Anspruchsvolles Kino – Der georgische Film „Auf der Straße“ gewinnt beim 10. goEast Filmfestival in Wiesbaden die „Goldene Lilie“

Die Gewinner
© Filmfestival goEast

Mit feierlicher Preisverleihung endete das zehnte Festival des mittel- und osteuropäischen Films goEast am Dienstag, den 27. April, in Wiesbaden. Zehn Spiel- und sechs Dokumentarfilme waren im Rennen um die Preise des Festivals „Die goldene Lilie“, den Hauptpreis des Festivals, und den ebenfalls mit 10.000 Euro dotierten Preis „Erinnerung und Zukunft“ der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. 14 der Wettbewerbsfilme feierten zudem bei goEast ihre Premiere. Vielfältig und sozialkritisch war das Programm in diesem Jahr, 123 Filme aus 35 Ländern wurden gezeigt und begeisterten das Publikum. Die Gewinnerfilme, die die international besetzte Jury, unter dem Vorsitz des russischen Filmkritikers Andrej Plachow überzeugen konnten, kamen aus Georgien, Ungarn, Israel und Russland.

Das kleine Land Georgien stellte bereits zum zweiten Mal den Sieger des Festivals. Der Regisseur Lewan Koguashvili überzeugte mit seinem Sozialdrama „Auf der Straße“ (Foto) die Festivaljury und wurde mit der „Goldenen Lilie“ für den besten Film ausgezeichnet. „Auf der Straße“ ist eine schonungslos sozialkritische Milieustudie über ein tristes Viertel der georgischen Hauptstadt. In den Straßen von Tiflis erzählt der Film vom Überlebenskampf eines Drogensüchtigen, der verzweifelt versucht, in seinem Alltag zwischen Sucht und Korruption einen letzten Rest Integrität zu bewahren. Neorealistisches Kino aus Georgien in bester Tradition, so lautete das Urteil der Jury.

Nicht ganz so aussichtslos ist die Situation in „Tage der Sehnsucht“, für den der ungarische Regisseur József Pacskovsky den Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie erhielt. Am Beispiel der 18-jährigen stummen Protagonistin Anna erzählt der Film von Schuldgefühlen, familiärem Rückhalt und der Verantwortung von Erwachsenen gegenüber jungen Menschen. Eine Geschichte über die Erwartungen und Hoffnungen in Zeiten einer sich rasendschnell verändernden Gesellschaft.

Im Wettbewerb um den Dokumentarfilmpreis präsentierte die junge israelische Autorin, Fotografien und Schauspielerin Noa Maiman ihren Debütfilm und wurde mit dem Preis „Erinnerung und Zukunft“ ausgezeichnet. Oy Mama / Oj Mama“ ist ein einfühlsames Porträt ihrer Großmutter, die den Holocaust überlebte, eine sensible Spurensuche auf den Pfaden der Erinnerung und zugleich eine Parabel über die Menschlichkeit.

Der bereits auf der Berlinale ausgezeichnete russische Film „How I Ended This Summer“  über das Zusammenleben auf minimalem Raum einer Wetterstation in der Arktis, überzeugte gleich mehrmals. Eindrucksvolle Naturaufnahmen, Einsamkeit und Stille dominieren den Film über längere Strecken. Aufgrund seiner herausragenden visuellen Kraft wurde der Film von Alexej Popogrebski gleich zweimal ausgezeichnet, mit dem Preis des Auswärtigen Amtes und dem FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik.

Auch für junge Nachwuchsfilmer ist goEast eine wichtige Plattform. Die Robert-Bosch-Stiftung bewilligte am Dienstag insgesamt 210.000 Euro Fördergeld für gemeinsame deutsch-osteuropäische Filmvorhaben. So können der deutsch-moldawische Kurzspielfilm "Panihida", das bulgarisch-kroatisch-deutsche Animations-Projekt "Father" und der Dokumentarfilm "Seatomorrow" über den Aralsee in Zentralasien mit den Preisgeldern realisiert werden.

Das vom Deutschen Filminstitut veranstaltete goEast-Festival hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem wichtigen Treffpunkt der mittel- und osteuropäischen Filmbrache entwickelt. Gerade in Zeiten, in denen osteuropäische Filme international Festivalerfolge feiern und Publikum wie Kritiker gleichermaßen begeistern, spielt goEast eine tragende Rolle in der deutschen Festivalszene. Sich dessen durchaus bewusst, zeigte sich auch Festivalleiterin Nadja Rademacher höchst zufrieden mit dem diesjährigen Jubiläumswettbewerb: „Das aktuelle Kino unserer östlichen Nachbarn und Freunde ist im Kommen und in der Filmwelt kein Exot. Die bei goEast gezeigten Filme zeugen von einem vielseitigen und ästhetisch anspruchsvollen Kino. Das verheißt einen Boom auch außerhalb von internationalen Filmfestivals: Es ist für die Zukunft noch viel zu erwarten!“.

Pascal Rehnolt

 


 


 


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