FairFilmAward

Foto: Crew United (Facebook)/ Julia Nimke

Gestern zum Auftakt erstmal und zum ersten Mal – für den Tagesspiegel – zur Veranstaltung von »crew united« zur prekären Arbeitssituation bei Film und Fernsehen, die sich dann eigentlich als eine Preisverleihung herausstellte. Das Thema ist ja durch die Dieter-Wedel-Geschichte auch dem größeren Publikum etwas näher gekommen, das vielleicht bis dahin noch dachte, beim Filmen würde es nur mit Glanz und Glamour zugehen. Doch Werbung war am Donnerstagnachmittag im prall gefüllten (und schweinekalten) Saal im Kesselhaus der Kulturbrauerei nicht nötig. Dort waren (außer ein paar Berichterstattern wie mir) hauptsächlich Betroffene versammelt, die das, worüber gesprochen wurde, gut kennen und den kämpferischen Einführungs-Worten von crew-united-Sprecher Oliver Zenglein und  Bühnenschauspielerin Lisa Jopt mit Aufrufen zu mehr Mut und Eigeninitiative heftig applaudierten. Jopt ist Initiatorin des erfolgreichen »ensemble-netzwerk«, dem mit pfiffigen Aktionen einige spürbare Erhöhungen bei den Niedriggagen mancher Stadttheatern gelang.

Erstmal als Unterstützer dabei war neben 33 (!) anderen Unterstützenden Organisationen ver.di, deren stellvertretender Vorsitzender Frank Werneke bei dem folgenden Panel darauf verwies, dass mit gewerkschaftlicher Unterstützung im technischen Bereich bei den Theatern sehr viel bessere Ergebnisse erzielt worden seien. Doch der Organisierungsgrad im Film ist gering. Und auch das originelle genossenschaftliche Selbsthilfe-Konzept SmMartDe, das Magdalena Ziomek-Frackowiak vorstellte, hat in Europa 90.000 Mitglieder, in Deutschland erst 200.

Einig waren sich alle Panelteilnehmer über die Bedeutung, faire Produktionsbedingunen als Bedingung in die regionalen Filmförderungen einzuschreiben. Bei der baden-württembergische MFG wird dies nun erstmal geschehen. Größter Schwachpunkt bleibt aber die fehlende Kontrolle. Und die Tatsache, dass das Grundübel für die prekären Konditionen nicht bei den Produzenten sondern im ständigen Sparzwang der öffentlich-rechtlichen Sender liegt. Und es sieht nicht so aus, als würde sich da bald etwas zum Positiven verändern.

Preis:

Seit 2011 gibt es den von der Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände mit dem Branchen-Netzwerk crew-united ausgerichteten FairFilmAward, der einmal nicht für gelungene Filmkunst vergeben wird sondern für beispielhaft »faire« Bedingungen auf dem Set. Ausgewählt werden die Preisträger in einem zweistufigen Verfahren erst durch eine Online-Umfrage bei allen Branchen-Beschäftigten und dann durch gezielte ausführliche Befragung aller Mitarbeiter der in den Kategorien Serie und Spielfilm sechs bestplatzierten Drehs. Dabei gehen die Kriterien für die Preiswürdigkeit vom Honorar über die Vertragsgestaltung und Gleichberechtigung bis zum Arbeitsklima und werden ständig weiterentwickelt.

Auffällig, dass schon unter den Nominierten keine kleinen unabhängigen Produktionen sind. Und mit der von der Bavaria produzierten ARD-Serie »Rentnercops« und Sönke Wortmanns »Der Vorname« (Constantin, noch in Postproduktion; Filmstart 18. Oktober) gingen auch beide Preise an die ganz Großen. Das ist kein böser Wille, schließlich wirtschaften viele unabhängige und Arthouse-Produktionen kommerziell an der Grenze zum Abgrund. Die anwesenden Produktionsleitungen berichteten, dass bei beiden Gewinnern neben fairer Bezahlung und respektvollem Umgang auch »grünes« Arbeiten zählte.

Bleibt hinzufügen, dass es am 3. Mai zum Dokumentarfilmfestival München erstmals auch einen »Fair Film Award Non Fiction« geben wird.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns