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Sensibler Rebell – Der Schauspieler Patrick Swayze erlag einem Krebsleiden Von Kai Mihm
Zunächst einmal war da dieses sanfte Lächeln, das er auf Kommando in ein schelmisches Grinsen verbreitern konnte. Dann dieser Blick, der immer eine Mischung aus jungenhafter Neugierde und Offenheit sowie einen Hauch Melancholie ausstrahlte. In Kombination mit der etwas provinziell wirkenden Föhnfrisur, dem athletischen Körperbau und dem unprätentiösen Auftreten wirkte Patrick Swayze selbst mit zunehmendem Alter stets wie der Prototyp des All American Boy: gut aussehend, aber kein Schönling; lässig, aber trotzdem bodenständig; eigenwillig, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Swayzes Mangel an trainierter Hollywood-Coolness, der ihn soviel nahbarer wirken ließ als andere Stars seiner Generation, mag auf seinen vergleichsweise späten Durchbruch im Filmgeschäft zurückzuführen sein: 1952 in Houston (Texas) als Sohn einer Choreographin geboren, erschien Swayze nach Anfängen als Tänzer für die Disney Company erst mit 31 auf dem Radar Hollywoods, als Francis Ford Coppola ihn 1983 in einer Hauptrolle des 60er-Jahre-Jugenddramas "The Outsiders" besetzte. In der Clique der damals aufstrebenden Jungstars wie Matt Dillon, Emilio Estevez und Rob Lowe nahm der deutlich ältere Swayze zumindest auf der Leinwand eine Art Führungsrolle ein: Nach dem Gang-Leader in "The Outsiders" gab er 1984 den Anführer einer Gruppe jugendlicher Widerstandskämpfer in John Milius' "Die rote Flut". In diesem Film stand er auch erstmals gemeinsam mit Jennifer Grey vor der Kamera, mit der er drei Jahre später jenen Film drehte, mit dem sein Name untrennbar verbunden ist: "Dirty Dancing". Die melodramatische Schmonzette über eine Teenagerin, die sich in ihren Tanzlehrer verliebt, bedeutete für swayze nach seiner TV-Hauptrolle in "Fackeln im Sturm" (1985) nicht nur den endgültigen Durchbruch als Kinostar, sondern machte ihn auch zum Schwarm aller Teenage-Girls und zugleich zum Traum aller Schwiegermütter - war sein Tanzlehrer Johnny Castle doch die perfekt konsensfähige Mischung aus sanfter Rebellion und wertebewusster Bürgerlichkeit. "Dirty Dancing" avancierte schnell zum Kultfilm, und Swayze, der auch den romantischen Titelsong "She's Like the Wind" beisteuerte, wurde das Image des sensiblen Rebellen fortan nicht mehr los. Seine Versuche, sich mit Filmen wie dem kruden Endzeit-Thriller "Steel Dawn" (1987) oder dem Actionfilm "Road House" (1989) von seinem Softie-Image zu distanzieren, blieben nicht nur an den Kinokassen erfolglos: Sowohl für "Road House", als auch für den Cop-Thriller "Ruf nach Vergeltung" (1989) wurde Swayze bei den berüchtigten Anti-Oscars, den "Razzie Awards", als schlechtester Darsteller nominiert. Mit "Ghost" gelang ihm 1990 ein fulminantes Comeback: Die übersinnliche Romanze über einen Ermordeteten, der seiner trauernden Freundin (Demi Moore) als Geist erscheint und ihr hilft, über seinen Tod hinwegzukommen, spielte weltweit mehr als 500 Millionen Dollar ein, wurde mit zwei Oscars ausgezeichnet und entwickelte eine ähnliche Fangemeinde wie vormals "Dirty Dancing". Man konnte förmlich die Erleichterung des Publikums spüren, dass swayze sich endlich wieder auf jene Rolle des romantischen Helden zurückbesann, in der vor allem das weibliche Publikum ihn am liebsten sah. 1991 kürte ihn das People-Magazine zum "Sexiest Man Alive". Dieses Image machte sich Kathryn Bigelow zunutze, als sie Swayze im gleichen Jahr in ihrem innovativen Actionthriller "Gefährliche Brandung" besetzte: In der Rolle des Banken ausraubenden, langhaarigen Surfer-Gurus Bodhi gelang es swayze erstmals, die spirituellen Elemente seiner romantischen Rollen mit seinen Versuchen als Actionheld in Einklang zu bringen. Trotzdem steckte seine Karriere in den kommenden Jahren in einer Sackgasse. Mit seinem Widerwillen, sich auf ein klar definiertes Rollenimage festlegen zu lassen, verunsicherte er Produzenten, Casting-Agenten – und das Publikum. Hinzu kamen ernste Alkoholprobleme, und nach seinem hoch gelobten Auftritt in dem Transvestiten-Roadmovie "To Wong Foo" (1995) verschwand Swayze für drei Jahre von der Bildfläche. Ein echtes Comeback wollte ihm danach nicht mehr recht gelingen. Halbherzige Versuche, mit Werken wie dem Tanzfilm "One Last Dance" (2003) an frühere Hits anzuknüpfen, erzielten nicht die erhoffte Resonanz. Über wohlwollende Kritiken für seine charaktervollen Auftritte in Filmen wie "Donnie Darko" (2001) oder "Waking Up in Reno" (2002) ging der Erfolg der letzten Jahre nicht hinaus. Im Januar 2008 wurde bei Swayze, der seit 1975 mit seiner Kollegin Lisa Niemi verheiratet war, Bauchspeichelkrebs diagnostiziert. Trotzdem nahm er weitere Rollen an und dementierte vehement alle Gerüchte über den erfolglosen Verlauf der Therapie. Doch der Kampf gegen die Krankheit ging verloren.
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