Die Oscar-Nominierungen sind erfrischend vielfältig – doch die Themen Krieg und Krise dominieren in fast allen Filmen

Burghart Klaußner, Ulrich Tukur, Ursina Ladi in "Das weiße Band"
© X Film

Erfreulich breit gestreut sind die Nominierungen der Academy of Motion Pictures Arts And Sciences in diesem Jahr. Zwar ist James Cameron mit dem erfolgreichsten Film aller Zeiten – „Avatar“ – dabei, was nicht überrascht. Erstaunlich dagegen ist, dass „The Hurt Locker“, ein Irakkriegsdrama, in ebenso vielen Kategorien vertreten ist wie Camerons neuer Blockbuster. Die neun Nominierungen für Kathryn Bigelows Film, der sowohl in Deutschland als auch in den USA an den Kinokassen keine großen Erfolge feiern konnte, sind die große Überraschung in diesem Jahr und würdigen die gelungene, schonungslose Darstellung des Alltags eines Bombenentschärfungskommandos im Irak zumindest bei den Awards. Bigelows Film ist jedoch nicht der einzige, der sich mit diesem kritischen Thema beschäftigt. Auch „The Messenger“ von Oren Moverman wurde in der Kategorie bestes Drehbuch nominiert, sowie Woody Harrelson als bester Nebendarsteller für die Rolle des Captain Tony Stone.

Besondere Hervorhebung verdient in diesem Jahr auch die Nominierung von Pete Doctors Animationsfilms „Up“ in der Kategorie „Best Motion Picture“. Nach Gary Trousdales und Kirk Wises „Beauty and the Beast“ 1992 ist es erst die zweite Nominierung eines Animationsfilms in dieser Kategorie in der Geschichte der Academie Awards. Doch die Konkurrenz ist groß: neben „Avatar“ wurde Quentin Tarantinos  „Inglourious Basterds“ nominiert, außerdem „The Blind Side“ von John Lee Hancock, Peter Jacksons Thriller „District 9“ sowie „An Education“ (Lone Scherfig) und „Precious“ (Lee Daniels). Zudem ist der neue Film der Coen-Brüder mit dabei: „A Serious Man“, eine Komödie, die von der Sinnsuche eines jüdischen Dozenten für Mathematik und Physik handelt und gerade bei uns in den Kinos anlief. Trotzdem muss „Up“ nicht leer ausgehen, sollte die Trophäe für den besten Film an einen anderen gehen, da Walt Disneys 3-D-Movie auch für den besten Animationsfilm nominiert wurde.

Spannend wird es in der Kategorie beste Hauptdarstellerin. Für ihre Darbietung in Nora Ephrons „Julie & Julia“ wurde Meryl Streep nominiert. Nachdem sie bereits zweimal die begehrte Auszeichnung entgegen nehmen durfte, wurde sie jetzt zum 16. Mal nominiert, ging jedoch seit 1984 immer leer aus. Diesmal muss sie sich mit Sandra Bullock messen, die für „The Blind Side“ auf einen Preis hoffen darf. Außerdem nominiert wurden Helen Mirren, die für „The Queen“ bereits einen Oscar bekam und diesmal für „The Last Station“ ausgezeichnet werden könnte, Shootingstar Carey Mulligan für Lone Scherfigs „An Education“ sowie die Neuentdeckung Gabourey Sidibe für die Titelrolle in Lee Daniels Sozialdrama „Precious“.

In der Kategorie bester Hauptdarsteller bekam Colin Firth für Tom Fords „A Single Man“ seine erste Oscarnominierung. Der Brite, den man unter anderem als Mark Darcy aus „Bridget Jones“ kennt, zeigt sich brillant in der Rolle des lebensmüden, melancholischen George und hätte die Trophäe durchaus verdient. Aber auch Morgan Freeman darf für die Darstellung von Nelson Mandela in Clint Eastwoods „Invictus“ auf den Oscar hoffen. Nominiert wurden außerdem Jeremy Renner für „The Hurt Locker“ und George Clooney für seine Darbietung des ultimativen Zynikers Ryan Bingham in „Up in the Air“ von Jason Reitman. Die Komödie, die gnadenlos die Abgründe der ökonomischen Krise beleuchtet, wurde zudem für den besten Film nominiert. Als Favorit der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" gilt allerdings Jeff Bridges, der bereits bei den Golden Globes ausgezeichnet wurde, und nun für seine Rolle als Countrysänger in Scott Coopers “Crazy Heart” auf einen Oscar hoffen darf.

Der Erfolg von Michael Hanekes „Das weiße Band“ (Foto) geht weiter. Nachdem das Drama über ein kleines Dorf in Norddeutschland kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges bereits in Cannes ausgezeichnet wurde und einen Golden Globe erhielt, wurde der Film gleich zweimal für den Oscar nominiert. In der Kategorie „Best Foreign Language Film“ tritt Haneke mit seinem Schwarzweißdrama unter anderem gegen Jaques Audiards ebenfalls vielgelobten „Un prophète“ an. Dieser wiederum läuft Gefahr, der ewige Zweite zu werden: bereits bei der Verleihung der Goldenen Palme in Cannes zog er den Kürzeren. Die zweite Nominierung für „Das weiße Band“ ging an Christian Berger in der Sparte „Best Cinematography“. Hier wurden außerdem noch Barry Ackroyd für „The Hurt Locker“ nominiert sowie Mauro Fiore für „Avatar“ und Robert Richardson für „Inglourious Basterds“. Sowohl in Deutschland wie in Österreich verbucht man des Weiteren auch die Nominierung von Christoph Waltz als Erfolg, der sich nach der Auszeichnung mit dem Golden Globe für seine Rolle des SS-Offiziers in "Inglourious Basterds" als bester Nebendarsteller nun auch bei den Oscars Chancen ausrechnen kann.

Sophia Grundhoff


 


 


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