Kritik zu 300 Worte Deutsch

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Gut besetzt und ziemlich entspannt: Die Integrationskomödie erzählt von "Importbräuten", alltäglichem Rassismus und unkonventionellen Wegen zum Miteinander

Bewertung: 3
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3 (Stimmen: 2)

Die Regeln sind behördlich festgelegt: 300 deutsche Wörter müssen sie aktiv beherrschen, 650 verstehen – dann darf die Gruppe türkischer Frauen, deren Einreise und Verkupplung der umtriebige Cengiz angeleiert hat, in Deutschland bleiben. Doch wenn es nach dem Willen von Ausländeramtsleiter Ludwig Sarheimer geht, sollen die »Kanakenweiber« so oder so wieder nach Anatolien geschickt werden. Wie anscheinend so viele Deutsche glaubt der Sammler von Kreuzritterfiguren, er leide an Überfremdung. Dabei ist es wohl eher Unterfremdung, die ihn so engstirnig macht, meidet er doch jeden Kontakt mit den Fremden, über deren Schicksale er täglich entscheidet. Sein Neffe Marc, Frischling in der Behörde, versucht dagegen auf bisweilen anbiedernde Weise Korrektheit und Empathie in Einklang zu bringen – was ihn zunächst zum Gespött von Cengiz’ Tochter Lale macht, dann jedoch zu ihrem love interest. Die Vorzeige-Integrierte hat bisher immer zwischen familiärer Angepasstheit und Eigensinn balanciert, durch ihre Liebe aber muss sie nun Stellung beziehen.

Eine Vielzahl von Figuren und Episoden baut der Film mit leichter Hand um diese Hauptkonflikte herum, Geschichten vom Aufeinanderprallen der Kulturen, von Missverständnissen und auch inneren Kämpfen. Die Macher von 300 Worte Deutsch haben Erfahrung mit diesen Themen, im komödiantischen wie im ernsten Fach: Regisseur Züli Aladag sorgte 2006 mit dem grimmigen TV-Drama Wut über den Konflikt zwischen einer bürgerlichen deutschen Familie und einem türkischstämmigen Jugendlichen für einige Diskussionen. Autor Ali Samadi Ahadi inszenierte unter anderem die erfrischend unkonventionelle Liebesgeschichte »Salami Aleikum« um einen deutsch-iranischen Metzgerssohn und eine Vegetarierin.

Bereits im Vorspann lassen sie in lockerem Gestus mehrere Jahrzehnte Migrationsgeschichte Revue passieren, mit einer Montage historischer Statements von Politikern und Bürgern (»Ich habe gar nichts gegen Ausländer«). Der Plot um die importierten Türkinnen wird dann eher lose zusammengehalten, Drive entwickelt er nur selten, aber auch keine Verkrampfungen. Über türkische wie deutsche Eigenheiten macht sich der Film her, greift Klischees beider Seiten auf und zersetzt sie mit Komik. Er ersetzt allerdings auch einige jener kulturellen Klischees durch Genreklischees. So bietet er nur wenige Überraschungen.

Was 300 Worte Deutsch aber neben seiner entspannten Herzlichkeit sympathisch macht, ist seine durchweg stimmige Besetzung. So gibt Christoph Maria Herbst abermals einen Geistesverwandten des Bürohengsts Stromberg, Vedat Erincin versieht das konservative Familienoberhaupt Cengiz mit Spitzbubencharme, vor allem aber Pegah Ferydoni überzeugt als Lale, mit screwball-tauglicher Mischung aus Frechheit und Gefühl, etwa wenn sie den Türkinnen beim Sprachunterricht auch Vokabeln wie »Orgasmus« sowie ein paar Kampftechniken beibringt – Rüstzeug auch für den Umgang mit einem Machogatten.

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