wird diese Schöpfungsthematik im mindestens ebenso interessanten Verhältnis von menschlicher zu künstlicher Intelligenz. Darin kommt Covenant dem Blade Runner tatsächlich erstaunlich nah. Der stilisierte Prolog – zugleich ein Flashback, schließlich kam Weyland in Prometheus ums Leben – kreist um ähnlich vielschichtige Positionen wie die Begegnung zwischen Rutger Hauers Replikanten und seinem Designer: Wo verläuft die Grenze zwischen »echtem« und »falschem« Leben? Gibt es eine Hierarchie zwischen dem schwachen »Gott« und seiner starken Kreatur? Später wird der makellose David wie einst Roy Batty seinem »Vater« dem »Bruder« einen Todeskuss geben: ein dunkel funkelnder Akt zwischen Liebe und Hass, Vergeblichkeit und Notwendigkeit.

Es steckt also durchaus ein Autorenfilm im sechsten Beitrag zum »Alien«-Franchise. Ridley Scott, als Produzent wie als Regisseur auch mit knapp 80 Jahren erstaunlich rastlos, widmet sich sehr ernsthaft den Themen, die ihn schon in seinen frühen Sci-Fi-Meisterwerken beschäftigten – und entwickelt sie clever weiter. Stellenweise wirkt der Film wie ein direkter Kommentar zur aktuellen Industrie-4.0-Debatte: wie eine düstere Warnung vor dem Tag, an dem die Roboter übernehmen werden.

Zugleich ist »Alien« selbstverständlich ein B-Movie im grandiosen Blockbuster-Gewand. Es liefert die üblichen Horror-Thrills – und ein paar ungewöhnliche noch dazu. Anfangs scheint es gar, als wolle der Film das bekannte Schema nur geringfügig variieren. Die Story setzt rund zehn Jahre nach dem Ende von »Prometheus« ein, wieder begleiten wir ein Raumschiff der Weyland Corporation auf seinem Weg in die unendlichen Weiten, wieder kommt es unterwegs zu einer Irritation, und wieder muss die Crew vorzeitig aus dem Hyperschlaf geweckt werden. Dabei kommt der Kapitän der Covenant (James Franco in einem Cameo ohne Credit) ums Leben, und der zögerliche Oram (Billy Crudup) muss das Kommando übernehmen. Als die Besatzung einen vermeintlich menschlichen Funkspruch empfängt, ändert das Schiff seinen Kurs, um auf einem bis dahin unbekannten Planeten nach dem Ursprung der Nachricht zu suchen.

Durchaus geschickt spielt der Film mit den Motiven der Reihe; vor allem Scotts Ur-»Alien« und James Camerons waffenstarrendes Sequel werden immer wieder zitiert und variiert. Wenn die Raumfahrer dann auf dem ziemlich erdähnlichen fremden Planeten ankommen, beginnt einerseits das vertraute Zehn-kleine-Jägermeister-Spiel, bei dem jeder unverzüglich eliminiert wird, der sich mit einem »Ich geh mich mal frisch machen« von der Gruppe entfernt. Andererseits gelingt es dem Drehbuch von John Logan und Dante Harper, komplettes Neuland zu betreten. Denn in der bewaldeten Berglandschaft begegnen den Astronauten nicht nur die unvermeidlichen »Facehugger«, sondern auch besagter David, den es nach der letzten Alien-Mission hierher verschlagen hat. Mit ihm beginnt ein finsteres existenzialistisches Endspiel, das der ausufernden Reihe noch einmal kräftig Leben einhaucht – allerdings ein sehr artifizielles.

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